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Ex-Borusse Pascal Stenzel drückt dem BVB die Daumen im Rennen um die Meisterschaft

mlzSC Freiburg

Nur einen Einsatz als Profi verzeichnete Pascal Stenzel in seiner Zeit beim BVB. Die Karriere des 23-Jährigen bekam trotzdem in Dortmund die entscheidende Wendung. Jetzt will der Freiburger mit der U21 Europameister werden.

Dortmund

, 21.04.2019 / Lesedauer: 6 min

Wann haben Sie zuletzt auf dem kleinen Bolzplatz vor der Haustür in Bruchmühlen gekickt?
Puh, da kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht mehr dran erinnern. Es ist ein paar Jahre her. Die Heimat in Ostwestfalen ist ja aus Freiburg weit entfernt. Und wenn ich dort bin, dann stehen eher Familienfeiern an.

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Sie sind im März 23 Jahre alt geworden, sind seit Jahren Bundesliga-Spieler und stehen mit der U21 vor der Europameisterschaft. Zufrieden mit dem, was aus dem kleinen Bolzplatz-Kicker heute geworden ist?

Zufrieden? Das ist ein schwieriger Begriff. Das klingt dann so, als ob alles so bleiben sollte, wie es ist und ich das Maximale erreicht hätte. Ich freue mich, dass ich bei der U21 dabei sein darf. Und ich hoffe stark, dass ich bei der EM im Juni mithelfen kann, unsere Ziele zu erreichen. Aber Sie haben auch Recht: Vor zehn Jahren hätte ich mir nicht ausgemalt, vor dieser Situation zu stehen. Es macht mich stolz. Aber zufrieden will ich noch nicht sein.



Ist es immer noch etwas Besonderes, für Deutschland zu spielen? Die Hymne zu hören?

Ja, immer wieder. Das wird auch nie langweilig. Es liegen ja auch immer Monate zwischen den Spielen.



Gegen Frankreich gab es ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk: Sie durften nochmal auf der alten angestammten Position im defensiven Mittelfeld ran.

Ich freue mich ehrlich gesagt immer noch, wenn ich mal auf der Sechs ran darf. Ich habe die ganze Junioren-Zeit dort gespielt. Im Zentrum hat man mehr Möglichkeiten, das Spiel mitzugestalten. Ich habe gerne den Ball, und dann freut es mich immer, wenn ich im Zentrum spielen darf.

Ex-Borusse Pascal Stenzel drückt dem BVB die Daumen im Rennen um die Meisterschaft

Pascal Stenzel hat mit der DFB-U21 große Ziele. © imago

War es denn rückblickend ein guter Griff Ihres damaligen BVB-Trainers Thomas Tuchel, Sie nach rechts zu schieben?

Definitiv. Sonst wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin. Wer weiß, wie mein Weg sonst verlaufen wäre. Um Profi zu werden, war es gut so. Ich bereue das in keinster Weise.



Viele Spieler landen irgendwann auf der Außenverteidiger-Position, die früher im Mittelfeld oder sogar im Sturm gespielt haben. Was macht diese Aufgabe dort so besonders?

In der Zwischenzeit ist der Rechtsverteidiger sehr flexibel geworden. Allein durch die Umstellungen mit Vierer- oder Fünferkette. Das ist anspruchsvoll. Und du musst offensiv und defensiv in allen Situationen mitspielen und hast viele Wege zu gehen.



Deutschland sucht händeringend gute Außenverteidiger, seit Jahren. Eine Steilvorlage, oder?

Das vielleicht nicht. Mit Vorbehalt würde ich vielleicht sagen, dass es dort einfacher ist, auf sich aufmerksam zu machen als auf anderen Positionen. Auf den ersten Blick erscheint die Position vielleicht weniger interessant: Die Kinder schwärmen für Stürmer, Mittelfeldspieler, vielleicht noch Innenverteidiger. Die Namen von Rechtsverteidigern haben da wenige auf dem Trikot stehen.



Ihnen hat es den Weg geöffnet: Rund 60 Bundesliga-Spiele, da sind Sie im Kreis der U21 schon fast ein alter Hase. Sie sind nach der vergangenen EM eingestiegen - was ist Ihre Rolle?

Bei uns gibt es keine Alten und keine Jungen und keine strikte Rangordnung. Jeder redet mit jedem, alle begegnen sich auf einem Niveau. Da nimmt sich niemand mehr heraus. Das macht es übrigens sehr angenehm.

„Mit dem EM-Titel 2017 und der guten Quali bekommt die U21 mehr Aufmerksamkeit, und das hat sie sich auch verdient.“
Pascal Stenzel

Wie nehmen Sie die Stimmung wahr? Klopft das Herz, wenn die Berufung zur U21 kommt, oder ist das manchmal auch eine Pflichtaufgabe, weil sich keiner traut, abzusagen?

Es ist bei mir nicht so, dass ich Herzklopfen bekomme, weil ich auch einfach nicht der Typ dafür bin. Aber es ist keine Pflichtaufgabe, sondern etwas Besonderes. Hier werden die Besten aus unseren Jahrgängen eingeladen. Hier dabei zu sein, ist eine große Ehre. Es macht auch großen Spaß, alle sind super motiviert. Das haben wir in der Qualifikation und den anderen Spielen auch gezeigt. Klar, bei uns kommen weniger Zuschauer als zur A-Nationalmannschaft. Aber mit dem EM-Titel 2017 und der guten Quali bekommt die U21 mehr Aufmerksamkeit, und das hat sie sich auch verdient.



Was haben die älteren Kollegen von der EM 2017 erzählt?

Das klingt immer mal wieder durch, wenn jemand erzählt, wie es vor zwei Jahren war. Auch beim SC Freiburg hatte ich in Marc-Oliver Kempf, Maximilian Philipp und Janik Haberer Mitspieler, die damals dabei waren und davon erzählt haben. Dieser Titel ist noch sehr präsent, und daran werden wir auch gemessen. Das ist eine Aufgabe, an der wir wachsen können und müssen. Es ist auch ein Ansporn, daran gemessen zu werden und Ähnliches zu erreichen.



Wenn Sie mal kurz träumen dürfen …

… dann endet es so wie vor zwei Jahren. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Mit Testspielen in der U21 und der direkten Vorbereitung, dazwischen stehen noch viele wichtige Bundesliga-Spiele an. Zur richtigen Zeit werden wir uns auf die EM fokussieren.


Ist es angenehmer, bei der U21 zu sein, als mit dem halben Kader in Freiburg zu trainieren?

Ich empfinde es positiv. Nicht, weil ich es in Freiburg nicht schön fände. Hier bekomme ich nochmal andere Eindrücke, andere Rückmeldungen und Anregungen von den Trainern. U21-Trainer Stefan Kuntz verlangt nochmal andere Dinge von mir, sieht anders auf mein Spiel, das System ist vielleicht etwas anders. Das hilft insgesamt in der Entwicklung. Ich lerne Neues.



Stefan Kuntz wirkt von außen immer hoch motiviert und begeistert.

Das erlebe ich genauso. Er findet immer einen guten Weg zwischen Lockerheit und Ernsthaftigkeit. Aus seinen Ansprachen kann man viel mitnehmen. Er hat selber auf hohem Niveau Fußball gespielt und kann sich gut in uns hineinversetzen. Das macht den Umgang für ihn und für uns sehr einfach.


Sie haben auch in Freiburg einen spannenden Trainer.

Das stimmt.

Ex-Borusse Pascal Stenzel drückt dem BVB die Daumen im Rennen um die Meisterschaft

Pascal Stanzel über Christian Streich: „Er ist sehr emotional, das zeichnet ihn aus und den Verein auch. Er hat nie seine Wurzeln vergessen oder seine Bodenständigkeit verloren. Er ist einfach sehr authentisch in allem, was er tut. “ © imago

Es gibt kaum ein Gespräch über den Sportclub ohne über Christian Streich zu sprechen. Der hat auch Feuer.

Das auf jeden Fall! Er ist sehr emotional, das zeichnet ihn aus und den Verein auch. Er hat nie seine Wurzeln vergessen oder seine Bodenständigkeit verloren. Er ist einfach sehr authentisch in allem, was er tut. Im Training kocht es auch manchmal aus ihm heraus. Wenn man weiß, wie man damit umzugehen hat, dass es nie persönlich gemeint ist, dann kann man sehr viel lernen. Das tue ich nach wie vor.



Herr Streich sagt, dass er seine Spieler nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich weiterentwickeln will. Spüren Sie das?

Ja. Er spricht viele Themen an, die über den Fußball hinausgehen. Wenn ich in ruhigen Minuten darüber nachdenke, was er gesagt hat und was meine Meinung dazu ist, dann ist das sehr wertvoll.



Sie sind selber nicht auf den Kopf gefallen und haben eine gute Kinderstube genossen. Geben Sie manchmal Kontra?

Nein, das nicht. Alles, was er sagt, in Interviews, Pressekonferenzen, vor der Mannschaft, das findet immer Gehör. Ich kann ihm sehr oft zustimmen. Ich würde ihm sonst aber auch nicht Kontra geben, jeder darf seine Meinung haben.


Ist es manchmal enttäuschend, dass die gute Arbeit, die in Freiburg geleistet wird, noch zu wenig Wertschätzung erfährt? Es ist ja nicht selbstverständlich, dass der SC Jahr für Jahr die Klasse hält.

In meinem Umfeld erfährt der Verein eine sehr hohe Wertschätzung! Freiburg fliegt zwar manchmal etwas unter dem Radar, das stimmt. Aber wer Freiburg hört, der sagt, die machen gute Arbeit, das ist ein sympathischer Verein. Wir spielen immer erstmal gegen den Abstieg und würden uns in keiner Saison andere Ziele stecken. Ich würde es so formulieren: Es wird nicht oft über Freiburg geredet, aber wenn, dann fällt das meist positiv aus. Das macht die Arbeit ruhig und angenehm. Wir müssen aus kleinen Mitteln viel machen, oft mit jungen Spielern arbeiten, die wenig Erfahrung mitbringen. Mir macht es viel Spaß dort. Das macht es auch einfach.


Inwiefern?

Alle im Verein bringen sich komplett ein. Egal in welcher Abteilung und auf welcher Ebene. Das macht es eben leicht, mir auch selbst alles abzuverlangen.

Ex-Borusse Pascal Stenzel drückt dem BVB die Daumen im Rennen um die Meisterschaft

17 Einsätze stehen für Pascal Stenzel in dieser Bundesliga-Saison bislang in der Statistik. © imago

Ist es dann bitter, wenn immer wieder gute Jungs gehen?

Ja, menschlich und fußballerisch. Es ist natürlich bitter, wenn Spieler wechseln, mit denen man täglich zusammengearbeitet hat und mit denen ich mich gut verstanden habe. Andererseits ist der SC Freiburg für viele auch ein Sprungbrett. Das wissen wir. Dann kommen hoffentlich neue gute Spieler nach.


Was wäre überraschender: Der BVB wird Deutscher Meister oder der SC Freiburg bleibt Erstligist?

Stand jetzt würde ich sagen, dass es überraschender wäre, wenn der BVB Deutscher Meister wird. Zwischen Dortmund und Bayern München ist es sehr eng, wir haben zum Glück etwas Abstand nach ganz unten. Trotzdem glaube ich, dass wir mehr arbeiten müssen als der BVB, um unsere Ziele zu erreichen. Wir haben uns etwas Polster erarbeitet und sind froh darüber, aber ein paar Punkte müssen wir noch holen. Bloß nicht nachlassen!



Fiebern Sie noch mit dem BVB mit?

Es ist jetzt schon dreieinhalb Jahre her, dass ich dort gespielt habe. Ich behalte den Verein immer im Blick, aber mitfiebern wäre das falsche Wort. Es sind ja auch nicht mehr so viele Spieler dort, mit denen ich zusammengespielt habe. Ich würde es den Dortmundern gönnen, dass sie dieses Jahr den Titel holen. Ich sitze aber nicht im schwarzgelben Trikot vor dem Fernseher.

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