Vier Pflichtspiele, zwei Gesichter: Der BVB sucht noch nach seiner Form. © imago / Jan Huebner
Meinung

Erst furios, dann ideenlos: Dieser Saisonstart des BVB wirft Fragen auf

Borussia Dortmund zeigt innerhalb weniger Tage zwei komplett unterschiedliche Gesichter - und das 1:2 in Freiburg offenbart bekannte Schwächen. Dieser BVB-Saisonstart wirft Fragen auf.

Dieser Saisonstart von Borussia Dortmund wirft Fragen auf. Eine Einordnung der ersten vier Pflichtspiele fällt einigermaßen schwer, weil die Partien einen so unterschiedlichen Eindruck hinterlassen haben. Inwieweit spiegeln das 3:0 im DFB-Pokal beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden und das 5:2 gegen Eintracht Frankfurt das tatsächliche Leistungsvermögen des BVB wider? Und wie schnell gelingt es den Schwarzgelben, die Fehler vom 1:3 im Supercup gegen Bayern München abzustellen und die Ideenlosigkeit beim 1:2 in Freiburg zu überwinden?

Fragen, die sich auch Marco Rose und die Verantwortlichen stellen dürften, stellen müssen. Klar ist: Das souveräne Weiterkommen im Pokal und der Traumstart in der Bundesliga gegen Frankfurt haben das Potenzial, einem angesichts der dort gezeigten Dortmunder Offensiv-Power die Sinne zu vernebeln. Es ist kaum davon auszugehen, dass das bei Rose und Co. der Fall ist.

Der BVB lässt nach dem frühen Gegentor einen Plan B vermissen

Ihnen wird nicht entgangen sein, dass der BVB auch gegen Frankfurt defensiv durchaus Anfälligkeiten offenbarte. Die eigene Angriffswucht kaschierte die Defizite allerdings großzügig. Aufgedeckt wurden sie dann gnadenlos von den Bayern im Supercup.

Freiburgs Trainer Christian Streich hatte im Vorfeld davon gesprochen, dass seine Mannschaft von Beginn an das Tempo der Borussia mitgehen müsse, um nicht von der schwarzgelben Welle überrollt zu werden. Genau das tat sein Team – das frühe 1:0 spielte ihm zudem in die Karten. Über weite Strecken gelang es dem SC, die Räume zu verdichten und den BVB-Offensiven damit ihre Turbo-Rampe, die sie so gerne für überfallartige Angriffe nutzen, zu versperren. Einen Plan B hatte die Borussia nicht in der Tasche. Die Freiburger erteilten dem Ansinnen der Borussen, sich durch ihre Reihen zu kombinieren, eine harsche Absage.

Die BVB-Torabteilung um Haaland und Reus hängt in der Luft

Besonders bitter: Marco Reus und Erling Haaland fanden nicht statt. Ihr Wirken war von ergreifender Ideenlosigkeit geprägt. So nutzte den Dortmundern auch ihre statistische Überlegenheit in nahezu allen Parametern und phasenweise mehr als 75 Prozent Ballbesitz nichts. Es war eine wertlose B-Note.

Zusätzlich zum Problem wurde die Defensive, die in ihrer personellen Besetzung womöglich schon am Freitag im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim anders ausfallen wird. Bis auf Manuel Akanji, der wiederum gegen die Bayern schluderte, konnte niemand in Freiburg überzeugen. Weder Nico Schulz noch Raphael Guerreiro, Axel Witsel oder Felix Passlack.

Die Hummels-Rückkehr wird beim BVB herbeigesehnt

Sollte es sein Gesundheitszustand zulassen, sollte Mats Hummels dringend in die Innenverteidigung zurückkehren. Und auch Emre Can wäre als Rechtsverteidiger sicher eine Option. Marco Rose hat im Vorfeld der Partie davon gesprochen, dass es wichtig sei, „ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz zu zeigen, auch wenn es mal nicht in unsere Richtung läuft“. Dass die bereits nach zwei Bundesliga-Spielen gefragt ist, dürfte aber selbst den Trainer überraschen.

Darüber hinaus sagte Rose, es sei wichtig, im Team und auch im Umfeld des Vereins trotz einer Niederlage nicht jedes Mal die Ambitionen zu ändern. Damit hat Rose zweifellos Recht. Dieses Team hat riesige Vorzüge, das steht außer Frage. Es ist eine Ansammlung außergewöhnlicher Spieler, die außergewöhnliche Fähigkeiten mit außergewöhnlichem Ehrgeiz paaren. Zugleich muss das Team mit den daraus resultierenden außergewöhnlichen Ansprüchen zurechtkommen – und dringend Lösungen finden für Gegner, die wie Freiburg als kollektives Kantholz fungieren.

Wie gut sind Frustrationstoleranz und Resilienz beim BVB ausgeprägt?

Ein Attribut, das Marco Rose besonders wichtig ist, lautet Konstanz. Nur gut sein – das reiche nicht aus. „Man muss das Gutsein auch jedes Wochenende auf dem Platz mit Leben füllen. Wenn wir das schaffen und richtig auf Ereignisse und Ergebnisse reagieren, haben wir die Möglichkeit, ganz vorne mit dabei zu sein“, sagt er.

Insofern kann man die überraschende Pleite im Breisgau auch positiv sehen. Der BVB bekommt in einer sehr frühen Phase der Saison bereits die Möglichkeit, für sich festzustellen, wie gut Frustrationstoleranz und Resilienz – also die Fähigkeit, angemessen auf Stress und Krisen zu reagieren – ausgeprägt sind. Es dürften wertvolle Erkenntnisse sein für die nach der Länderspielpause mit Bundesliga und Champions League richtig an Fahrt aufnehmende Saison.

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