Der Anfang vom Ende: BVB-Drama gegen Brügge im August 2003

Zeitspiel

Borussia Dortmund scheitert 2003 im Elfmeterschießen am FC Brügge und verpasst die Qualifikation für die Champions League. Es ist der Anfang vom finanziellen BVB-Ende. Unser Zeitspiel.

Dortmund

, 04.11.2020, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frustrierte BVB-Spieler nach der bitteren Niederlage gegen Brügge (v.l.): Andre Bergdölmo, Tomas Rosicky, Sebastian Kehl und Marcio Amoroso .

Frustrierte BVB-Spieler nach der bitteren Niederlage gegen Brügge (v.l.): Andre Bergdölmo, Tomas Rosicky, Sebastian Kehl und Marcio Amoroso . © dpa

In Dortmund ging die Angst um. „Dass wir uns nicht für die Champions League qualifizieren, kann ich mir nicht vorstellen. Dann geht, glaube ich, hier die Bombe hoch“, sagte Dede im August 2003. Und BVB-Präsident Gerd Niebaum betonte: „Jetzt kommt es darauf an, dass die Mannschaft begriffen hat, worum es geht.“ Um die Qualifikation zur Königsklasse nämlich - und sehr viel Geld, das die hoch verschuldete Borussia zu dieser Zeit dringend nötig hatte. Nach dem 1:2 beim FC Brügge stand der Bundesligist im Rückspiel der finalen Qualifikationsrunde massiv unter Druck - und verpasste das anvisierte Ziel.

BVB gegen Brügge: Ewerthon rettet Dortmund in die Verlängerung

Dabei hatte diese entscheidende Partie gut begonnen. Bereits in der dritten Minute konnte Brügges Torwart Tomislav Butina einen Rückpass nicht kontrollieren, Marcio Amoroso sprintete dazwischen und schob den Ball aus wenigen Metern ins leere Tor. Diese dünne Führung hätte dem BVB bereits genügt. Doch in der 20. Minute agierte Ahmed Madouni ungeschickt, leistete sich ein Foul an Gert Verheyen. Den fälligen Freistoß schoss Mendoza in jene Ecke, die eigentlich die Mauer hätte abdecken sollen. Sie hatte sich von einem Belgier so weit beiseite schieben lassen, dass die Einschusslücke groß genug wurde.

Das Duell wog anschließend hin und her. Nachdem Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller in der zweiten Hälfte einen Schuss des eingewechselten Ceh abgewehrt hatte, wurden die Sturmläufe des BVB immer heftiger. Und kurz vor Schluss schlugen dann die eingewechselten Spieler zu: Juan Ramon Fernandez flankte auf Ewerthon, der traf per Kopf - die Verlängerung war erreicht. Und ab der 112. Minute musste Brügge mit zehn Spielern auskommen. Dortmund schnürte den Gast ein, verpasste allerdings das entscheidende Tor. Im Elfmeterschießen scheiterten Amoroso und Andre Bergdölmo - der Anfang vom Ende war besiegelt.

Dem BVB gehen rund „15 Millionen Euro durch die Lappen“

Vom „Abschied aus Europas feiner Gesellschaft“, schrieb später die Kölner Rundschau. Und rechnete vor: „Über den Daumen gepeilt fette 15 Millionen Euro gehen der Borussia nach den Elfmeter-Fehlschüssen durch die Lappen.“ In der Kabine flossen Tränen, BVB-Trainer Matthias Sammer rang um Fassung. „Was haben wir getan? Womit haben wir das verdient? Waren wir nicht artig genug?“, klagte er - und gab trotzig das Ziel aus: „Jetzt müssen wir eben den UEFA-Pokal gewinnen.“ Bekanntlich ging auch dieser Wunsch nicht in Erfüllung, zwei Monate später blamierte sich Borussia Dortmund gegen den FC Souchaux - und eine weitere Einnahmequelle versiegte.

Die Schwarzgelben schlitterten der Pleite entgegen. Das hatte sich allerdings schon vor dem Brügge-Drama angekündigt. So sprach Manager Michael Meier im Vorfeld dieses Qualifikationsspiel davon, dass es um das „Allgemeinwohl“ der Borussia gehe. Der Kader war schließlich finanziell viel zu dick besetzt, das Konto zu dünn - und die Borussia deshalb dringend auf die Champions-League-Einnahmen angewiesen. Es folgte die Fast-Insolvenz und im März 2005 der Showdown am Düsseldorfer Flughafen.

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