Steht vor einer Herkulesaufgabe: BVB-Trainer Edin Terzic. © imago / Revierfoto
Borussia Dortmund

Der BVB und die immer wiederkehrende Frage nach der Mentalität

Auf das 1:2 in Leverkusen reagiert BVB-Trainer Terzic mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Auch Sportdirektor Zorc übt harsche Kritik. Und Borussia Dortmund droht weiteres Ungemach.

Nach dem erneuten Rückschlag war die Zeit für deutliche Worte gekommen, Edin Terzic setzte in der Pressekonferenz nach dem 1:2 in Leverkusen zur schonungslosen Analyse an – und verpackte sie diesmal auch nicht in wohlklingendere Worte. Von der fehlenden Konterabsicherung sprach der 38-Jährige, von der bedenklichen und „sehr negativen Körpersprache“ seiner Spieler nach dem 0:1, die er erst zur Pause in der Kabine korrigieren konnte.

Und nicht zuletzt sprach er auch von dem altbekannten Problem, dass die Offensive mal wieder viel zu verschnörkelt gespielt habe, als die Werkself nach dem Dortmunder Ausgleich Chancen im Minutentakt zuließ. „Wir werden es nicht akzeptieren“, erklärte Terzic, „dass wir meinen, 48 Kombinationen zum Tor zu brauchen und immer nochmal quer zu spielen.“ Tore würden nunmal Spiele entscheiden, am Dienstag vergaben allein Jadon Sancho und Julian Brandt zwei Top-Gelegenheiten frei vor dem Tor.

Die Stimmung beim BVB hat in kürzster Zeit die Frostgrenze erreicht

So einfach, so banal – für den BVB aber dennoch nur einer von vielen wunden Punkten. Nach der zweiten Niederlage unter Terzics Führung, der sechsten in der nun beendeten Hinrunde, schwimmen der Borussia die Felle davon. Die Stimmung hat keine zwei Wochen nach einem umjubelten Sieg in Leipzig die Frostgrenze erreicht.

Borussia Dortmund droht seine Ziele aus den Augen zu verlieren, auch wenn Terzic dann noch betonte, „dass wir in allen drei Wettbewerben ja noch im Soll sind.“ Doch der Trend ist eindeutig negativ. Und so holte am Tag nach dem erneuten Tiefschlag auch Sportdirektor Michael Zorc zur Generalabrechnung aus: Natürlich, so Zorc, sei er sehr enttäuscht nach Dortmund zurückgefahren. „Ich würde mir wünschen, dass wir es mal über ein ganzes Spiel schaffen, nicht in alte Verhaltensmuster zu fallen.“

Jadon Sancho und Raphael Guerreiro befinden sich im BVB-Dauertief

Es ist ein Alarmzeichen, dass gegen Mainz der Gegentreffer reichte, um das Gefüge einstürzen zu lassen – und sich dieses Bild in Leverkusen wiederholte. Warum eine Mannschaft, in der neben viel Talent auch viel Erfahrung versammelt ist, sich so leicht aus der Bahn werfen lässt, ist ebenso ein Rätsel wie die viel zu hohe Quote an leichten Abspielfehlern, Abstimmungsprobleme im gemeinsamen Verteidigen und den Dauer-Formtiefs wichtiger Spieler wie Jadon Sancho oder Raphael Guerreiro.

Terzic hat in seinen bisherigen Partien als Cheftrainer einer relativ kleinen Gruppe vertraut, wenig rotiert und auch innerhalb der Spiele wenig gewechselt. Nun wäre die Zeit reif für eindeutige Zeichen in Richtung einiger Spieler, doch bei näherer Betrachtung ist die Zahl der Alternativen gar nicht mal so groß. Viele Spieler auf der Bank sind nicht oder nicht mehr im Rhythmus, das betrifft vor allem die defensiven Außenpositionen (Morey, Schulz, Passlack, Piszczek). Offensiv fehlt ein Thorgan Hazard als Alternative an allen Ecken und Enden, immerhin dürfte Giovanni Reyna am Freitag wieder länger belastbar sein.

BVB-Sportdirektor Zorc findet deutliche Worte

Qualität, meinte Terzic noch, sei die Summe aus Talent und Mentalität. Ersteres ist im Kader genügend vorhanden, über die fehlenden Mentalität ist hinreichend oft geschrieben worden. Die Diskussion darüber, so Zorc, habe sich die Elf selbst eingebrockt. „Es liegt ja an ihrem Auftreten, dass es diese Debatte immer wieder gibt. Solch eine Körpersprache wie über weite Strecken der ersten Hälfte ist nicht tolerierbar.“ Der Fokus müsse sich nun darauf richten, direkte Konkurrenten im Zaum zu halten. „Und das müssen wir am Freitag in Gladbach zeigen.“ Besonders optimistisch klang Zorc dabei nicht.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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