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Borussia Dortmund II

BVB-U23-Zugang Philipp Harlaß bekommt Tipp von einer echten Legende

Bei Borussia Dortmunds U23 wartet Offensivmann Philipp Harlaß auf seine Einsatzchance. Im Sommer kam er vom 1. FC Nürnberg - im Reisegepäck: ein wichtiger Tipp von Club-Legende Marek Mintal.

Philipp Harlaß trug es mit Fassung und zog die dicke BVB-Jacke fix wieder an. Zuvor hatte er sie beiseite gelegt, sich fertig gemacht für einen Joker-Einsatz. 74 Minuten waren abgelaufen, das Dortmunder U23-Personal rannte an gegen den in der engen 5-4-1-Anordnung verteidigenden SV Bergisch Gladbach – ein Geduldsspiel, das Harlaß beleben sollte. Eigentlich. Dann flankte Taylan Duman auf den Kopf von Steffen Tigges – und es stand 1:0.

Letztlich siegte die Borussia mit 3:0, absolvierte eine erfolgreiche Dienstreise und nutzte zudem den Ausrutscher von Rot-Weiss Essen – gegen Aachen spielte der aktuelle Tabellenführer nur Remis. All das sorgte für Heiterkeit, zumal nach dem vorangegangenen 1:2 gegen Rödinghausen wieder ein Erfolg gesammelt wurde. „Auswärtssiege sind schön“, intonierte der BVB II anschließend im Mannschaftskreis. Mittendrin: Offensivmann Harlaß.

Harlaß erhält Lob von BVB-U23-Coach – und muss dennoch warten

Er sei ein „außergewöhnlicher Spieler“ für die Borussia und „nah dran“ an der Ersten Elf, meinte Trainer Enrico Maaßen vor zwei Wochen. „Von daher ist Philipp ein Kandidat, um mal wieder zu starten. Dennoch muss man sagen, dass insbesondere auf seiner Position einige Spieler einen richtig guten Job gemacht haben.“ Es müsse abgewartet werden, „wer zu welchem Gegner passt“.

Zu resümieren ist: Für Harlaß passte es bislang noch nicht. Seit Maaßens Aussage kam der 22-Jährige in drei Spielen zum Einsatz, über 20, 21 und 25 Minuten. Gegen Bergisch Gladbach saß er nun über die gesamte Zeit in frostiger Kälte. Zunächst wurde ihm Tobias Raschl vorgezogen, der sollte sich in den Zwischenräumen bewegen und Bälle in den Strafraum durchstecken. Für den BVB II verrichtete der Profi diese Arbeit zum ersten Mal.

Eine Fußprellung hat BVB-Neuzugang Harlaß hat zurückgeworfen

Dann wurde Harlaß der quirlige Alaa Bakir vorgezogen. Er, Typus Straßenfußballer und zuletzt Platzhalter in dieser zentralen Rolle, kam als Einwechselspieler. Und als Harlaß rund zehn Minuten später drauf und dran war, ebenfalls reingeworfen zu werden, fiel das 1:0. Maaßen bat Harlaß, sich wieder warm einzupacken und brachte lieber Florian Krebs – ein eher ausgleichender Charakter, keiner, der ohne Unterlass stürmt und drängt.

Insgesamt 14 Regionalliga-Spiele sind inzwischen absolviert, in nur sieben davon hat Harlaß mitmachen können, jeweils in Teilzeit. Das höchste der Gefühle war sein 83-minütiger Einsatz gegen den 1. FC Köln II am zweiten Spieltag. Seither hat es der junge Offensivspieler schwer. Die Konkurrenz bei Borussia Dortmunds U23 ist ausgesprochen stark – und eine heftige Fußprellung legte ihn wochenlang flach.

Harlaß ist im Sommer vom 1. FC Nürnberg zum BVB gewechselt

„Im Spiel gegen Lotte (am 16. September, Anm. d. Red.) ist es passiert“, erzählt Harlaß den Ruhr Nachrichten. „Ich wollte schießen, dann kam der Gegner und ich habe ihn an der Sohle erwischt“ – er trat seinerzeit direkt in die Eisenstollen. „Mein rechter Fuß ist stark angeschwollen, ich hatte zwei, drei Wochen starke Schmerzen, konnte nicht passen und nicht schießen. Ein Knochenödem hat sich da entwickelt“, teilweise spüre er es jetzt noch.

Im Spiel sei es zwar kein Problem mehr, sagt er, stellt dann aber klar, dass ihn diese Verletzung natürlich „zurückgeworfen“ habe. Harlaß kam im Sommer vom 1. FC Nürnberg II, überzeugte sowohl mit seiner Kombinationsfähigkeit auf begrenztem Raum und seinen Läufen in die Tiefe. In den ersten Regionalliga-Spielen habe er „richtig gute Leistungen“ gezeigt, findet Harlaß. Dann folgte die Fußprellung. Harlaß fehlte vier Wochen.

Philipp Harlaß hilft dem BVB als Joker

„Alaa Bakir hat sich in die Mannschaft reingespielt, er macht es richtig gut, keine Frage“, meint der im fränkischen Schwabach geborene Kreative sportlich-fair – und sagt: „Ich muss schauen, dass ich im Training Gas gebe. Wenn ich meine Chance erhalte, muss ich Leistung bringen.“ So wie zuletzt in Lippstadt (4:0) oder auf Schalke (5:1), als er nach Einwechslung jeweils einmal traf.

In Nürnberg, wo Harlaß 73 Mal in der Regionalliga Bayern auflief (16 Tore, 6 Assists), wurde er unter anderem von Club-Legende Marek Mintal trainiert, weniger im taktischen Bereich, mehr in Sachen Torabschluss. Das „Phantom“, wie er vor allem früher wegen seiner unauffälligen, aber häufig höchst effektiven Spielweise gerufen wurde, gab ihm den ebenso einfachen wie einleuchtenden Hinweis: „Man sollte nicht viel überlegen und nur kurz schauen, wo der Torwart steht.“

Philipp Harlaß wartet beim BVB auf seine Chance

Dies versuche er zu beherzigen – und sich in Dortmund darüber hinaus im persönlichen und sportlichen Bereich fortzubilden. „Ich bin das erste Mal von zu Hause weg – das ist wichtig und neu für mich“, sagt er. Und: „Die Liga wird mich körperlich weiter bringen, ich will robuster werden und mich taktisch verbessern. Dann wird man sehen, wo der Weg hinführt.“ Erst einmal zurück in die Startelf, das ist die Hoffnung.

Ein Scout habe Maaßen seine Dienste empfohlen, sagt Harlaß. Der Fußballlehrer sei daraufhin auf ihn zugekommen – und habe ihn für die neue Aufgabe begeistert. Harlaß hatte sich damals von einer Schambeinentzündung erholt, sprühte anschließend vor Tatendrang und Spielwitz, bis ihn die unglückliche Prellung ausbremste. Heute wartet er auf seine nächste Startelfchance – und ist optimistisch: „Ich habe einen super Trainer, der mich unbedingt haben wollte.“

BVB-Mittelfeldspieler Philipp Harlaß könnte gegen Straelen starten

Daran hat sich nichts geändert. Seine Zeit, meint Maaßen, werde ganz sicher kommen. Vielleicht schon am Samstag, wenn die Borussia auf den SV Straelen trifft? „Ich wäre auf jeden Fall bereit, von Anfang an zu spielen“, sagt Harlaß. Bei den angepeilten 100 Prozent sei er „noch nicht“, die volle Leistungsfähigkeit werde er aber peu á peu erreichen, „wenn ich spiele“. Maaßen wird abwägen, wann es am meisten Sinn ergibt. Für den 36-Jährigen ist es ein Luxusproblem.

Über den Autor
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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Leon Elspaß

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