Dudziak debütiert in der Profimannschaft

Leiseredner – Lautspieler

Als kleiner Straßenkicker hatte Jeremy Dudziak täglich davon geträumt, doch als der Moment endlich gekommen war, konnte er es zunächst kaum glauben: „Ziemlich überrascht“ habe ihn sein Debüt beim 3:2-Sieg in Hannover, bekannte der Linksverteidiger nach seinem ersten Einsatz für die BVB-Profis.

DORTMUND

, 24.03.2015, 20:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jeremy Dudziak gelang ein überzeugendes Debüt bei der Profi-Mannschaft im Spiel gegen Hannover 96.

Jeremy Dudziak gelang ein überzeugendes Debüt bei der Profi-Mannschaft im Spiel gegen Hannover 96.

Er ist der erste einer ganzen Reihe von Talenten, denen in Dortmund der Sprung nach ganz oben zugetraut wird. Ein Profi-Fußballer muss nicht nur gut kicken können, er muss idealerweise auch Interviews geben können. Denjenigen, die früher in der Schule schon den Klassenclown gegeben haben, fällt das in der Regel leichter als den introvertierten Typen, die es durchaus auch gibt im Showgeschäft Fußball-Bundesliga. Doch auch sie kommen meist nicht darum herum, vor den lauernden Mikrofonen und Kameras ein paar Sätze zu sagen.

Große Scheu

Jeremy Dudziak fiel diese Aufgabe am vergangenen Samstag deutlich schwerer als das Fußballspielen zuvor. Der 19-Jährige ist ein schüchterner Typ, der im Mannschaftskreis zwar Scherze macht und viel lacht, aber im Gespräch mit der Presse eher in die Kategorie „Leiseredner“ fällt. Zu groß ist die Scheu, etwas Falsches zu sagen, womöglich zu forsch aufzutreten oder Zitate zu liefern, die sich verselbstständigen und eine größere Bedeutung bekommen als ursprünglich intendiert war.

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Einsilbig antwortete er auf die Fragen nach seinem Debüt, nach der Nacht zuvor und der Nervosität auf dem Platz. Doch der Ausdruck seiner Augen war eigentlich ohnehin Antwort genug. Sie strahlten mit den Scheinwerfern der TV-Kameras um die Wette und sogen jeden Eindruck auf, der sich ihnen bot. „Durch meine Einwechslung“, sagte er bei seiner längsten Antwort mit leiser Stimme, „ist in Erfüllung gegangen, was ich mir als kleiner Junge erträumt habe. Ich werde sehr gut schlafen können.“

Kontinuierliche Entwicklung

Den Schlaf hatte er sich verdient, denn sein – sehr auffälliges –  Debüt in der Mannschaft von Jürgen Klopp, bei dem er gleich den Treffer zum 3:1 einleitete, war das logische Resultat einer kontinuierlichen Entwicklung. Dudziak, eigentlich in der U23 des BVB beheimatet, hatte sich in der Hinrunde durch Trainingsfleiß und gute Auftritte in der 3. Liga bei den Profis ins Gespräch gebracht.

Im Wintertrainingslager, bei dem er wesentlich forscher aufspielte als er sich in Hannover vor der Presse gab, bestätigte der „Lautspieler“ die positiven Eindrücke und wurde mit seinem ersten Profi-Vertrag belohnt. „Jeremy hat sich in den vergangenen Monaten sehr positiv entwickelt“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc damals, „es ist schön zu sehen, dass wieder ein echtes BVB-Eigengewächs den Sprung in den Profikader schafft.“

U20-Debüt winkt

Seit 2009 schnürt der gebürtige Duisburger die Schuhe für den BVB, seitdem durchlief er nicht nur alle Jugendteams der Borussia, sondern auch der Nationalelf. Derzeit weilt er erstmals bei der U20-Auswahl des DFB, Bundestrainer Frank Wormuth berief ihn für die Spiele gegen Polen (27. März) und Tschechien (31. März).

Dudziak ist die Vorhut einer ganzen Reihe von hoffnungsvollen Talenten, die in den kommenden Monaten und Jahren den Sprung zu den BVB-Profis schaffen könnten. Der technisch versierte und flexible Linksfuß steht exemplarisch für die gute Nachwuchsarbeit, die derzeit nach eher mageren Jahren zuvor wieder geleistet wird.

Zwischen Vorbildern und Konkurrenten

Seine Linksverteidiger-Kollegen Marcel Schmelzer und Erik Durm gingen einst den gleichen Weg wie jetzt Dudziak. Bislang waren sie Vorbilder für den Youngster, seit Samstag sind sie auch Konkurrenten.

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