Das Abenteuer Königsklasse endet für den BVB im Achtelfinale. Der über weite Strecken wunderbare Fußball im Rückspiel gegen Tottenham muss der Maßstab sein für die entscheidende Saisonphase. Tobias Jöhren kommentiert.

Dortmund

, 05.03.2019, 23:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Signal Iduna Park war in Wunderlaune. „Niemals aufgeben, niemals verzagen, bis wir den Pott wie 97 wieder über’n Rasen tragen“, so prangte es an der Gelben Wand. Nun, es wäre wahrlich ein Wunder gewesen. Der Henkelpott sowieso, aber auch das Erreichen des Viertelfinals in der Champions League. Am Ende war die Hypothek des Hinspiels zu hoch. 0:3 in Wembley, zwei späte Gegentore, die aus einer lösbaren eine unlösbare Aufgabe gemacht hatten. Der BVB ist raus. Das ist kein Wunder.



Für Borussia Dortmund ist das Abenteuer Königsklasse damit vorzeitig beendet. Die oberste Zielvorgabe, die Rehabilitation für eine blamable Vorsaison auf der ganz großen Fußballbühne mit vier Niederlagen und zwei Unentschieden, hat die Mannschaft von Lucien Favre erfüllt, vielleicht sogar übererfüllt. Der Gruppensieg in der Vorrunde vor Atletico Madrid war mehr, als man von dieser jungen Mannschaft erwarten durfte. Umso ärgerlicher ist es, dass eine ungesunde Mischung aus Formtief zur Unzeit und fehlender Abgeklärtheit ein noch dickeres Ausrufezeichen in Fußball-Europa weggewischt hat.

Am Rückspiel freilich lag das trotz der 0:1-Niederlage nicht. Der BVB und die Fans brachten fast alles mit, was es für eine magische Fußballnacht gebraucht hätte. Die Stimmung war außergewöhnlich, die Leistung der Mannschaft war außergewöhnlich, nur die Chancenverwertung war es nicht. Elf Torschüsse in Durchgang eins reichten nicht für das ersehnte Tor vor der Halbzeit. Und außer Lothar Matthäus hatte zur Pause wohl niemand in Dortmund gesteigerte Freude an wäre, wäre, Fahrradkette - und an hätte, hätte auch nicht.

Hätte, hätte, hätte

Hätte Julian Weigl nach einer guten halben Stunde getroffen, hätte Marco Reus nach einer guten halben Stunde getroffen, hätte Mario Götze nach einer guten halben Stunde getroffen und hätte Hugo Lloris im Tottenham-Tor nicht wie ein Riese gehalten - wer weiß schon, was alles möglich gewesen wäre.

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Der BVB belohnte sich nicht, aber er konnte erhobenen Hauptes vom Feld gehen. Und er durfte Mut ziehen aus diesem Auftritt. Mut für das, was jetzt kommt. Zehn Pflichtspiele stehen bis zum 18. Mai noch aus. Der über weite Strecken wunderbare Fußball am Dienstagabend, der kein Wunder zur Folge hatte, muss der Maßstab sein für die entscheidende Phase der Saison. Der BVB kann und will Deutscher Meister werden. Auch das wäre ein Wunder. Bloß nicht verzagen.

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