Der BVB verdient Bestnoten im Transfersommer - Sanchos Zukunft wird das heiße Thema

Borussia Dortmund

Borussia Dortmund verdient auf dem Transfermarkt Bestnoten. Jetzt schließt das Fenster - doch die Arbeit bleibt. Das größte Juwel im Kader kann sich vor Anfragen kaum wehren.

Dortmund

, 03.09.2019, 17:56 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der BVB verdient Bestnoten im Transfersommer - Sanchos Zukunft wird das heiße Thema

Jadon Sancho weckt in ganz Europa große Begehrlichkeiten. Julian Brandt ist einer der Top-Transfers in diesem Sommer. © imago

Der Sommer begann im Winter. Mit den 64 Millionen Euro auf dem Gabentisch, die der Verkauf von Christian Pulisic an den FC Chelsea dem BVB kurz nach Weihnachten im Wortsinn bescherte, ließ sich prächtig planen und frühzeitig agieren. Borussia Dortmund hat die „Transferperiode I“, wie sie offiziell heißt, aus dieser komfortablen und dankbaren Ausgangsposition zum weiteren Umbau des Kaders genutzt. Die Bosse trauen ihrer Mannschaft sogar die Deutsche Meisterschaft zu.

Favre: „Noch besser aufgestellt“

„Wir haben ja eine sehr gute Saison gespielt und sind jetzt vielleicht noch besser aufgestellt“, meint Lucien Favre mit Blick auf sein Personal. Dem BVB-Trainer ging das Herz auf, als er während der Vorbereitung seine neuen Spieler anleiten durfte: „Du siehst schon in den ersten Trainingseinheiten, dass diese Spieler wie Hummels, Brandt oder Hazard eine Top-Qualität haben und sehr viel Spielintelligenz besitzen.“ Sie machten, so Favre, „automatisch die richtigen Bewegungen“.

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Am Trainer liegt es nun, diese einzelnen Potenziale zusammenzuführen und aus dem, was ihm Kaderplaner Michael Zorc zur Verfügung stellt, eine Meistermannschaft zu entwickeln. Individuell und in der Tiefe des Kaders dürfte es sich um die beste Auswahl handeln, die Borussia Dortmund jemals aufbieten konnte. Auf der Ausgabenseite stehen rund 127 Millionen Euro. Eine irreale Summe, die Beträge in der Business-Blase Profifußball steigen. „Es ist wie eine Ziehharmonika“, beschreibt es Zorc. „Du erlöst mehr, musst aber auch mehr investieren.“

Zorc: „Ein Nullsummenspiel“

Nicht zuletzt der Erlös für Pulisic hat dem BVB den Verhandlungsspielraum ermöglicht, um gestandene deutsche (Ex-)Nationalspieler wie Julian Brandt, Nico Schulz oder Mats Hummels für die eigene Sache zu begeistern und nach Dortmund zu bewegen. „Es ist immer gut, wenn man noch etwas in der Hinterhand hat“, sagte Michael Zorc nach dem Pulisic-Deal über seine finanziellen Möglichkeiten. Dass der BVB für Neuzugänge keine roten Zahlen schreibt und das Geld möglichst optimal umverteilt, gehört zur Strategie. „Es ist am Ende manchmal vielleicht sogar ein Nullsummenspiel“, sagt Zorc.

Auf einem komplizierter werdenden Markt, der in Auswüchsen an einen perfiden Spieler-Basar erinnert, hat sich der BVB den Ruf erarbeitet, ein schneller und verlässlicher Geschäftspartner zu sein. Mit dem oftmals richtigen Riecher. Auch wenn die Transferpolitik mehr denn je dem Kalkül des gesicherten Erfolgs folgt.

Angepasste Transferpolitik

Denn anders lässt sich die angepasste Devise nicht deuten. Setzte der BVB 2016 seine Hoffnung noch weitgehend in Youngster wie Ousmane Dembélé, Emre Mor, Mikel Merino oder Alexander Isak, akquirierten die Borussen bereits vor Jahresfrist in Axel Witsel, Thomas Delaney oder Paco Alcacer arrivierte Kräfte, und auch in diesem Sommer in Hummels, Brandt, Schulz sowie Thorgan Hazard in der Liga etablierte Nationalspieler.

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Dogmatisch und eindimensional auf Spitzentalente aus aller Welt zu setzen, reicht nicht aus, um national ganz oben und international in der erweiterten Spitze mitzuspielen. Auch für einige der hoffnungsvollen deutschen Hochbegabten wie die Nachwuchs-Nationalspieler Jeremy Toljan, Maximilian Philipp, Felix Passlack oder Dzenis Burnic findet sich im BVB-Kader aktuell kein Platz. Der Wunsch, eigene U-Spieler bis zum Champions-League-Niveau auszubilden, ist formuliert – seine Erfüllung wird jährlich schwieriger.

Sancho das nächste heiße Thema

Auch eine andere, bei den Schwarzgelben willkommene Tendenz lässt sich ablesen: Borussia Dortmund kann es sich leisten und durchsetzen, keine Topspieler gegen den eigenen Willen abzugeben. Anders als bei Dembélé oder Pierre-Emerick Aubameyang und einigen ihrer Vorgänger machen selbst Riesensummen wie die kolportierten 100 Millionen Euro für Jadon Sancho die Knie nicht weich. Zumindest nicht in diesem Sommer.

„Bei einem Spieler wie Jadon Sancho muss man jedes Jahr neu überprüfen, wie es weitergeht“, betont Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Kaum ist das Transferfenster geschlossen, gehen die Gedankenspiele um mögliche Wechsel weiter. Sancho sagte in England zu einer möglichen Rückkehr auf die Insel: „Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen, aber ich würde mich nicht dagegen wehren.“ Der nächste Sommer beginnt schon im alten.

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