Als Trainer von Leverkusen nimmt Peter Bosz seinen zweiten Anlauf in der Bundesliga. Er ist „noch nicht fertig“, sagt er – und möchte sich eine Spitze in Richtung Dortmund nicht verkneifen.

Leverkusen

, 23.02.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seinen Humor behielt Peter Bosz bis zum bitteren Ende. Ein Journalist meldete sich auf der Pressekonferenz zu Wort, er wollte noch eine Frage stellen, merkte dann aber, dass er vergessen hatte, was er eigentlich fragen wollte und zog die vermeintliche Frage wieder zurück. Bosz musste tatsächlich kurz lachen. „Es ist wie mit meinen Spielern. Erst bereiten wir alles vor, aber dann vergessen sie alles“, sagte er.

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Bosz ging in einem traurigen Moment mit einem schonungslosen Lacher. Es waren die letzten Worte des Niederländers als BVB-Trainer. Am späten Abend des 9. Dezember 2017 war Schluss. Die 1:2-Niederlage im Heimspiel gegen Werder Bremen war mindestens eine Enttäuschung zu viel gewesen. Die BVB-Bosse zogen nach 15 Spieltagen die Notbremse.

Kurze, aber wilde Ehe zwischen Bosz und dem BVB

Es war zu diesem Zeitpunkt der erwartete Schlussstrich unter eine kurze, aber wilde Ehe zwischen Bosz und Borussia Dortmund: Stürmischer Start, krachendes Ende. Von Platz eins mit 19 Punkten aus sieben Spielen auf Rang acht nach 15 Spielen, außerdem sang- und klanglos raus aus der Champions League und zwischendurch auch noch ein denkwürdiges 4:4 gegen den FC Schalke nach 4:0-Führung. Abgehoben. Losgeflogen. Abgestürzt.

„Ich freue mich auf das Stadion, auf die Gelbe Wand, auf die Mitarbeiter, auf die Spieler.“
Peter Bosz

Nun, gut 14 Monate später, kehrt Bosz als Trainer von Bayer Leverkusen zurück nach Dortmund in den Signal Iduna Park. Der heute 55-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass es für ihn ein besonderes Spiel ist. „Ich freue mich auf das Stadion, auf die Gelbe Wand, auf die Mitarbeiter, auf die Spieler“, sagt er.

Er macht auch keinen Hehl daraus, dass die Zeit in Dortmund nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist. „Ich wollte zurück in die Bundesliga“, hat Bosz bei seiner Vorstellung unter dem Bayer-Kreuz Anfang Januar gesagt, „ich bin hier noch nicht fertig.“ Die Zeit in Dortmund sei viel zu kurz gewesen. „Die Leute haben noch nicht den richtigen Peter Bosz kennengelernt.“ Er habe in seiner Zeit beim BVB Fehler gemacht, aber die werde er nun nicht mehr machen. Genauer benennen möchte Bosz die Fehler von damals nicht, er sagt nur: „Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der keine Fehler macht, aber es geht darum, dass man aus diesen Fehlern lernt. Das nennt man Erfahrung.“

Leverkusen enttäuscht in den Pokalwettbewerben

Bisher zeigt die Erfahrung, dass der Bayer-Bosz bereits ziemlich viele Parallelen zum BVB-Bosz aufweist. In der Liga ist der gebürtige Apeldoorner mit seiner Mannschaft furios gestartet, steht auf Platz eins in der Rückrundentabelle und feierte zuletzt vier Siege in Serie, darunter ein ziemlich berauschendes 3:1 gegen den FC Bayern München. In den Pokalwettbewerben ist Bosz mit seiner Mannschaft dagegen schon furios gescheitert. Raus im DFB-Pokal bei Zweitligist Heidenheim, raus in der Zwischenrunde der Europa League gegen FK Krasnodar.

BVB trifft auf Ex-Trainer: Woran Peter Bosz in Dortmund gescheitert ist

Auch in Leverkusen verfügt Peter Bosz mit Spielern wie unter anderem Leon Bailey über viel Qualität in der Offensive. © imago

Jetzt also die Rückkehr nach Dortmund. Von den BVB-Verantwortlichen ist bis heute kein schlechtes Wort über Bosz in der Öffentlichkeit zu hören. Nicht von Hans-Joachim Watzke, nicht von Michael Zorc. Der BVB-Sportdirektor sagt im Gespräch mit dieser Redaktion: „Wir sind nicht im Bösen auseinandergegangen. Die Ergebnisse haben einfach nicht mehr gepasst. Wir stehen immer noch in Kontakt. Ich habe Peter zu seiner neuen Aufgabe in Leverkusen beglückwünscht und bin mir sicher, dass er einen guten Job machen und guten Fußball spielen lassen wird. Die ersten Wochen haben das ja auch schon gezeigt.“

Bosz‘ Menschlichkeit in guter Erinnerung

Vor allem Bosz‘ Menschlichkeit ist den Verantwortlichen bei Borussia Dortmund in guter Erinnerung geblieben. Und vielleicht war er ja sogar ein bisschen zu lieb für diese BVB-Mannschaft der Saison 2017/2018. Ein streikender Ousmane Dembélé, ein wechselwilliger Pierre-Emerick Aubameyang, ein dauerverletzter Marco Reus, ein widerspenstiger Sokratis, der wie manch ein anderer nicht viel von Bosz‘ fußballerischem Ansatz hielt.

„Vielleicht machen die Spieler in Leverkusen es besser, als es die Spieler in Dortmund gemacht haben.“
Peter Bosz

Ein Ansatz, der sich in Leverkusen nicht verändert hat, wie Bosz noch einmal unterstrich. „Ich wollte auch in Dortmund gerne so spielen lassen wie hier“, meinte Bosz auf die Frage, ob er in Leverkusen mehr Wert auf Absicherung lege – und wollte sich dann eine kleine Spitze an seine ehemaligen Spieler nicht verkneifen. „Da ist kein Unterschied, was mich betrifft. Aber vielleicht machen die Spieler in Leverkusen es besser, als es die Spieler in Dortmund gemacht haben. Das ist auch eine Möglichkeit.“

Beim BVB scheiterte Bosz an seiner Spielidee

Zu Dortmunder Zeiten hat Bosz seine Enttäuschung über die Mannschaft nur bei seinen allerletzten Worten als BVB-Trainer derart offen zur Schau getragen. Er fühle sich von seinem Team nicht im Stich gelassen, sagte Bosz noch, bevor der Journalist die Frage vergaß. „Ich bin am Ende für die Ergebnisse der Mannschaft verantwortlich.“

BVB trifft auf Ex-Trainer: Woran Peter Bosz in Dortmund gescheitert ist

Sommer 2017: Die Saison des BVB beginnt verheißungsvoll, mit etlichen Spielern hat Peter Bosz aber seine Probleme. © imago

Ob im Stich gelassen oder nicht. Gescheitert ist Bosz beim BVB vor allem daran, dass er es nicht geschafft hat, die gesamte Mannschaft hinter seiner extremen Spielidee zu versammeln. 4-3-3 til I die. Fußball total. Wenn nicht alle mitmachen, geht’s schief. In Dortmund haben beim BVB nicht alle mitgemacht. Vielleicht machen bei Bayer Leverkusen in Dortmund Sonntag ja alle mit.

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Der ehemalige BVB-Trainer Peter Bosz spricht in der Heimat über seine Zeit bei Borussia Dortmund und plaudert munter aus dem Nähkästchen - dabei sind einige pikante Aussagen. Von Tobias Jöhren

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