„Die Enttäuschung ist gewaltig“

DONAUESCHINGEN Am Samstag brach in dem kleinen Schweizer Ort Grenchen die Hölle aus. Basler Hooligans griffen Dortmund-Sympathisanten an, Chaoten in Schwarzgelb bewarfen das Spielfeld immer und immer wieder mit Fackeln, Feuerwehr und Polizei schritten ein. Wir ziehen mit dem BVB-Fanbeauftragten Jens Volke Bilanz.

14.07.2008, 17:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der BVB-Fanbeauftragte Jens Volke erlebte die Ausschreitungen hautnah mit.

Der BVB-Fanbeauftragte Jens Volke erlebte die Ausschreitungen hautnah mit.

Herr Volke, was ist mit drei Tagen Abstand körperlich, aber auch emotional von den Krawallen in Grenchen hängen geblieben? Volke: Körperlich nichts. Ich habe Tränengas abbekommen, aber nach einer Stunde waren alle Schmerzen weg. Die Enttäuschung ist aber noch gewaltig. Wir haben in der Schweiz ein schlechtes Bild abgegeben. Das Medieninteresse war und ist immens. Ich bekomme viele Interviewanfragen.

Steht das Interesse aus Ihrer Sicht in keinem Verhältnis zu den Ausschreitungen? Volke: Doch, es ist ja eine Menge passiert. Das kann ich nicht wegdiskutieren. Gott sei Dank gab es aber keine wirklich schweren Verletzungen. Ein gebrochenes Handgelenk, blaue Augen und Hautabschürfungen – schlimm genug.

Wie viele Randalierer wurden festgenommen? Volke: Erst hieß es, drei Basler Hooligans – wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot. Aber jetzt habe ich gehört, dass wohl keiner festgenommen wurde.

Wie beurteilen Sie das Verhalten der Polizei? Volke: Ich will diplomatisch sein. Die Polizei war zu zögerlich. Wir haben sie früh auf ein Sicherheitsrisiko aufmerksam gemacht, aber es ist sehr spät reagiert worden. Vermutlich waren auch zu wenig Polizisten vor Ort.

Haben Sie BVB-Randalierer auf Fotos identifiziert? Volke: Nein. Es gibt zwar viele Fotos. Die sehen auch schlimm aus, aber auf keinem ist zu sehen, ob und aus welcher Situation heraus jemand etwas macht. Ein paar von den Jungs haben mich inzwischen angerufen. Ihre Arbeitgeber machen Probleme, weil sie auf den Bildern zu sehen sind. Aber die meisten waren friedlich. Warum haben die friedlichen Fans die Randalierer nicht ausgegrenzt? Volke: Die Selbstreinigung innerhalb des Blocks hat nicht funktioniert. Im Nachhinein gab es Selbstkritik deswegen. Ich hoffe, es hat ein Lernprozess eingesetzt.

Wird es Stadionverbote geben, wenn ein Randalierer identifiziert wird? Volke: Für die Klärung dieser Frage bin ich nicht zuständig. Das müssten höhere Stellen entscheiden.  Gespräch: Sascha Fligge

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