Gibt beim BVB die Richtung vor: Edin Terzic. © Groeger
Borussia Dortmund

Direkte Ansprache: So will Terzic den BVB wieder in die Spur bringen

Es sind wichtige Tage für Edin Terzic. Der neue BVB-Coach muss jetzt die Weichen stellen, bevor gezieltes Training ab Ende Januar kaum mehr möglich ist. Seine Ansprache ist klar und direkt.

Die Kommandos hallen laut und deutlich über den Platz. Borussia Dortmunds Trainingsgruppe ist groß, nicht dabei sind nur die noch verletzten Thorgan Hazard und Jude Bellingham, Marcel Schmelzer sowieso nicht. Edin Terzic will jeden erreichen, auch deshalb legt er sich stimmlich ziemlich ins Zeug.

Terzic legt BVB-Trainingsschwerpunkt auf Druck und Präzision

Das Freilaufspiel mit zwei zahlenmäßig starken Gruppen und drei freien Anspielstationen ist Standard für die Profis. Es geht um schnelles Passspiel, das Besetzen der freien Räume, hier wird auch simuliert, wie man sich aus einer Pressing-Situation spielerisch befreien kann. Es geht vor allem um Präzision, auch unter Druck, auch bei hohem Tempo.

Terzics Stimme ist deutlich zu vernehmen, er korrigiert und dirigiert eigentlich permanent. Oft geht es um Kleinigkeiten, um ein paar Zentimeter Verlagerung der eigenen Position, die es dem Mitspieler aber vereinfachen würden, den Pass genauer zu spielen. Terzic fordert Tempo und diese Genauigkeit, und er lässt nicht nach in seinen Forderungen. Gut 20 Minuten dauert diese intensive Variante, in der es für alle kaum Erholungsphasen gibt.

Terzic muss Borussia Dortmund in die Champions League führen

Für Terzic, der am 13. Dezember ins kalte Wasser sprang und eine Mannschaft übernahm, in der es vor Hochtalentierten nur so wimmelt, die aber im Verlauf der vergangenen zweieinhalb Jahre unter Lucien Favre zu oft vergaß, zunächst die Grundtugenden des Zweikampfsports Fußball zu zeigen, ist es die entscheidende Zeit im Hinblick auf seinen Trainerauftrag. Terzic muss Borussia Dortmund in die Champions League führen, nichts anderes zählt bei den hohen eigenen Ambitionen und bei einem Etat, der nur darstellbar ist, wenn der sportliche Erfolg regelmäßig da ist.

Borussia Dortmund möchte auch in der aktuellen Champions League mindestens bis ins Viertelfinale kommen und gern im Mai auch mal wieder nach Berlin fahren, wenn im Olympiastadion der DFB-Pokal übergeben wird. Aber die Bundesliga ist das Kerngeschäft, „Brot und Butter“, wie man da gerne sagt. Versagt die Mannschaft im wichtigsten Wettbewerb, und das wäre spätestens bei Platz fünf der Fall, hat auch Terzic seine Aufgabe nicht erfüllt.

Das BVB-Team weiß, wie Trainer Terzic tickt

Bevor sich der Spiele-Rhythmus wieder verkürzt und es bei drei Spielen binnen acht Tagen kaum mehr möglich sein wird, gezielt und intensiv zu arbeiten, muss Terzic der Mannschaft seine Idee von Fußball erfolgreich vermittelt haben. In Teilen wissen die Spieler, wie der 38-Jährige tickt. Sie kennen ihn seit zweieinhalb Jahren als „Co“ von Favre, ihm wird ein guter Draht zur Mannschaft nachgesagt. Doch nicht alle seine Ideen konnte er in seiner „alten“ Funktion umsetzen. Manchmal musste sich Edin Terzic auch wohl bremsen, das konnte man in einigen Aussagen zwischen den Zeilen lesen. Loyalität zum Chef gehört eben auch zur Stellenbeschreibung eines Co-Trainers.

Wer die bisherigen Partien verfolgt hat, der erkennt aber die klaren Unterschiede zwischen dem erfahrenen Schweizer Trainer, für den Geduld eine Grundtugend im Fußball ist, und dem Novizen Terzic, der seine Mannschaft auf dem Feld ebenso aktiv erleben möchte, wie er es selbst an der Seitenlinie vorlebt. Mehr Tempo ist eins der Kernthemen, aber auch die Gier auf Tore. Terzic selbst hat das so formuliert: „Es gibt den Ansatz, den Schwerpunkt darauf zu legen, ein Spiel nicht zu verlieren. Ich möchte versuchen, es aktiv zu gewinnen.“

Vor BVB-Trainer Edin Terzic liegt viel Arbeit

Dass sich das nicht mit wenigen Einheiten transportieren lässt, versteht sich von selbst und hat dazu geführt, dass er in seiner kurzen Amtszeit auch schon Rückschläge erleben musste. Die Niederlage in Berlin hat gezeigt, dass viel Arbeit vor Terzic liegt, sie war auch ein Beleg für Fehlentwicklungen, die in der Summe dazu geführt haben, dass Borussia Dortmund schon fünf Liga-Spiele verloren hat – eine Marke, für die es in der jüngeren Vergangenheit auch schon mal mehr als eine komplette Saison brauchte.

„Wir wissen alle, dass wir uns in einer Situation befinden, die für Borussia Dortmund etwas unüblich ist“, sagt Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl, „wir müssen mit der Kritik umgehen. Auch wir haben höhere Erwartungen an uns.“ Die Mannschaft in die Spur zu bringen, sei das vorrangige Ziel, sagt Kehl. Er erwarte eine schwierige Aufgabe, hat Terzic erklärt. Denn nach den wenigen Einheiten vor dem Jahreswechsel bleiben ihm zur Grundlagen- und Feinarbeit nur die aktuelle und die kommende Woche. Das alles im laufenden Betrieb, der für den BVB am Samstag das absolute Spitzenspiel beim Zweiten RB Leipzig (18.30 Uhr, live bei Sky) und danach weitere hochkarätige Duelle in Leverkusen und in Gladbach bereithält.

Borussia Dortmund soll wieder „Erwachsenenfußball“ spielen

Es gehe darum, „dass die Mannschaft in eine bessere Form kommt“, sagt Kehl und legt damit ebenso den Finger in die Wunde wie vor ein paar Tagen Abwehrchef Mats Hummels, der in einem Interview moniert hatte, der BVB habe zu selten „Erwachsenenfußball“ gespielt. Widersprechen mochte ihm Kehl in diesem Punkt nicht, und auch sein Trainer würde Hummels wohl zustimmen.

Mehr Robustheit, Gegenwehr und Konzentration ist das eine, Terzic will seine Elf aber auch dahinführen, dass sie wieder besseren Fußball spielt. Dazu benötigt er wichtige Spieler in guter Form, erste Lebenszeichen hat zum Beispiel Jadon Sancho am Sonntag beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg gesendet. Das kann freilich nur ein Anfang gewesen sein, Sancho ist zudem beileibe nicht das einzige Sorgenkind.

BVB und Terzic dürfen keine Zeit verlieren

Nach gut einer Stunde ist am Dienstag die Vormittagseinheit zu Ende. Der Trainer ist zufrieden mit dem, was er gesehen hat. Für die Spieler war es nach einer Athletik-Einheit zuvor schon die zweite des Tages, am Nachmittag folgte noch eine dritte Runde, dann wieder hinter verschlossenen Türen. Terzic bedankte sich am Dienstag sogar für das Verständnis der Medien, für die bislang fast immer die Tore zum Trainingszentrum verschlossen geblieben waren – das ist eine durchaus ungewöhnliche Geste. Es gilt, keine Zeit zu verlieren, Terzic steht weiter vor einem Berg an Arbeit.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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