Der BVB vor der Aktionärsversammlung: Kein Ende der Verluste in Sicht

mlzBorussia Dortmund

So schwer wie in diesem Jahr war die Vorbereitung auf eine Hauptversammlung der BVB-Aktiengesellschaft lange nicht. Der Klub schreibt tiefrote Zahlen, es gibt viele offene Fragen.

Dortmund

, 19.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den Sorgen, die ihn bei der Hauptversammlung der KGaA im November 2019 umtrieben, würde Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ein Jahr später gerne tauschen. Sportlich lief es damals nicht ideal, Trainer Lucien Favre stand in der Kritik - ansonsten herrschte eitel Sonnenschein im prosperierenden schwarzgelben Konzern.

Borussia Dortmund kommt ohne Kurzarbeit durch die Coronakrise

Ein Jahr später sieht die Lage anders aus, wenn die Aktionäre am Donnerstagmittag (ab 11 Uhr, bei uns im Live-Ticker) zur - virtuellen – Versammlung zusammenkommen. Watzke wäre schon froh, wenn er nach 35,8 Millionen Euro Verlust im ersten Quartal des Geschäftsjahres im zweiten Quartal eine schwarze Null in Aussicht stellen kann. Die Einbußen durch die Covid-19-Pandemie, die den BVB auf unterschiedlichen Geschäftsfeldern hart trifft, hat die Geschäftsführung im August noch mit 75 Millionen Euro Defizit kalkuliert. In Erwartung einer Saison, bei der Spiele kaum noch vor Zuschauern in ausverkauften Stadien stattfinden werden, scheint das bereits jetzt zu tief gegriffen.

Borussia Dortmund darf mit Stolz darauf verweisen, keinen der inzwischen 900 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt zu haben. Mit ihrem Gehaltsverzicht von 10 bzw. 20 Prozent haben die Profis - ebenso wie die Geschäftsführung - ihren Beitrag zum sozialen Frieden und zu weniger Schulden im Unternehmen geleistet.

Weitere BVB-Kapitalerhöhung im Bereich des Möglichen

Doch niedrigere TV-Erlöse, Geisterspiele mit Mindereinnahmen bei Ticketing, Catering und Merchandising, Rückschläge bei der Internationalisierung und ein Transfermarkt, in dem die Summen stark gefallen sind: Das Geschäftsmodell von Borussia Dortmund wird auf vielfältige Weise torpediert. Im vergangenen Sommer musste der BVB, trotz 43 Millionen Euro Minus im Geschäftsjahr 2019/20, keinen Spieler verkaufen. Das könnte nach dieser Spielzeit anders aussehen.

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Um liquide zu bleiben, hat sich die KGaA Kreditlinien beschafft, angeblich bis zu 100 Millionen Euro schwer. Von den Aktionären erhofft sich die Geschäftsführung im Rahmen der Hauptversammlung kein Veto für die Option zu einer neuerlichen Kapitalerhöhung - damit könnte der Klub nach derzeitigem Stand zwischen 80 und 100 Millionen Euro erlösen, wenn er das denn will. Bislang gilt die Kapitalerhöhung nur als eine von mehreren Optionen. Acht Millionen Euro Kredit hat der BVB bereits im Frühjahr aufnehmen müssen.

Neue Verträge stehen dem BVB gut zu Gesicht

Gut zu Gesicht steht Deutschlands einzigem börsennotierten Verein, dass zentrale Sponsoring-Verträge mit dem neuen Hauptsponsor 1&1 oder Ausrüster Puma noch vor der Pandemie abgeschlossen wurden. Mit seiner eigenen Beteiligungsgesellschaft hat Internet-Unternehmer Ralph Dommermuth wie die anderen strategischen Partner zuvor ebenfalls Anteile am Konzern erworben (5 Prozent), seine Frau Judith Dommermuth soll am Donnerstag in den Aufsichtsrat gewählt werden.

„Borussia Dortmund steht angesichts der Pandemie und im Vergleich mit anderen Klubs aus der Branche noch vergleichsweise gut da“, sagt Dietmar Erlebach von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS). Doch der Fragenkatalog des Anlegerschützers umfasst vor der Hauptversammlung zwei eng beschriebene Seiten. Wie geht’s weiter mit dem BVB und dem Fußball in der Coronakrise?

In der Covid-19-Pandemie ist für den BVB nichts vorhersehbar

Antworten auf alle Fragen werden Watzke und Co. den Anlegern nicht geben können. In der Covid-19-Pandemie ist nur gesichert, dass nichts vorhersehbar ist.

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