Nach monatelanger Verletzungspause zurück auf dem Rasen: Dan-Axel Zagadou. © imago / Jan Huebner
Borussia Dortmund

BVB-Verteidiger Zagadou feiert Comeback – Zorc: „Hat mir gefallen“

Der Längste ist auch der Coolste: Verteidiger Dan-Axel Zagadou will nach seinem BVB-Comeback schnell wieder wichtig werden fürs Team. Fans hat er intern wie extern.

Wie locker-lässig er tanzen kann, hat Dan-Axel Zagadou vorige Woche auch mal wieder gezeigt. Nicht auf dem Rasen oder der Tanzfläche (wo denn auch?), sondern in einem Werbespot des BVB. Für die Kooperation seines Arbeitgebers mit dem Kinderfernsehkanal Nickelodeon wackelte der 1,96 Meter große Riese durch einen Flur im Brackeler Trainingszentrum und lächelte dabei mindestens ebenso gewinnend wie die Comicfigur Spongebob Schwammkopf, die ebenfalls in dem Video auftauchte. Musik liegt „Daxo“ im Blut, er schwärmt für französischen Rap und werkelt auch gerne mal selber an Songs herum.

BVB-Sportdirektor Zorc lobt Rückkehrer Zagadou

Zum Glück für ihn bleibt dafür endlich weniger Zeit. Nach vier Monaten Zwangspause wegen eines Außenbandanrisses im Knie – wenn man die Ausfallzeit im Frühjahr wegen Schmerzen im selben Bereich hinzuzählt, sind es sogar fast neun Monate – hat der 21-jährige Franzose wieder Fußball gespielt. Mit welcher Selbstverständlichkeit er am Samstag in Frankfurt seinem Job nachging beim ersten Startelfeinsatz seit dem 11. März (0:2 in Paris), das verblüffte selbst die klubintern größten Experten. „Nach einer so langen Pause war das schon gut, seine Leistung hat mir gefallen. Vor allem, mit welcher Ruhe er schon wieder agiert hat“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc den Ruhr Nachrichten.

Zagadous Überzeugung auf dem Rasen, beim Tanzen oder im Privatleben: „Ich versuche immer, die Ruhe zu bewahren.“ Diese Coolness brachte er gegen die Eintracht sogleich wieder gewinnbringend für seine Mannschaft ein. Gegnerdruck mit hohem Pressing? Ein, zwei lange Schritte oder eine Drehung, dann löst sich der Abwehrhüne trotz der langen Hebel elegant aus der Umklammerung. 71 Mal bekam er am Samstag den Ball – kein anderer Borusse häufiger. Wo andere Mitspieler das Risiko scheuen oder panisch reagieren, hat Zagadou die Ruhe weg.

Zagadou: „Immer an meine Stärke geglaubt“

Mental wie körperlich sei er absolut fit aus der Zwangspause zurückgekommen, sagte der ehemalige Nachwuchsspieler von Paris Saint-Germain selber. Als im August, nach dem ersten Testspiel in der Sommervorbereitung, das Knie an derselben Stelle zwickte wie im April, war guter Rat teuer. Die Entscheidung fiel gegen eine Operation, dafür mit viel Reha, Stabilisierung und Kräftigung und einer Auszeit für den Kopf daheim bei der Familie in Paris. Obschon auch er einsieht, dass er als verletzungsanfällig gilt, habe er den Fokus nicht verloren. „Ich habe nie an mir gezweifelt, ich habe immer an meine Stärke geglaubt.“

Diese Stärken – Zweikämpfe in der Luft und am Boden, Stellungsspiel, Spielaufbau – kann er nun wieder gewinnbringend für seine Mannschaft und für sich einsetzen. Die Option Zagadou hat spürbar gefehlt in den vergangenen Wochen, wo seine Abwehrkollegen Emre Can und Manuel Akanji wegen Corona-Infektionen ausfielen. Besonders üppig ist die Position links in der Dreier- oder Viererkette nämlich nicht besetzt, sogar Mittelfeldmann Thomas Delaney musste dort aushelfen.

Zagadou traut sich beim BVB auch den Pass in die Spitze zu

Wegen beider Faktoren, seinem Können und der quantitativ begrenzten Konkurrenz, rechnet sich Publikumsliebling Zagadou große Chancen aus, jetzt wieder vermehrt zum Einsatz zu kommen. „Ich werde“, sagt er in ihm eigener Seelenruhe, „in diesem Kader eine wichtige Rolle spielen und meinen Platz bekommen.“ Neben seiner Ausstrahlung wird ihm auch sein Mut zu Vorteilen verhelfen, nach Mats Hummels spielt Zagadou die besten längeren Aufbaupässe aus der Kette heraus.

„Seine Leistung hat mir gefallen. Vor allem, mit welcher Ruhe er wieder agiert hat.“

Michael Zorc

Dass ihm in Frankfurt mehr Zuspiele als gewohnt misslangen, ist dabei weniger relevant als die erfreuliche Erkenntnis, dass er sich die vertikalen Pässe, im Gegensatz zu manchem Mittelfeldspieler, jederzeit zutraut. „Er wollte manchmal vielleicht sogar zu viel, gerade bei Diagonalbällen“, sagte Zorc. Das galt aber kaum als Kritik, daraus sprach mehr Freude darüber, dass Zagadou wieder auf dem Platz steht.

Zagadou beim BVB direkt wieder wichtig

Auch der Delegation, die am Montagnachmittag gen Russland fliegt für das Champions-League-Spiel bei Zenit in Sankt Petersburg, wird Zagadou angehören. Da der Start von 0 auf 90 Minuten am Wochenende geglückt ist, spricht viel für einen weiteren (Teilzeit-)Einsatz. Die Auszeit mag lang gewesen sein, seine gewünschte wichtige Rolle kann er direkt wieder einnehmen.

Das ist Dan-Axel Zagadou:

  • geboren am 3. Juni 1999 in Paris
  • beim BVB seit Sommer 2017
  • 43 Bundesliga-Spiele (4 Tore)
  • Supercup-Sieger 2019
  • 51 U-Länderspiele für Frankreich
Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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