Borussia Dortmund

„Das ist ein Einschnitt“: BVB nach Champions-League-Aus im Schockzustand

Nach der Auslosung der Champions League hatte es in Dortmund erfreute Gesichter gegeben. Fünf Spiele später steht der BVB unter Schock. Nach dem 1:3 in Lissabon heißt die Realität Europa League.
BVB-Spieler unter Schock (v.l.): Jude Bellingham, Donyell Malen und Reinier. © dpa

Am Ende eines bitteren Abends schlichen Borussia Dortmunds Spieler konsterniert vom Rasen des Estadio Jose Alvalade, unsanft aus allen Träumen vom Überwintern in der Champions League gerissen. Nach dem 1:3 (0:2) bei Sporting geht es für den BVB nach der Winterpause nur in der Europa League weiter. Das sorgte für einen Schockzustand nach einer Partie, in der die Borussia in der hektischen zweiten Hälfte vergeblich dem 0:2-Pausenrückstand hinterherlief und sich durch die Rote Karte gegen Emre Can selbst aller Chancen beraubte.

Schulz ersetzt den angeschlagenen Guerreiro in der BVB-Abwehr

Schon vor dem Anpfiff gab es den nächsten personellen Nackenschlag für Marco Rose und den BVB. Beim Aufwärmen hatte Raphael Guerreiro plötzlich über muskuläre Probleme geklagt. Der Portugiese, gerade erst genesen von einem Muskelfaserriss, blieb in der Kabine und wurde von Nico Schulz ersetzt.

Auch Schulz hatte zuletzt an einer Muskelverletzung laboriert, seine zweite schon in dieser Saison, zuletzt auf dem Platz hatte er Mitte Oktober gestanden. Fehlende Spielpraxis, fehlender Rhythmus, das sollte sich später deutlich bemerkbar machen. Denn als Sporting durch Coates einen langen Ball auf den startenden Pedro Goncalves spielte, verschätzte sich Dortmunds Linksverteidiger böse, lenkte zu allem Überfluss den Ball auch noch in den Lauf des Portugiesen, der sich auch noch gegen Marin Pongracic behauptete und vor Gregor Kobel ganz cool blieb (30.).

Der BVB beherrscht das Spielgeschehen, Sporting macht das 1:0

Das 1:0 hatte sich da überhaupt nicht angedeutet, denn Dortmund war eigentlich ordentlich im Spiel, initiierte über Jude Bellingham umsichtig den Ballvortrag. Hinten gefiel Manuel Akanji als unspektakulärer Abräumer mit Aufbauqualitäten. Pongracic war in der Innenverteidigung eine logische Alternative zum gesperrten Mats Hummels, da Rose Dan-Axel Zagadou nach monatelanger Pause ebenso wenig bereit für einen Startelf-Einsatz erachtete wie Emre Can, der nach mehreren verletzungsbedingten Rückschlägen gerade erst genesen ist.

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Champions League, 5. Spieltag: Sporting – BVB 3:1 (2:0)

Lissabon gestattete dem BVB vor allem in der Anfangsphase viel Ballbesitz. 62 Prozent waren es nach 15 Minuten, über gute Ansätze kam Dortmund mit Ball allerdings nicht hinaus, auch wenn die offensive Dreierreihe mit Marco Reus, Donyell Malen und Überraschungs-Startspieler Reinier sehr viel rochierte. So blieb ein Malen-Schuss die einzige Torannäherung vor dem 0:1, das die Sicherheit der Borussia im Rückwärtsgang arg ins Wanken brachte.

BVB-Torhüter Gregor Kobel ist auch beim zweiten Gegentor machtlos

Und Lissabon, das für den direkten Vergleich gegen den BVB einen Sieg mit zwei Toren Differenz benötigte, legte entschlossen nach. Nach einem Flachpass in den Strafraum klärte Akanji vor Sarabia, doch der Ball landete vor den Füßen von Goncalves. Axel Witsel konnte den Schuss des Lissaboners nicht verhindern, sehenswert landete die Kugel im Torwinkel, Kobel war erneut machtlos (39.). Weil Malens Schuss aus spitzem Winkel von Inacio auf der Torlinie gerettet wurde, blieb die direkte Antwort aus (40.).

In der Halbzeit erlöste Rose den indisponierten Schulz, wie in Amsterdam verteidigte Emre Can nun links. Mit viel Elan kam der BVB aus der Kabine, lief aber direkt in einen nächsten Konter. Inacio bediente Sarabia, mit einer Hand blockte Kobel dessen Schlenzerversuch (48.).

Dortmund erhöht das Risiko – Emre Can fliegt vom Platz

Klar, dass der BVB fortan das Risiko weiter hochhielt. Akanji bildete hinten oft die einsame Abwehr-Bastion, mit Vehemenz und auch ordentlichen Ballstafetten setzte sich der BVB zunehmend in der Sporting-Hälfte fest. Ein vermeintliches Eigentor von Feddal zählte zum Verdruss der Gäste nicht – Schiedsrichter Carlos Del Cerro Grande erkannte zu Recht eine vorherige Abseitsposition von Thomas Meunier (54.).

Das blieb für die nächsten 15 Minuten allerding die einzig echte Chance. So lief die Uhr unerbittlich gegen den BVB, der dann auch noch in Unterzahl geriet, als Can seine Nerven nicht im Zaum hatte und sich eine Tätlichkeit gegen Pedro Porro leistete. An der Mittellinie bildete sich ein heftiger Tumult – und als sich die Nerven einigermaßen beruhigt hatten, zeigte der Unparteiische die Rote Karte (74.). Eine harte, aber vertretbare Entscheidung, der der endgültige K.o. folgte: Zagasdous Einsatz gegen Paulinho zog nach Videobeweis einen Elfmeter nach sich, Kobel parierte zwar den Ball von Goncalves, im Nachsetzen traf Pedro Porro – 0:3 (81.).

BVB-Trainer Marco Rose: „Das ist schon ein Einschnitt“

Malens Anschluss in der dritten Minute der Nachspielzeit half nicht nicht mehr. Die Champions League muss Borussia Dortmund für diese Saison abhaken. Ein sichtlich bedienter Marco Rose bekannte im DAZN-Interview: „Das ist schon ein Einschnitt.“ Niemand wollte ihm widersprechen.

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