Die Zusammenarbeit mit Lucien Favre fußte beim BVB zuletzt nur noch auf einem geringsten gemeinsamen Nenner. © imago / ULMER Pressebildagentur
Meinung

BVB unter Favre: Stillstand und Zweckbündnis – Trennung war unvermeidlich

Der BVB trennt sich am Tag nach dem Stuttgart-Desaster von Lucien Favre. Zuletzt prägten Stillstand und Entfremdung die Zusammenarbeit - die Entlassung des Schweizers war daher unvermeidlich.

Als Peter Bosz vor drei Jahren von Niederlage zu Niederlage stolperte, da tat sich Borussia Dortmund enorm schwer, die Trennung vom Niederländer zu vollziehen. Die Philosophie des Trainers passte zum BVB, er ließ einen extrem offensiven Fußball spielen und wurde zudem in der Zusammenarbeit immer als angenehm und verlässlich beschrieben. Es passierte schließlich erst kurz vor Weihnachten nach einer für den BVB beispiellosen Negativserie.

Allein der Zeitpunkt ist eine erstaunliche Parallele zu diesem Trainerwechsel, überraschen konnte er am Ende ebenso wenig. Ansonsten aber ist diesmal vieles anders. Lucien Favre wurden nicht nur die vergangenen 15 Tage zum Verhängnis, in denen das Unheil quasi aus dem Nichts über Borussia Dortmund hereinbrach. Der Glaube, dass Favre die Mannschaft, die in den zweieinhalb Jahren seiner Arbeit in Dortmund mit Transfers in einer Höhe von rund 160 Millionen Euro verstärkt wurde, weiterentwickeln und zu Titeln führen könnte, schwand seit Monaten.

Am Ende war er nicht mehr vorhanden. Gezögert hat der BVB daher diesmal nicht, denn die Zusammenarbeit mit dem bisweilen kauzigen Schweizer fußte ohnehin nur noch auf einem geringsten gemeinsamen Nenner: Die gemeinsame Zeit möglichst erfolgreich zu Ende zu bringen und dann den sauberen Schnitt zu machen. Favres Wirken hätte im Sommer geendet, ihn hätten wohl auch keine Titel mehr gerettet, die ja jetzt in allen Wettbewerben theoretisch noch möglich sind.

Die BVB-Spieler lassen Lucien Favre gegen Stuttgart im Stich

Das 1:5 gegen den VfB Stuttgart setzte den BVB nun unter akuten Handlungszwang. Es gab nach diesem Spiel kein „weiter so“ mehr. Denn wenn eine Mannschaft ihren Trainer so offenkundig im Stich lässt wie am Samstag geschehen, dann liegt die Vermutung nahe, dass da im Verhältnis zwischen Trainer und Spielern doch mehr im Argen liegt als nur die übliche Unzufriedenheit derer, die seltener zum Zug kommen. Auch für die Vereinsführung wurde die Zusammenarbeit mit Favre von Monat zu Monat anstrengender. Aufstellung Spielweise, Taktik – die immer öfter unterschiedlichen Auffassungen zwischen Spielern und Vereinsführung auf der einen, sowie dem Trainer auf der anderen Seite beeinflussten schlussendlich die Resultate und gefährdeten die Ziele.

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Auch wenn Favre immer noch statistisch mit Thomas Tuchel der erfolgreichste Trainer der BVB-Geschichte ist, war die Trennung am Ende unvermeidlich. Und der logische Nachfolger leitete am Sonntag das Training. Edin Terzic genießt intern ein hohes Ansehen, die Chance hat er sich verdient. Terzic soll die Mannschaft vor allem auf einer Ebene kitzeln, die Favre nie betreten hat. Mehr Emotionen in der Kabine, mehr Emotionen auf dem Platz – alle hoffen, dass diese Formel aufgeht. Womit man bei den Spielern angekommen ist: Ihr Auftritt am Samstag glich einem Offenbarungseid. Vielleicht hatten manche ja immerhin den Mumm, sich dafür bei dem zu entschuldigen, der die Rechnung zahlen musste.

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Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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