Das sind die Gewinner und Verlierer des BVB-Trainingslagers

mlzEinige Überraschungen

Fünf Tage BVB-Trainingslager sind rum, die Testspiele sind absolviert. Es gibt Gewinner und Verlierer in Bad Ragaz. Einige Spieler machen mit Nachdruck auf sich aufmerksam, andere sind zum Zuschauen gezwungen.

Bad Ragaz

, 01.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Lucien neigt gewiss nicht dazu, nach erfolgreichen Testspielen in Euphorie zu verfallen. „Es war okay“, sagt der BVB-Trainer meistens nur, auch wenn das Gezeigte auf dem Rasen vielleicht deutlich mehr war als nur okay. Das ist in diesem Trainingslager nicht anders. 14 Tore hat Borussia Dortmund während der Zeit in der Schweiz in drei Spielen erzielt und nur zwei Gegentore kassiert. 4:1 gegen Udinese Calcio, 6:0 gegen den FC Zürich, 4:1 gegen den FC St. Gallen: Insgesamt präsentiert sich der BVB in beeindruckender Frühform.

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Was besonders positiv auffällt, ist, dass kaum jemand abfällt beim BVB. Trotzdem gibt es Spieler, die in der Schweiz besonders viel Eindruck hinterlassen haben – und es gibt Spieler, die es nicht konnten, weil sie von Verletzungen ausgebremst wurden. Ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des BVB-Trainingslagers in Bad Ragaz.



Die Gewinner:

Nico Schulz:

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© David Inderlied

Der Neuzugang von der TSG Hoffenheim sagt: „Ich weiß, was ich kann und ich weiß, warum ich geholt wurde.“ Geholt wurde er, um die Lücke hinten links in der Viererkette des BVB zu schließen, wo in der vergangenen Saison mal Marcel Schmelzer, mal Raphael Guerreiro spielten, meistens aber der gelernte Innenverteidiger Abdou Diallo auflief, der mittlerweile zu Paris Saint-Germain weitergezogen ist.

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Was Schulz kann, hat er in der Schweiz mehr als nur angedeutet. Schulz ist athletisch, schnell, präzise im Passspiel, robust im Zweikampf und schiebt offensiv ordentlich mit an auf der linken Schiene. Beim 4:1 gegen den FC St. Gallen bereitete der Nationalspieler zwei Tore mustergültig vor, weil er zur Grundlinie durchbrach, die Übersicht behielt und den Ball jeweils perfekt querlegte. Einmal profitierte Achraf Hakimi, einmal Jacob Bruun Larsen. „Ich bin hergekommen, um der Mannschaft zu helfen und zu spielen“, sagt Schulz. Scheint zu klappen.



Mats Hummels:

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© David Inderlied

Der BVB-Rückkehrer spricht noch nicht in der Öffentlichkeit, er möchte lieber erst sportliche Taten sprechen lassen. Keine Interviews, nur Fußball. Bisher geht der Plan auf, Hummels kommt immer besser in Schwung, was auch daran liegt, dass er bislang die komplette Vorbereitung ohne Probleme absolvieren konnte. Es klappt noch nicht alles, aber schon sehr viel.

Sein Zweikampfverhalten in Eins-gegen-Eins-Situationen hinterlässt Eindruck, auch in der Luft gibt Hummels dem BVB eine neue Qualität – und in der Spieleröffnung hat er in der Schweiz bereits gezeigt, wie gut er Borussia Dortmund tun kann. Hummels wählt auch mal das Risiko im Spiel nach vorne – und selbst, wenn nicht jeder Ball ankommt, ist er in der Lage, aus der Viererkette heraus gefährliche Situationen zu kreieren.



Julian Weigl:

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© David Inderlied

Die Zeit als Aushilfs-Innenverteidiger scheint vorbei zu sein. Bislang spielte Weigl in der Vorbereitung immer auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld – und das nicht nur wegen seines Tores beim 4:1 gegen Udinese Calcio am vergangenen Samstag sehr ordentlich. Es ist unübersehbar, dass Weigl davon profitiert, dass er mal wieder eine komplette Sommervorbereitung absolvieren kann.

Hinzu kommt die Tatsache, dass Favre bislang meistens auf zwei Spieler vor der Abwehr setzt – und die Kombination aus Weigl und Axel Witsel scheint nicht mehr so ausgeschlossen zu sein wie in der vergangenen Saison. Weigl ist auf der Sechserposition deutlich näher an die Startelf herangerückt, allerdings hinterlässt auch sein Hauptkonkurrent Thomas Delaney im Kampf um den Platz neben Witsel einen guten Eindruck. Ausgang offen. Für Weigl ist das ein Schritt nach vorne.



Ömer Toprak:

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Der Innenverteidiger, der einen Wechsel ablehnt und sich beim BVB trotz der großen Konkurrenz im Abwehrzentrum durchsetzen will, ist in der Schweiz deutlich näher an die erste Elf herangerückt. Toprak hinterließ in den Testspielen gegen Udinese und gegen St. Gallen jeweils einen sehr soliden Eindruck – und dürfte im Moment nach Hummels und Manuel Akanji Verteidiger Nummer drei sein bei Borussia Dortmund.

Dan-Axel Zagadou verpasste Teile der Vorbereitung wegen einer Fußverletzung, Toprak dagegen ist seit Tag eins voll dabei. Insbesondere im Zusammenspiel mit Hummels überzeugt der Türke, der keine besonderen Dinge auf dem Platz macht, aber eben auch keine Fehler. Toprak wartet auf seine Chance. Wenn sie kommt, will er da sein.



Die Verlierer:

Dan-Axel Zagadou:

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© David Inderlied

Der junge Franzose geht mit etwas Rückstand in die finale Phase der Saisonvorbereitung. Der 20-jährige Abwehrhüne verletzte sich auf der USA-Reise des BVB am Fuß, in der Schweiz reichte es in den Testspielen nur zu zwei Kurzeinsätzen gegen den FC Zürich und den FC St. Gallen, den Test gegen Udinese Calcio verpasste er komplett. Aktuell ist Ömer Toprak im Innenverteidiger-Ranking an ihm vorbeigezogen, Hummels und Akanji sind ohnehin vor ihm.

Zagadou unterlaufen, wenn er spielt, zu viele kleine Ungenauigkeiten, manchmal wirkt er zu unkonzentriert und nicht handlungsschnell genug. Er wird sich steigern müssen – und analog zur vergangenen Saison warten müssen, bis er eine Chance bekommt. Dass er auf Anhieb da sein kann, wenn er gefragt ist, hat er in der vergangenen Hinrunde eindrucksvoll unter Beweis gestellt.



Julian Brandt:

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David Inderlied © David Inderlied

Der Neuzugang aus Leverkusen ist definitiv eine Bereicherung für Borussia Dortmund. Seine sportliche Klasse hat er bereits angedeutet, im Test gegen Udinese Calcio erzielte er sein erstes Tor im BVB-Trikot. Darüber hinaus wirkt er sehr klar im Kopf, sehr reif für seine 23 Jahre. Das Problem ist, dass sein Körper gerade nicht mitspielt. Die Adduktoren zwicken.

Mehr als Training im Kraftraum ist momentan nicht drin für Brandt, am Samstag im Supercup gegen Bayern München, dem ersten Pflicht- und Heimspiel mit seinem neuen Klub, fällt er definitiv aus. „Wir schauen von Tag zu Tag, wir wollen kein Risiko eingehen“, sagt Brandt. Geduld ist gefragt, sein erster Auftritt im Signal Iduna Park verzögert sich. Bitter für Brandt, bitter für den BVB.



Thorgan Hazard:

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© David Inderlied

Ähnlich wie Brandt wird auch Thorgan Hazard gerade auf die Geduldsprobe gestellt. Der Belgier, der genau wie Brandt im Test gegen Udinese sein erstes BVB-Tor erzielte, hat wertvolle Einheiten in Bad Ragaz verpasst. Eine Prellung im Sprunggelenk setzte ihn für ein paar Tage außer Gefecht. Mittlerweile ist der 26-Jährige wieder im Lauftraining und soll zeitnah wieder mit der Mannschaft trainieren.

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Zumindest der Supercup kommt aber wohl auch für ihn zu früh. Bislang ließ Favre ihn immer ganz vorne in der Sturmspitze spielen – und während Hazard zum Zuschauen verdammt war, konnten sein Konkurrenten Mario Götze und Paco Alcacer punkten. „Das ist scheiße für mich“, sagt Hazard, der seinen Rückstand nun schnell aufholen muss.



Marius Wolf:

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Der Aushilfsrechtsverteidiger der zurückliegenden Rückrunde sammelte während der USA-Reise des BVB noch fleißig Pluspunkte, als er in den Testspielen gegen die Seattle Sounders (3:1) und den FC Liverpool (3:2) auf seiner angestammten Position auf der offensiven Außenbahn überzeugte. In der Schweiz aber hat er ein wenig den Anschluss verloren. Wolf musste ebenfalls einige Tage mit dem Training aussetzen, weil er sich nicht gut fühlte. Der Doppeltest gegen Zürich und St. Gallen ging ohne ihn über die Bühne.

Am Mittwoch trainierte er immerhin schon wieder mit dem Ball. Ein Platz auf dem Flügel ist fest an Jadon Sancho vergeben, nur einer ist noch frei. In Bad Ragaz sind Raphael Guerreiro und auch Jacob Bruun Larsen an Wolf vorbeigezogen. Sobald Brandt und Hazard ins Mannschaftstraining zurückkehren, dürfte es für Wolf noch komplizierter werden, einen der begehrten Plätze in der BVB-Offensive zu ergattern.

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