Ex-BVB-Spieler Konate: Liga-Abbruch, Debüt geplatzt, Sorge um Familie

mlzBorussia Dortmund

Den BVB verließ Mory Konate im Sommer Richtung Belgien. Der Durchbruch gelang mit Verspätung - doch das Coronavirus veränderte alles. Jetzt sorgt er sich um seine Familie in Guinea.

Dortmund

, 16.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Saison 2019/20 begann für Mory Konate mit einem echten Highlight. Mit der U23 von Borussia Dortmund bestritt der Defensivspieler Ende Juli das Eröffnungsspiel der Regionalliga-Saison vor 15.000 Zuschauern an der Essener Hafenstraße (1:2). Es sollte eines der letzten Spiele des 26-Jährigen im BVB-Trikot werden.

Konate erlebt nach BVB-Abschied turbulente Monate

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Der belgische Erstligist VV St. Truiden hatte schon längere Zeit ein Auge auf ihn geworfen. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, zu allem Überfluss zog sich Konate Mitte August eine Schulterverletzung zu - doch kurz vor Ende der Transferperiode war der Deal dann doch perfekt.

Was sich auf den ersten Blick nach einer Geschichte mit schnellem Happy End anhört, wurde dann erst richtig kompliziert: neue Liga, Trainerwechsel, Coronavirus, Saisonabbruch - Konate hat in seinen ersten Monaten in Belgien viel erlebt. Und doch verblassen die sportlichen Probleme im Vergleich zum Ausnahmezustand, der seit einigen Wochen weltweit durch die Virus-Pandemie hervorgerufen wird.

Belgischer Verband zieht den Zorn der UEFA auf sich

Konate hält sich derzeit in einem vom Verein zur Verfügung gestellten Appartement auf, auch einige seiner Teamkollegen leben in dieser Wohnanlage. „Mir geht es gut“, sagt Konate im Gespräch mit dieser Redaktion. Die aktuelle Situation sei mit der in Deutschland vergleichbar. „Ich gehe vormittags und nachmittags jeweils eine Stunde laufen. Die übrige Zeit verbringe ich zu Hause. Mannschaftstraining ist derzeit nicht möglich.“

„Wenn man im Fernsehen sieht, wie schlimm die Situation in einigen Ländern ist, dann tut einem das sehr leid.“
Mory Konate

Der belgische Verband ist bereits Anfang April nach vorne geprescht und hat die Saison kurzerhand abgebrochen. Der UEFA stieß das sauer auf, mittlerweile befindet man sich in Gesprächen über die Konsequenzen dieser Entscheidung. „Das hat mich sehr überrascht“, sagt Konate. Es habe zuvor viele Spekulationen gegeben. „Das tat natürlich weg, aber man kann es nachvollziehen. Wenn man im Fernsehen sieht, wie schlimm die Situation in einigen Ländern ist, dann tut einem das sehr leid.“

Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs stand in Belgien noch ein regulärer Spieltag an, anschließend wären die Playoffs gestartet. „Wir hätten noch einen kleine Chance auf den Europapokal gehabt, aber das ist jetzt nicht wichtig“, meint Konate - und blickt auf seine ersten sportlichen Monate in Sint-Truiden zurück: „In den ersten Wochen war es sehr schwer - auch aufgrund meiner Verletzung. Vom Tempo her war es eine große Umstellung.“

Konate trifft bei seiner Permiere für den neuen Klub

Erst Anfang Februar, nachdem der Verein Trainer Marc Brys beurlaubt und Milos Kostic als Nachfolger präsentiert hatte, gab Konate sein Debüt - und erzielte beim 5:2 gegen Eupen direkt einen Treffer. „Ich musste lange auf meine Chance warten. Zwischendurch habe ich schon etwas gehadert, aber so ist Fußball. Man muss immer fokussiert bleiben.“

Dann schlug das Coronavirus zu - und verhinderte vorerst Konates ersten Einsatz für sein Heimatland Guinea in der Afrika-Cup-Qualifikation. „Das ist einfach das höchste Level und eine Ehre, dieses Trikot zu tragen. Ein unglaubliches Gefühl.“ Prominentester Spieler der Mannschaft ist Liverpools Naby Keita. „Da kann man sehr viel lernen“, sagt Konate. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Coronavirus: Situation in Guinea ist derzeit unter Kontrolle

Der Kontakt zu seiner Familie in Afrika ist in diesen Tagen noch enger als ohnehin schon. „Es gibt einige Erkrankte (363 am 14. April, Anm. d. Red.), aber die Situation ist derzeit unter Kontrolle. Ich gebe viele Tipps, wie man sich schützen kann.“ Klar ist aber: Würde sich das Virus in Afrika in ähnlich starker Weise verbreiten wie in Europa, China und den USA, „würde es schwierig“. Es ist ungewiss, ob Konate bis zum anvisierten Trainingsstart Mitte Juni noch einmal nach Hause fliegen kann.

Konates Vertrag bei VV St. Truiden läuft noch bis 2021. „Ich fühle mich hier wohl, aber man weiß ja nie, wie es weitergeht.“ Weniger turbulent als in den vergangenen sechs Monate sollte es aber schon sein.

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