Giulia-Chiara (l.) und Cornelia Gerber sind mit ihrem Sicherheitsdienst „PSS Gerber“ immer dabei, wenn der BVB zu einem Auswärtsspiel fliegt. © Groeger
Borussia Dortmund

Cornelia Gerber wacht mit ihrem Sicherheitsdienst über den BVB

Wenn Borussia Dortmund auf Reisen geht, dann ist auch Cornelia Gerber immer im Einsatz. Die 51-Jährige wacht mit ihrem Sicherheitsdienst aber auch über Ronaldo, Messi und Co.

„Ich hab sie schon alle gehabt“, sagt Cornelia Gerber, streckt ihre Hand heraus und beginnt, an den Fingern abzuzählen. „Barcelona, Real Madrid, Paris St. Germain, Arsenal, Inter Mailand“. Mit all diesen namhaften Klubs der Fußballwelt hat sie schon zusammengearbeitet. Immer dann, wenn die Vereine für ein Champions-League-Spiel nach Dortmund gereist sind. Cornelia Gerber betreibt einen Wach- und Sicherheitsdienst. Ihre Mitarbeiter sind es, die darauf aufpassen, dass Ronaldo, Messi und Co. nichts passiert, wenn sie in Dortmund zu Gast sind.

Durch die Corona-Pandemie ist es ruhiger geworden

Es ist Dienstagabend, der 1. Dezember, der Tag vor dem letzten Champions-League-Heimspiel des Jahres für den BVB. Cornelia Gerber hat sich neben der Eingangstür des Radisson-Blu-Hotels am Westfalenpark postiert. In ihrer schweren, dunkelblauen Jacke geht ihr zierlicher Körper beinahe verloren. Ihr Blick ist auf den schwarzen Bus gerichtet, der langsam Richtung Wendehammer fährt. Nach und nach steigen die Spieler von Lazio Rom aus und verschwinden sogleich im Hotel. Um Cornelia Gerber herum haben sich Sicherheitskräfte postiert. Ein paar Meter weiter steht ihre Tochter Giulia-Chiara, sie trägt die gleiche schwere Jacke wie ihre Mutter. Aufmerksam verfolgt Cornelia Gerber das Treiben, schaut, ob alles störungsfrei abläuft. An diesem Abend gibt es keinen Grund, einzugreifen.

Durch die Corona-Pandemie ist alles ein bisschen ruhiger geworden. Fans postieren sich nur noch selten am Hotel. Und bei einem verhältnismäßig kleineren Verein wie Lazio Rom erst recht nicht. Aber in den vielen Jahren, in denen sie jetzt schon die Fußballklubs in Dortmund begleitet, hat sie schon ganz andere Sachen erlebt. Vor allem dann, wenn Real Madrid zu Gast war. „Dann haben am Flughafen 600 Fans nur auf Cristiano Ronaldo gewartet“, sagt Cornelia Gerber.

Immer dabei, wenn der BVB zu einem Spiel fliegt

2012 hat ihr Unternehmen, zu dem 40 Mitarbeiter gehören, Real Madrid zum ersten Mal in Dortmund betreut. Über gute Kontakte ist sie an diesen Auftrag gekommen. Mittlerweile betreut sie den spanischen Top-Klub deutschlandweit, zuletzt beim Gastspiel in Mönchengladbach. Ihre Mitarbeiter sichern die Fußballprofis schon bei der Ankunft am Flughafen ab, begleiten sie zum Stadion und sind im Hotel – in Dortmund ist es meistens das Radisson Blu – vor Ort.

Seit 20 Jahren leitet Cornelia Gerber ihr Sicherheitsunternehmen. Sie betreut in Dortmund die Gegner des BVB. © Groeger © Groeger

Auch für den BVB ist sie mit ihrer Firma im Einsatz. Wenn der BVB-Trupp mit dem Flugzeug zu einem Spiel reist, sichern ihre Leute den Flughafen ab. Cornelia Gerber ist immer mit dabei. Meistens steht sie am Flughafeneingang, sie ist die Erste, die die Profis sehen, wenn sie aus dem Bus steigen. Besonders freundlich werde sie immer von Mahmoud Dahoud begrüßt, erzählt Gerber. Und auch Achraf Hakimi sei immer sehr höflich gewesen. Der Freundlichste von allen sei aber Ex-BVB-Trainer Lucien Favre gewesen, sagt Gerber.

In einer Disco in Kamen fing für „PSS Gerber“ alles an

20 Jahre ist es her, dass sie ihre Firma, Personal Security Service (PSS) Gerber, gegründet hat. In einer kleinen Disco in Kamen fing alles an. Diese hatte damals einen Sicherheitsdienst gesucht und kurzerhand gründete Gerber ihre eigene Firma. Eigentlich ist sie Diplom-Ingenieurin, arbeitete zuvor als Architektin. „Das war auch eine Männerdomäne“, sagt sie und lacht.

In Anzug, Hemd und Krawatte postierte Gerber nun also Sicherheitskräfte vor jener Disco in der kleinen Stadt Kamen. „Das war damals ganz neu“, sagt Gerber. Es sei aber nicht nur das optische Erscheinungsbild, auf das sie Wert lege, sondern vor allem auf ein höfliches und zuvorkommendes Auftreten ihrer Mitarbeiter. Dem Klischee des muskelbepackten und jederzeit angriffsbereiten Türstehers möchte sie entgegentreten. „Ein deeskalierendes Auftreten ist bei uns A und O“, sagt sie. „Erstmal wird geredet. Eingegriffen nur, wenn es sein muss.“

Begegnungen mit Pierre Brice und Larry Hagman

Der neue Sicherheitsdienst jedenfalls sprach sich schnell herum, so kam Cornelia Gerber nach und nach an Aufträge in der Veranstaltungsbranche. 2006 gewann sie die Sparkasse als Kunden, macht seither auch Objektschutz und Revierdienste. Dieser Bereich ist mittlerweile einer der wichtigsten für „PSS Gerber“. Ein anderer ist der VIP-Schutz.

Cornelia Gerber hat schon viele Prominente getroffen. Einmal sind Joko (l.) und Klaas am Flughafen aufgetaucht, um Kevin Großkreutz den „goldenen Umberto“ zu überreichen. © Gerber © Gerber

„Mein erster Prominenter war Pierre Brice“, sagt Cornelia Gerber, nicht ohne etwas Stolz in der Stimme. „Und mein bekanntester Promi war Larry Hagman.“ Der US-Schauspieler war 2010 ebenso wie Schauspielerin Barbara Eden für die Kinderlachen-Gala nach Dortmund gekommen – und Gerber betreute mit ihrem Unternehmen die Veranstaltung. Von Prominenten kann Cornelia Gerber unendlich viele Geschichten erzählen, so viele hat sie schon getroffen. Jürgen Drews sei genauso, wie er im Fernsehen rüberkomme, Pierre Brice extrem bescheiden, Ross Antony ein „nicht einzufangender Flummi“. Je bekannter die Personen, desto entspannter seien sie in der Regel. „Z-Promis benehmen sich am schlimmsten.“

Spontaner Spaziergang mit dem BVB durch den Westfalenpark

Auch all die Fußballstars, die sie begleitet, seien sehr entspannt, erzählt die Dortmunderin. Die Zusammenarbeit mit dem BVB laufe sehr gut. Meistens seien es eher die Fans, die dann verrückt spielten. „Sie sind wild auf die Spieler“, sagt Gerber. Sie wollen wissen, in welchem Zimmer die Spieler wohnen, was sie machen und tun. Manche würden sich sogar ein Zimmer im Hotel buchen, um ihren Idolen näher zu kommen.

Ab und zu übernachten auch die BVB-Profis im Radisson Blu, wenn das Mannschaftshotel L’arrivée anderweitig belegt ist. So war es auch vor dem Supercup gegen Bayern München 2017. Gerber und ihr Team waren wie immer vor Ort. „Dann hieß es auf einmal: Die Mannschaft macht gleich noch einen Spaziergang durch den Westfalenpark.“ Und so seien die Profis flankiert von Sicherheitskräften urgemütlich durch die Rosenbeete spaziert. „Das war schon ein bisschen kurios“, sagt Gerber.

Cristiano Ronaldo hat „überhaupt keine Allüren“

Als die AS Monaco zu Gast in Dortmund war, wohnte auch Fürst Albert für eine Nacht im Radisson Blu. „Er war tiefenentspannt und ist erstmal eine Runde im Pool schwimmen gegangen.“ Am meisten beeindruckt hat Cornelia Gerber aber Ronaldo. Der portugiesische Superstar, der mittlerweile für Juventus Turin spielt, sei unfassbar freundlich und aufmerksam. „Er hat überhaupt keine Allüren“, sagt Gerber. „Er nimmt sich für jeden Fan Zeit.“

Über die Autorin
BVB-Team
Liebt geschriebene Worte, wollte deshalb nie etwas anderes als Journalistin werden. 1989 geboren im Schwarzwald, aufgewachsen im Sauerland, heute in Dortmund zu Hause. Erzählt seit 2013 die Geschichten dieser Stadt, ihrer Menschen und ihres schwarzgelben Fußballklubs.
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