Drei potenzielle BVB-Kandidaten für den deutschen Olympia-Kader: Mahmoud Dahoud, Julian Brandt und Felix Passlack. © imago / Kirchner-Media

Dortmunds Profis bei Olympia: Der BVB steht vor einer kniffligen Entscheidung

Olympische Spiele in Japan mit BVB-Profis? Möglich ist das. Fragen die Verbände an, steht Borussia Dortmund allerdings vor einer schwierigen Entscheidung. Eine Terminkollision droht.

Olympisches Gold gewinnen zu können? Diese Aussicht reizt ohne Zweifel viele Fußballprofis. In wenigen Tagen stellt DFB-Trainer Stefan Kuntz sein Aufgebot für die Sommerspiele in Tokio zusammen. Auf zur Jagd nach Edelmetall! Frei auswählen darf Kuntz für den 18-köpfigen Kader jedoch nicht. Denn: Die Bundesliga-Klubs können zwar ihre Spieler für Olympia freigeben, müssen das aber nicht.

Der BVB hat keine Abstellungspflicht für Olympia

„Es gibt keine Abstellungspflicht“, bestätigt Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler von Borussia Dortmund. Mit Blick auf den BVB wird klar, warum ein Anruf von Kuntz mit der Bitte um Freigabe eines Spielers wohl eher keine großen Glücksgefühle auslösen würde: Die Gruppenspiele der DFB-Auswahl in Japan stehen für den 22. Juli (gegen Brasilien), 25. Juli (gegen Saudi-Arabien) und 28. Juli (gegen die Elfenbeinküste) auf dem Programm. Das Viertelfinale ist für den 31. Juli angesetzt.

Für das Olympiateam nominierte BVB-Profis würden also nicht nur das Trainingslager der Borussia im schweizerischen Bad Ragaz verpassen (23. bis 31. Juli). Auch in weiteren Teilen der Vorbereitung würden diese ihrem Klub fehlen, da der DFB-Tross schon am 12. Juli ins Olympia-Quartier nach Japan reisen wird. Und sollte die deutsche Mannschaft gar wie vor fünf Jahren erneut ins Finale vorstoßen, so wäre das am 7. August in Yokohama. Exakt an diesem Samstag steigt jedoch hierzulande die erste Runde im DFB-Pokal mit Titelverteidiger BVB.

BVB-Youngster Moukoko ist definitiv kein Kandidat für Olympia

Noch lässt sich der BVB offen, wie er im Falle eines Anrufs von Stefan Kuntz reagieren würde. „Wir warten ab. Kommt eine Anfrage, müssten wir dann abwägen, ob wir den angefragten Spieler abstellen können“, erklärt Sebastian Kehl. Kann der BVB auf den gewünschten Spieler überhaupt vier Wochen lang verzichten? Falls nicht: Will der Spieler aber womöglich unbedingt bei Olympia auflaufen? Schwierige Entscheidungen könnten also bei den Schwarzgelben anstehen.

DFB-Trainer Stefan Kuntz, der seinen Kader bis Ende Juni beisammen und gemeldet haben muss, setzt auf die Karte Kooperation. „Es wäre toll, wenn wir mit den Klubs eine einvernehmliche Lösung finden würden, wer mitfahren kann“, sagte er. Klar ist bereits jetzt: Youssoufa Moukoko wird nicht beim Olympischen Fußballturnier spielen. Der Jungprofi des BVB musste verletzt seine Teilnahme an der U21-EM absagen, daraufhin rückte der 16-Jährige erst gar nicht Ende Mai auf die 50 Namen umfassende vorläufige Olympia-Kaderliste des DFB. Moukoko soll die komplette Vorbereitung der Borussia unter dem neuen Cheftrainer Marco Rose absolvieren.

Passlack, Dahoud und Brandt sind Kandidaten für den DFB-Kader

Für andere BVB-Profis könnte dagegen noch eine Anfrage in Dortmund eingehen: Für Felix Passlack beispielsweise, der 23-Jährige war nach guten Auftritten für die Borussia in den Kader der U21 zurückgekehrt, dann für die EM zwar jüngst nicht nominiert worden – nicht ausgeschlossen aber, dass Kuntz Passlack nun mit zu Olympia nehmen möchte. Passlack passt auch noch ins vorgegebene Altersraster, denn mit drei Ausnahmen pro Kader müssen alle Olympia-Plätze an Spieler vergeben werden, die frühestens im Jahr 1997 geboren wurden.

Zu den Ausnahmen zählen könnten die Borussen Mahmoud Dahoud und Julian Brandt. Die 25-Jährigen standen als A-Nationalspieler auf der vorläufigen Olympia-Liste des DFB. Da beide von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die Europameisterschaft eingeplant sind, könnte sie Kuntz auf dem Zettel haben. Allerdings hat der DFB-Coach durchblicken lassen, das Gerüst seiner Olympia-Auswahl möglichst aus den Spielern seines U21-EM-Kaders zu bilden, mit dem er gerade den Europameistertitel ergattert hat.

BVB-Profi Reinier zählt zum Stamm der brasilianischen U21

Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass ein anderer Borussen-Profi in Japan dabei sein wird: Reinier. Der 19-jährige Brasilianer zählt zum Stamm des Nachwuchsteams der Selecao, das bei Olympia in der Gruppenphase auf die DFB-Auswahl treffen wird. Ob der BVB den Stürmer allerdings für das Turnier freigeben wird, ist offen. Ähnlich gelagert ist der Fall Leonardo Balerdi. Findet die Borussia für den 22-jährigen Innenverteidiger, der noch bis zum 30. Juni an Olympique Marseille ausgeliehen ist, keinen neuen Arbeitgeber, so würde Balerdi ab dem 1. Juli wieder zum BVB-Profikader zählen. Auch für den Argentinier ist eine Olympia-Anfrage möglich.

Zwei andere Kandidaten stehen dagegen für ihre Olympia-Teams in keinem Fall zur Debatte: Der Franzose Dan-Axel Zagadou (22) und der Spanier Mateu Morey (21) fallen aufgrund ihrer Verletzungen noch lange aus.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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