Gregor Kobel hütet in der kommenden Saison das Dortmunder Tor. © imago images/Sven Simon
Borussia Dortmund

Der BVB schnappt sich Gregor Kobel: Viel Geld für viel Potenzial

Für die auserkorene Nummer eins, Gregor Kobel, macht sich der BVB lang. Der 23-jährige Torhüter kostet rund 15 Millionen Euro – und bietet viel Potenzial.

Man könnte formulieren, Gregor Kobel (23) sei seiner Zeit voraus, zumindest seinem wohl neuen Arbeitgeber. In Bad Ragaz, dem BVB als langjährige Trainingslager-Heimat im Sommer bestens bekannt und Ende Juli erneut Ziel der Schwarzgelben, bereitet sich der Torhüter seit Donnerstagabend mit der Schweizer Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft vor. Kobel reiste aus Dortmund an, wo die neue Nummer eins der Borussia zuvor einen langfristigen Vertrag unterzeichnet haben soll. Eine offizielle Bestätigung gab es bislang nicht. Der Transfer gilt nach RN-Informationen allerdings als sicher.

BVB-Interesse an Kobel war schon länger bekannt

Durchgesickert war das Interesse des BVB am künftigen Schlussmann bereits vor Wochen, kurz nach Saisonende verständigten sich alle Seiten. Als Ablöse müssen die Dortmunder geschätzte 15 Millionen Euro an den VfB Stuttgart zahlen für einen Keeper, der in jungen Jahren auf seiner Position vergleichsweise viel Spielpraxis gesammelt und dabei überzeugt hat. Bei Kobel stimme das Gesamtpaket, heißt es in Dortmund, er sei sehr gut ausgebildet, habe kaum Schwächen und obendrein noch großes Potenzial. Er gilt als athletisch stark mit guter Strafraumbeherrschung und ordentlichen Reflexen, sei sehr gut im Eins-gegen-eins, fußballerisch mutig und habe eine sichere Ausstrahlung selbst im Raum weit vor dem Tor.

Jung, ambitioniert und entwicklungsfähig – das Credo, das bisher in der Regel für (offensive) Feldspieler galt, hat der BVB nun auch im Tor verwirklicht. Internationale Erfahrung bringt der neue Schnapper nicht mit, sonst wäre er mindestens doppelt so teuer geworden. Der Markt für gute Torhüter ist überschaubar, kompliziert und in der Spitze hochpreisig.

Borussia Dortmund schnappt sich Kobel: „Nationale Klasse“

In diese Spitze will Kobel bei der Borussia vordringen. Das Fachmagazin „kicker“ sortierte ihn als sechstbesten Torhüter der Liga in die Kategorie „Nationale Klasse“ ein und wertete: „Neben konstant guten Leistungen im Torwartspiel punktete der beidfüßige Schweizer mit seinen Qualitäten als hinterster Mann im Aufbauspiel und ging als Führungsspieler voran.“

Kobel wehrte in dieser Saison 68 Prozent aller Bälle ab (Rang sechs in der Liga), seine Zuspiele kamen zu 78 Prozent beim Mitspieler an. Im Schnitt war er in Stuttgart mehr als 40 Mal pro Partie am Ball, und mit 1,94 Metern und 88 Kilogramm bringt er Gardemaß mit. Einig sind sich die Experten, dass bei seiner Entwicklung noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Den nächsten Schritt soll er nun beim BVB gehen. „Dortmund ist auf jeden Fall ein Thema“, sagte Kobel am vergangenen Samstag unverblümt. „Ich werde mich in den nächsten Tagen damit beschäftigen.“

BVB-Keeper Roman Bürki darf sich einen neuen Verein suchen

Das Spezielle an der Torhüterposition: Es kann nur einen geben. Stammtorwart Roman Bürki (30) hatte in dieser Saison zuerst das Vertrauen seiner Trainer und dann sein Abonnement als Ersterwählter verloren. Marwin Hitz (33) verdrängte ihn Anfang Februar. Beide besitzen einen Vertrag bis 2023, bleiben soll nur Hitz. Mit einem Verkauf von Bürki in diesem Sommer will der BVB einen Teil der Kobel-Ablöse refinanzieren. „Ich war hier sechs Jahre lang die Nummer eins. Dann plötzlich nicht mehr zu spielen, ist für jeden Profi schwierig“, sagte Bürki. „Das war keine einfache Situation für mich. Ich habe immer alles gegeben und versucht besser zu werden.“

In den letzten Saisonspielen stand Bürki wegen Hitz‘ Knieverletzung wieder zwischen den Pfosten, wurde noch einmal DFB-Pokalsieger und betrieb allemal Werbung in eigener Sache. Wohin sein Weg führen wird, ist noch unklar.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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