Darf der Fußball eine Sonderrolle für sich in Anspruch nehmen?

Bundesliga

Mit der Rückkehr auf den Trainingsplatz stellt sich in der Bundesliga die Frage: Wie wären Geisterspiele zu organisieren? Und: Darf der Fußball eine Sonderrolle für sich in Anspruch nehmen?

von dpa

Dortmund

, 06.04.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Im Mai soll in der Bundesliga wieder der Ball rollen - ein realistisches Szenario?

Im Mai soll in der Bundesliga wieder der Ball rollen - ein realistisches Szenario? © imago / blickwinkel

Die Bundesliga fürchtet in ihrer 57. Spielzeit wegen der Corona-Krise mehr denn je um die Existenz ihrer Klubs. Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies schlug am Wochenende Alarm. Wegen der Pandemie macht sich der 63-Jährige „große Sorgen um Schalke und den gesamten Fußball, weil keiner genau weiß, mit welchem Szenario wir planen können“. Der „Welt am Sonntag“ sagte er: „Ein Saisonabbruch wäre der Super-GAU.“

Planinsolvenz als Chance für einen Neustart?

Für Unruhe sorgte ein Bericht des „Kicker“, wonach 13 der 36 Profivereine - darunter vier Erstligisten - noch in dieser Saison die Insolvenz droht. In der Bundesliga soll ein Verein akut bedroht sein. Er könne seinen Verpflichtungen nur noch bis Mai nachkommen. Drei weitere Klubs müssten im Juni den Konkursverwalter bestellen.

Noch bedrohlicher sei die Lage in der 2. Bundesliga: Sieben Vereine sollen danach schon Ende Mai Insolvenz anmelden müssen, falls bis dahin der Spielbetrieb nicht aufgenommen und somit die vierte Rate der Medienpartner nicht fällig wird. Offenbar sehen manche Klubs in einer Planinsolvenz, für die der bisherige Neun-Punkte-Abzug entfällt, auch eine Chance, sich so mancher Altlast zu entledigen und sich neu aufzustellen. So überlegt derzeit der Karlsruher SC diesen Schritt.

Bundesliga-Saison soll Anfang Mai fortgesetzt werden

Derweil gibt es neue mögliche Szenarien für den Spielplan, und die Liga versucht mit der Wiederaufnahme des Trainings in Kleinstgruppen einen Schritt zurück in die Normalität. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wies am Sonntag ausdrücklich darauf hin, dass es „zum aktuellen Zeitpunkt weder Beschlüsse noch Vorfestlegungen gibt“. Die „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ habe in den zurückliegenden Tagen wie angekündigt ihre Arbeit aufgenommen. „Dass es unterschiedliche Denkansätze gibt, liegt in der Natur der Sache“, hieß es.

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Der „Kicker“ hatte zuvor berichtet, dass Bundesliga und 2. Liga am ersten oder zweiten Mai-Wochenende ihre unterbrochene Saison fortsetzen wollen, um die Spielzeit dann größtenteils ohne Englische Wochen bis zum 30. Juni abzuschließen. Darauf hätten sich die Profiklubs verständigt. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Gesundheitsbehörden grünes Licht für Geisterspiele geben. „Die DFL beansprucht für die Bundesliga und 2. Bundesliga keinerlei Sonderrolle in einer Zeit, in der für die gesamte Gesellschaft die Eindämmung des Virus oberste Priorität hat“, teilte die DFL mit.

Virologen sind bei der Debatte um Geisterspiele gefragt

In der Debatte um mögliche Geisterspiele sind vor allem die Virologen gefragt, weil die Vorsichtsmaßnahmen eine enorme logistische Herausforderung darstellen. Ulf Dittmer sieht bei regelmäßigen Corona-Tests für die Spieler Probleme. „Wir sind ziemlich am Anschlag der Laborkapazitäten in Deutschland“, sagte der Leiter der Virologie der Universitätsmedizin Essen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). „Ich weiß nicht, welches Labor sich dann zur Verfügung stellt, um gesunde Bundesligaprofis zu testen, obwohl wir diese Tests doch dringend für schwer erkrankte Personen brauchen.“

Ausnahmeregelungen für den Fußball soll es nach Ansicht des bayrischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) nicht geben. „Wir wollen den Sport-Interessen gerecht werden“, sagte er am Wochenende in Miesbach. „Aber es kann kein Sonderrecht allein für Fußballvereine geben. Alles, was auch Fußballvereine machen, muss sich in das Gesamtgeschehen der Bundesrepublik Deutschland vernünftig einfügen.“

„Man könnte theoretisch die Spiele absichern, das ist möglich“

Laut eines MDR-Berichtes sollen die Profis bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs alle drei Tage auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus getestet werden. Bei einem positiven Befund sollen nicht mehr alle Spieler der Mannschaft in Quarantäne geschickt werden, sondern nur der infizierte.

Alexander Kekule, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, hält Geisterspiele ab Mai für „rein virologisch möglich“. „Man könnte theoretisch die Spiele absichern, das ist möglich“, sagte er im ZDF. „Machbar ist natürlich alles, aber man muss immer überlegen, wie man den Menschen erklärt, dass der Fußball so eine Spezialbehandlung bekommt.“ Kekule erneuerte zudem seine Einschätzung, dass es in diesem Jahr keine Spiele mit Zuschauern mehr geben werde.

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