Dortmund und Leverkusen im direkten Vergleich

Der Meisterschaftskampf

Bayer Leverkusen hält die Spannung im Bundesliga-Titelrennen aufrecht und rückt Borussia Dortmund durch das 2:1 gegen St. Pauli wieder näher auf die Pelle - jetzt sind es nur noch fünf Punkte Rückstand. Im 107. Jahr des Vereinsbestehens hat der Werksklub erneut die Chance, erstmals Meister zu werden - aber ist dieses Szenario realistisch?

DORTMUND

von Von Matthias Dersch und Sascha Fligge

, 12.04.2011, 13:47 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wer schnappt sich die Schale? Bayer Leverkusen, hier mit dem Trio Arturo Vidal, Stefan Kießling und Eren Derdiyok (v. l.), oder Borussia Dortmunds Gipfelstürmer um Nuri Sahin, Mario Götze und Lucas Barrios (v. l.)

Wer schnappt sich die Schale? Bayer Leverkusen, hier mit dem Trio Arturo Vidal, Stefan Kießling und Eren Derdiyok (v. l.), oder Borussia Dortmunds Gipfelstürmer um Nuri Sahin, Mario Götze und Lucas Barrios (v. l.)

Blickt man auf das kommende Wochenende, so scheint der BVB das deutlich leichtere Programm zu haben. Während die Leverkusener beim FC Bayern antreten müssen, trifft Dortmund im Signal Iduna Park auf den Achten SC Freiburg. Anschließend treten die Borussen auswärts bei Borussia Mönchengladbach an, das dringend Punkte im Abstiegskampf benötigt. Das gleiche gilt für Werder Bremen (33. Spieltag, in Bremen) und Eintracht Frankfurt (34. Spieltag, in Dortmund). Beide Klubs sind noch nicht gerettet – und werden es vermutlich auch am vorletzten bzw. letzten Spieltag noch nicht sein. Der 1. FC Nürnberg, der am 32. Spieltag in Dortmund antritt, will dagegen noch ins internationale Geschäft.

Auch der „Club“ hat also nichts zu verschenken. Etwas leichter erscheinen da die letzten vier Gegner der Leverkusener. Hoffenheim (31. Spieltag, in Leverkusen) und Köln (32. Spieltag, in Köln) siedeln im Niemandsland der Tabelle.  Der Hamburger SV (33. Spieltag, in Leverkusen) hat derzeit als Siebter der Tabelle immerhin schon drei Punkte Rückstand auf den angestrebten fünften Rang. Besondere Brisanz birgt der 34. Spieltag: Wenn Leverkusen auswärts auf den SC Freiburg trifft, begegnet die „Werkself“ auch ihrem neuen Trainer Robin Dutt. Kaum vorstellbar, wie die Bayer-Fans es aufnehmen würden, wenn ausgerechnet Dutt ihnen einen Strich durch die Meisterschaftsrechnung machen würde.

Seit der Winterpause konnte Leverkusen den Rückstand auf den BVB halbieren (von einst zehn auf fünf Zähler). Ausdruck einer Formkrise der Schwarzgelben? Wohl kaum! Eher ein Beweis dafür, dass die hochkarätig besetzte Mannschaft von Trainer-Altmeister Jupp Heynckes (65) zu überragender Konstanz gefunden hat. Die Borussia leidet dagegen – trotz zuletzt schwächerer Spielhälften gegen Hoffenheim, Mainz, Hannover und Hamburg – in erster Linie darunter, dass der Ball nicht über die Torlinie möchte. Auch ohne den verletzten Techniker Shinji Kagawa (acht Hinrundentore) mangelt es dem BVB zwar nicht an Esprit in der Entwicklung von Torchancen, wohl aber am entscheidenden Punch in der Veredelung eben dieser.

Platzt der Knoten, wie gegen Hannover (4:1) nach dem Rückstand geschehen, spult die Borussia ihren Vollgas-Fußball auf Basis hoher Ballbesitz-Werte, eines explosionsartigen Umschaltspiels und technischer Überlegenheit mit spielerisch wirkender Leichtigkeit ab. Platzt er nicht oder erst spät, lassen Jürgen Klopps Schützlinge trotz Feld-, Chancen- und Zweikampfüberlegenheit Punkte liegen. Große Sorge muss dies dem Trainer nicht bereiten. Deutlich brisanter wäre Dortmunds Situation, wenn die fußballerische Qualität auf dem Rasen partout nicht mehr stimmen würde – doch das ist über 90 Minuten hinweg während der Rückrunde nur beim 0:1 in Hoffenheim der Fall gewesen.

Der Blick auf die Tabelle nach dem zwölften Spieltag dürfte auf BVB-Fans wie Baldrian wirken: Damals lag die Borussia nach einem 2:0 gegen Hamburg sieben Punkte vor Leverkusen, das auf St. Pauli mit 1:0 gewann. In den finalen fünf Hinrunden-Partien bauten die Dortmunder ihren Vorsprung auf zehn Zähler aus, holten also – trotz der Niederlage in Frankfurt – drei Punkte mehr als Leverkusen. Keine schlechten Vorzeichen für den Endspurt in der Meisterschaft … Seit dem zehnten Spieltag belegt der BVB nun schon Platz eins. Zweimal in seiner Geschichte war der Klub vor dieser Saison Herbstmeister (94/95 und 95/96) – jeweils ging die Schale ins Ruhrgebiet! Auch das beruhigt. Aktuell haben der BVB und „Vizekusen“ statistisch betrachtet ähnliche Stärken. Leverkusen stellt das torgefährlichste Mittelfeld, Dortmund ist die Nummer zwei. Und jeweils 59 erzielte Saisontreffer toppt nur München (61).

Durch die Verletzung des Dortmunder Angreifers Lucas Barrios (Faserriss/fehlt gegen Freiburg) könnten sich die Vorzeichen jedoch verändern. Der beste BVB-Stürmer traf 13 Mal – und zehnmal Aluminium. Ob Robert Lewandowski (1208 Liga-Minuten/6 Tore) ähnliche Gefahr ausstrahlen kann? Dortmunds größtes Pfund im Direktvergleich der bisherigen 29 Partien: die Defensive. Der BVB kassierte erst 18 Gegentore, Leverkusen beinahe doppelt so viele (35). Und sie wissen ja: Die Offensive gewinnt zwar Spiele, die Defensive jedoch Meisterschaften.

Er schmilzt wie Butter in gleißender Sonne, aber noch steht ein gewaltiger BVB-Vorsprung. Fünf Punkte, mit der Tordifferenz sind es sogar sechs. Selbst wenn Leverkusen alle fünf ausstehenden Spiele gewinnt (dann zehn Siege in Serie) darf sich Dortmund eine Niederlage und ein Remis erlauben. So weit kommt`s nicht: Die Borussia wird Meister.

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