Die defensive BVB-Stabilität ist eng mit dem Aufschwung von Manuel Akanji verbunden. © imago / RHR-Foto
Borussia Dortmund

Die neue BVB-Stabilität trägt auch die Handschrift von Manuel Akanji

Die defensive BVB-Stabilität ist eng mit dem Aufschwung von Manuel Akanji verbunden. Der Schweizer erledigt seinen Job unaufgeregt - und zahlt das von Lucien Favre gegebene Vertrauen zurück.

Kurz bevor das Corona-Virus die Bundesliga und alle anderen europäischen Fußball-Ligen lahmlegte, reflektierte Manuel Akanji im Dortmunder Winter-Trainingslager in Marbella ein für ihn durchwachsen verlaufenes Fußballjahr 2019. Akanji hatte seine Souveränität eingebüßt, er war zu oft eine Hauptfigur in Spielsituationen, in denen Borussia Dortmund zu leichte Gegentore fing. Der Eindruck auf dem Rasen passte nicht mehr zum selbstbewussten Auftreten des Schweizers, unverkennbar kam er nicht in seinen Rhythmus, nachdem er erneut wegen seiner bekannten Hüftproblematik pausieren musste.

Manuel Akanji setzt seinen Aufwärtstrend beim BVB fort

Und er hatte unübersehbar Anpassungsprobleme in seiner neuen Rolle, die sich ergeben hatte durch die Rückkehr von Mats Hummels. Wie es in ihm ausgesehen hat in diesen ersten Monaten mit Hummels in der Rolle des Abwehrchefs, das hat der Schweizer bis heute nicht verraten. Es mag aber auch ein Grund dafür gewesen sein, dass er an seine gewohnte Form erst im Spätherbst wieder herankam, als es nach der Umstellung auf eine Dreierkette insgesamt wieder besser lief für die Borussia.

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Akanji haderte ein wenig mit der Kritik, die ihm „bisweilen zu hart und nicht immer gerechtfertigt“ gewesen sei, er gestand allerdings ehrlich ein, „dass ich die Ziele, die ich mir selbst gesteckt hatte, nicht erreicht habe.“ Und er gelobte für die Rückrunde der vergangenen Saison eine Fortsetzung des erkennbaren Aufwärtstrends aus dem Spätherbst 2019.

BVB-Defensive steht auch dank Manuel Akanji sicher

Corona durchkreuzte ab März dann viele Pläne, Manuel Akanjis Formhoch aber hielt an und überdauerte auch die zweimonatige Zwangspause im Sport – wie sich Borussia Dortmund überhaupt auch nach dem Re-Start defensiv stabiler und strukturierter präsentierte. Nur acht Gegentore gab es in den neun Partien ab Mitte Mai, vier davon im letzten bedeutungslosen Spiel gegen Hoffenheim, als die Luft raus war beim erneut gescheiterten Bayern-Jäger.

Doch die Entwicklung hin zu einer Mannschaft, die defensiv nur schwer zu bezwingen war, nahmen der BVB und Akanji mit in die neue Spielzeit – und sie zeigten dort auch, dass sie in mehreren taktischen Systemen erfolgreich sein können. Mit nur sieben Gegentoren in den bisherigen acht Liga-Partien und schon fünf Bundesliga-Spielen ohne Gegentreffer stellt der BVB die drittbeste Defensive hinter RB Leipzig und dem VfL Wolfsburg.

BVB-Abwehrspieler Akanji: „Es läuft bei mir sehr gut auf dem Platz“

Ist die Defensive besser, weil Akanji endlich wieder so konstant auftritt wie zu Beginn der Zeit unter Lucien Favre? Oder spielt er konstanter, weil die Kollegen besser mitverteidigen? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. „Wir verteidigen sehr gut und attackieren den ballführenden Gegner auch sehr gut“, meint der 25-Jährige, „die Verteidigungs-Leistung ist immer auch abhängig davon, wie die gesamte Mannschaft gegen den Ball arbeitet.“ Akanji sagt aber auch: „Es läuft bei mir sehr gut auf dem Platz.“ Das hilft auch den Kollegen.

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In Lucien Favres Planspielen gab es bislang kein Szenario, in dem für den selbstbewussten jungen Mann aus der Schweiz keine Rolle vorgesehen war. Nur das Coronavirus bremste Manuel Akanji für zwei Spiele (Hoffenheim, Rom) aus, in allen anderen Pflichtspielen dieser Saison stand er über die volle Distanz auf dem Rasen. Vor allem beim verpatzten Auftakt in die Champions League, als die Abwehr beim 1:3 in Rom bedenklich wackelte, wurde Akanji schmerzlich vermisst.

Akanji steht beim BVB immer über die volle Distanz auf dem Platz

Als er zum Derby gegen Schalke zurückkehrte und beim 3:0 auch gleich noch traf, merkte man ihm die Pause nicht an. Dennoch, gab er rückblickend in einem Beitrag für seinen Blog bei „watson.ch“ zu, habe ihn die Zeit der Ungewissheit nach Bekanntwerden der Infektion beeindruckt. „Ich hatte ein wenig Angst, ich wusste ja überhaupt nicht, was auf mich zukommt.“ Akanji überstand die Infektion mit nur leichten Symptomen und durfte endgültig durchatmen, als die intensiven medizinischen Untersuchungen keinen Anhalt für Folgebeschwerden ergaben.

Seither stand er auch in den folgenden sechs Pflichtspielen jeweils über die volle Distanz auf dem Feld, erledigte seinen Job unaufgeregt, aber immer zuverlässig. „Manchmal“, meinte er am Tag vor dem Heimspiel in der Champions League gegen den FC Brügge (21 Uhr, live bei DAZN), „fällt es einem schwerer, manchmal leichter.“ Die schweren Tage scheint er hinter sich gelassen zu haben. Momentan ist Akanji nicht wegzudenken aus diesem Team.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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