Ex-BVB-Trainer Siewert: Lob für Guerreiro - WhatsApp mit Isak

mlzBorussia Dortmund

Hinter Jan Siewert liegen turbulente Monate. Nach der „intensiven und sehr lehrreichen Erfahrung“ in Huddersfield stellt sich der Ex-BVB-Coach neu auf. Ein Gespräch über Corona, Guerreiro und Isak.

Dortmund

, 17.06.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Telefonverbindung zwischen der nordenglischen Grafschaft Yorkshire und dem Ruhrgebiet ist etwas brüchig, mehrfach wird das Gespräch mit Jan Siewert unterbrochen - der ehemalige U23-Trainer von Borussia Dortmund lässt sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen. Das passt ins Bild - denn der 37-Jährige will nach turbulenten Monaten Kraft tanken für neue Herausforderungen.

Rückblick: Ende Januar 2019 ging es plötzlich ganz schnell. Siewert bereitete die Zweitvertretung des BVB gerade auf die Rückrunde in der Regionalliga West vor, als ihm das Angebot vom Premier-League-Klub Huddersfield Town auf den Schreibtisch flatterte. Der damalige Tabellenletzte (elf Punkte aus 22 Spielen) hatte wenige Tage zuvor die Zusammenarbeit mit dem heutigen Schalke-Trainer David Wagner beendet, der den Klub im Sommer 2017 noch sensationell in die englische Beletage geführt hatte.

Nach nur sechs Monaten ist Jan Siewert seinen Job wieder los

„Das ging damals wirklich sehr schnell, die Entscheidung musste innerhalb eines Tages fallen“, sagt Siewert im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. „Es war eine intensive und sehr lehrreiche Erfahrung.“ Die Hypothek der ersten Saisonphase erwies sich als zu groß. Schnell war klar, dass Huddersfield den Abstieg in die Football League Championship nicht abwenden konnte. „Ich habe schnell gemerkt, dass wir für den Klassenerhalt ein Wunder gebraucht hätten.“ Als dann auch der Neustart in der zweiten Liga misslang, war Siewert seinen Job nach nur sechs Monaten wieder los.

Mittlerweile geht der Blick wieder nach vorne. Siewert, der mit seiner Familie zwischen Leeds und Huddersfield lebt, will das Geschehene erstmal sacken lassen: „Ich habe realisiert, was in den vergangenen Jahren alles passiert ist.“ Die Coronavirus-Pandemie habe ihren Teil dazu beigetragen. „Es gibt Dinge, die wichtiger als Fußball sind. Die Familie kannte mich zuletzt nur noch aus dem Fernsehen, daher hat mein kleiner Sohn die vergangenen Monate sehr genossen.“

Jan Siewert blickt mit Stolz auf seine BVB-Zeit zurück

Zuletzt hat sich Siewert über die Trainer-Gewerkschaft „League Managers Association“ weitergebildet - unter anderem bei David Moyes (früher Manchester United, jetzt West Ham United). „Ich habe mich neu aufgestellt und klare Vorstellungen für die Zukunft. Ich lasse das auf mich zukommen.“

Jan Siewert (l.) im Gespräch mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp.

Jan Siewert (l.) im Gespräch mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp. © imago images / Sportimage

Auf seine Zeit bei Borussia Dortmund blickt Siewert mit Stolz zurück. „Es war eine tolle Zeit beim BVB, ein sehr schönes Arbeiten. Ich habe viele Freunde in Dortmund, mit denen ich immer noch in engem Kontakt stehe.“ Daher blickt Siewert in diesen Tagen auch mit großen Interesse auf die Bundesliga. „Das Konzept der Deutschen Fußball Liga ist top.“

Sein Wunsch, dass auch in der Premier League bald wieder der Ball rollen möge, wurde mittlerweile erhört. „Die Engländer atmen Fußball“, sagt Siewert - und doch stehe die Gesundheit natürlich an erster Stelle. Großbritannien hatte in den zurückliegenden Woche sehr unter der Coronavirus-Pandemie zu leiden. „Das Gesundheitssystem war überfordert, es gab sehr wenige Intensivbetten und viele Tote.“ Mittlerweile hat sich die Situation zum Glück stabilisiert.

Jan Siewert über Raphael Guerreiro: „Ein fantastischer Spieler“

Besonders erfreut zeigt sich Siewert über die starken Leistungen von Borussia Dortmunds Allrounder Raphael Guerreiro, der zuletzt sogar als Torjäger in Erscheinung trat. „Rapha“, sagt Siewert, „ist ein fantastischer Spieler. Es freut mich sehr, wie er jetzt auftrumpft.“ Hintergrund: Ende Juli 2018 - die BVB-Profis befanden sich gerade auf USA-Tour - trainierten Guerreiro und Thomas Delaney nach Ablauf ihres WM-Urlaubs einige Tage bei der U23 mit. Man lernte sich kennen und schätzen.

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Und noch ein anderer Ex-Borusse erinnert sich gerne an die Zusammenarbeit mit Jan Siewert zurück. „Alexander Isak hat sich per WhatsApp bei mir gemeldet und sich bedankt“, sagt er. Das habe ihn durchaus überrascht. „Alex hat eine schwierige Zeit in Dortmund gehabt.“ Bei Real Sociedad sieht das ganz anders aus: In 34 Pflichtspielen erzielte der 20-jährige Schwede 14 Treffer und spielte sich durch seine starken Leistungen sogar in den Fokus des FC Barcelona. Auch Jan Siewert weiß, wie schnell es im Fußball gehen kann - in beide Richtungen.

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