Borussia Dortmund

Ein großes Desaster beim 1:5 – Stuttgart nimmt desolaten BVB auseinander

Der BVB erlebt beim 1:5 gegen Stuttgart eine der bittersten Niederlagen der jüngsten Vereinsgeschichte. Kurz vor Weihnachten rutscht Dortmund in eine handfeste Krise. Ausgang ungewiss.
Gegen Stuttgat ein Totalausfall: BVB-Mittelfeldspieler Axel Witsel. © imago / Witters

Die vierte Saison-Niederlage war am Ende auch in dieser Höhe verdient. Borussia Dortmund blieb im letzten Heimspiel des Jahres vieles, wenn nicht alles schuldig. Nun wird die Unruhe, mühsam zurück in die Kiste gestopft durch das 2:1 in Sankt Petersburg, wieder deutlich zunehmen. Denn nach der erneuten Heimpleite und dem desolaten Eindruck, den die Mannschaft dabei hinterließ, ist die Champions-League-Qualifikation in ernsthafter Gefahr. Bei den Gegentoren bestrafte die deutlich frischere Mannschaft auf dem Rasen des Signal Iduna Park den zum Großteil dilettantisch verteidigenden BVB noch nicht einmal mit aller Konsequenz.

BVB-Torhüter Roman Bürki schüttelt verzweifelt den Kopf

Vielleicht fühlte sich Roman Bürki ja daran erinnert, wie es war, als er seinerzeit beim SC Freiburg zwischen den Pfosten gestanden hat. Viele Bälle, die auf sein Tor zuflogen, viele Chancen, sich auszuzeichnen. Nach den ersten 45 Minuten in der Partie gegen den VfB Stuttgart, nach denen Borussia Dortmund irgendwie auch nicht wusste, warum auf der Anzeigetafel ein 1:1 stand, hatte Bürki mehr als ein halbes Dutzend Bälle abgewehrt, die auf seinen Kasten geflogen waren. 10:5 Torschüsse verzeichnete die Statistik, fast alle Bälle kamen auch auf das Gehäuse des Schweizer Keepers, der einige Male verzweifelt den Kopf schüttelte.

Allein ein Geniestreich zweier BVB-Protagonisten schönte eine erste Hälfte, in der der BVB nahezu komplett neben sich gestanden hatte. Aus dem Augenwinkel hatte Raphael Guerreiro den startenden Giovanni Reyna entdeckt, der Pass kam zentimetergenau in den Lauf des 18-Jährigen, dessen Annahme und überlegter Abschluss nicht minder sehenswert war. Das 1:1 (39.) konnte allerdings die großen Unzulänglichkeiten im Dortmunder Spiel nicht annähernd kaschieren. Aufsteiger Stuttgart war die Elf mit der klareren Struktur, die auch wacher, energischer und zielstrebiger war. Der BVB leistete sich defensiv haarsträubende Nachlässigkeiten und bekam offensiv kaum einmal einen konstruktiven Angriff hin.

BVB-Kapitän Marco Reus ist als Stürmer kaum zu sehen

Dabei konnte Favre wie erhofft einige seiner zuletzt pausierenden Stars wieder aufbieten. So kehrte Guerreiro ebenso zurück wie Manuel Akanji und Mateu Morey. Insgesamt waren es sechs Wechsel in der Startelf gegenüber der Partie am Dienstag in Sankt. Petersburg. Haaland-Ersatz war diesmal Marco Reus, zu sehen gab es auf dieser Position nicht zum ersten Mal von ihm sehr wenig.

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Das galt allerdings für fast alle Spieler in Schwarzgelb. „Wir brauchen mehr Geschwindigkeit über außen, wir brauchen Präsenz im Strafraum“, hatte Sebastian Kehl vor der Partie erklärt. Beides vermisste man beinahe über die kompletten 90 Minuten. Stuttgart kombinierte besser und hatte beste Chancen. Borna Sousas Freistoß nach einem unnötigen Foul zuvor von Bellingham zwang Bürki zu einer ersten Glanzparade (7.), Mateo Klimowicz verpasste eine Flanke von Silas Wamangituka nur knapp (13.).

Der BVB läuft gegen den VfB Stuttgart nur hinterher

Als der BVB noch darüber diskutierte, ob ein Einsatz von Sosa gegen Reyna im Stuttgarter Strafraum wohl ahndungspflichtig gewesen war, spielte der VfB den anschließenden Konter schulbuchmäßig – am Ende ging es wie so oft in diesem Spiel viel zu leicht durch die Mitte. Emre Can versuchte mit einer beherzten Grätsche zu retten, was nicht mehr zu retten war. Der Elfmeterpfiff nach Cans Foul an Klimowicz war unstrittig, Wamangituka verwandelte sicher – 0:1 (25.).

Der 20. Elfmeter, den Bürki im BVB-Trikot gegen sich nicht halten konnte, brachte die Gäste hochverdient in Führung. Und es ging weiter wild zu im Dortmunder Strafraum. Tanguy Coulibaly, der sich gegen drei Dortmunder durchsetzen konnte, hätte auf 2:0 stellen müssen (30.). Bürki parierte auch gegen Klimowicz (38.), Wamangitkukas zweiten Treffer verhinderte nur das Abwehrbein von Akanji (43.).

Der BVB kommt mit dem energischen Gegenpressing nicht zurecht

Wer auf Besserung nach der Pause – wie zuletzt in einigen Spielen zumindest in Ansätzen erkennbar – gehofft hatte, der wurde bitter enttäuscht. Stuttgart zeigte sich unbeeindruckt vom unverdienten Ausgleich und setzte weiter auf das Mittel, das dem BVB schon in Durchgang eins nicht behagt hatte: energisches Gegenpressing weit in der Dortmunder Hälfte, mutiges nach vorne verteidigen.

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Bundesliga, 11. Spieltag: BVB – VfB Stuttgart 1:5 (1:1)

Der auf diese Art erfolgreiche Ballgewinn von Orel Mangala führte zum 2:1 für die Schwaben. Belingham und Guerreiro versuchten sich am eigenen Strafraum mit einem Doppelpass spielerisch zu befreien, Mangala spritzte dazwischen, sein Querpass erreichte Wamangituka, der Bürki zentral keine Chance ließ (53.).

Der BVB zeigt nach dem zweiten Gegentreffer Zerfallserscheinungen

Das Tor traf den BVB ins Mark, die Abwehr zeigte nun regelrecht Zerfallserscheinungen. Dem Tempo und der Aggressivität der Stuttgarter in der Balleroberung und im Konter hatte Borussia Dortmund nichts entgegenzusetzen. Vor allem im Zentrum, das weder der behäbige Axel Witsel noch Bellingham dicht bekamen, klafften riesige Löcher. Philipp Förster (60.) und Coulibaly, der seinen Sahnetag noch mit einem Treffer krönen durfte, stellten auf 4:1 für den VfB. Der BVB nahm das wie gelähmt und beinahe ohne Widerstand hin.

Bezeichnend, dass das vermeintliche 2:4 durch Reyna wegen einer Abseitsstellung nicht zählte (87.), das Tor wäre aber auch kein Indiz für eine späte Aufholjagd gewesen – die Gefahr, weitere Gegentreffer zu kassieren, war jederzeit größer als die Hoffnung auf eine Wende.

BVB-Trainer Lucien Favre nimmt Gegentreffer regungslos hin

Verwundern durfte auch Lucien Favres Auswechseltaktik. Nach dem 1:2 brachte er Reinier für Emre Can, diesen Wechsel konnte man noch nachvollziehen. Nach dem 1:3 kam Nico Schulz für Bellingham. Warum es dann bis zur 84. Minute dauerte, ehe der Trainer bei einem Dreifachwechsel auch noch die offensiven Optionen Youssoufa Moukoko und Julian Brandt brachte, das wird er vielleicht an anderer Stelle erklären müssen. Vielleicht fehlte ihm ja schlicht der Glaube. So wie über weite Strecken seinen Spielern auf dem Platz.

Irgendwie logisch, dass nicht Dortmund den Schlusspunkt setzte. Das 1:5 durch Gonzalez „krönte“ den rabenschwarzen BVB-Tag (90.+1). Der Trainer nahm das Tor regungslos hin.

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