Fatales Signal von Lucien Favre! Die Luft für den BVB-Trainer wird dünner

mlzBorussia Dortmund

Beim BVB klingeln nach dem 0:2 in Mailand wieder die Alarmglocken. Die schwache Leistung wird schön geredet, vor dem Derby ist die Furcht vor einem nachhaltigen Rückschlag allgegenwärtig.

Mailand

, 24.10.2019, 14:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manchmal ist auch ein Schweigen vielsagend. Sebastian Kehl steckte sichtlich in der Klemme, als er nach dem schwachen Auftritt der Borussia in Mailand erklären sollte, ob er die Partie genau so gesehen habe wie der Trainer. Lucien Favre hatte von einem „guten Spiel“ seiner Mannschaft gesprochen, „das war in Ordnung“. Kehl runzelte für einen kurzen Moment die Stirn, sagte aber lieber nichts. Nächste Frage, bitte.

BVB-Analyse läuft auf zwei Ebenen ab

Die Interpretation der Dortmunder Leistung in Mailand lief auf zwei Ebenen ab. Zum einen auf der Wortebene, und da gab es nicht nur den erstmals als Kapitän spielenden Mats Hummels, der erklärte: „Dass sie mit ihrer einzigen Gelegenheit in Führung gehen, als bei uns das Abseits nicht funktioniert, war sehr ärgerlich. Ansonsten hätte man bei uns bis zur 70. Minute von einer sehr reifen Leistung sprechen können.“

„Hört sich doof an, aber ich finde, wir müssen es nicht verlieren.“
Michael Zorc

Die Niederlage sei unnötig gewesen, fanden auch Sportdirektor Michael Zorc und Kehl als Lizenzspieler-Chef im Einklang. „Hört sich doof an, aber ich finde, wir müssen es nicht verlieren“, meinte Zorc, der immerhin aber zugab, dass die Durchschlagskraft gefehlt habe. „Inter war effektiver, uns hat bis auf wenige Szenen die Torgefahr gefehlt.“

Zorc und Kehl verfolgten nach einer noch deutlich schlechteren Leistung ihrer Mannschaft einen anderen Weg als am Tag zuvor Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, der nach dem 3:2-Sieg gegen Piräus seine Mannschaft bei der obligatorischen Bankett-Rede in den Senkel gestellt hatte, weil er dem fortschreitenden Hang zu Selbstzufriedenheit Einhalt gebieten wollte.

BVB-Verantwortliche bauen einen Schutzpanzer auf

Es war der Versuch der Dortmunder Führungscrew, keine 72 Stunden vor dem für viele Fans wichtigsten Spiel der Saison einen Schutzpanzer um eine Mannschaft zu legen, die den Beweis ihrer Klasse einmal mehr schuldig geblieben war.

Fatales Signal von Lucien Favre! Die Luft für den BVB-Trainer wird dünner

Die Stimmung ist angespannt bei Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (r.) und Sportdirektor Michael Zorc. © Kirchner/Christopher Neundorf

Doch Zorcs Mimik sagte etwas anderes aus als die Worte, die er sprach. Da war großer Frust erkennbar über einen lange leblosen Auftritt, über eine Mannschaft, deren Fußball harmlos ist und immer ausrechenbarer wird. Ausschließlich spielerische Lösungen zu suchen, war das falsche Mittel gegen einen Gegner, den Abwehr-Kolossen der Gastgeber rangen die zaghaften Dortmunder Angriffsversuche nur ein müdes Lächeln ab. Rezepte gegen das körperbetonte Spiel der Gastgeber fand der BVB erst in der Schlussphase, der Strafraum blieb bis auf wenige Ausnahmen eine Tabu-Zone. Dortmund spielte „Bübchenfußball“, wie die FAZ bissig kommentierte, und die Laufleistung war mit nur 108 Kilometern, sechs weniger als die Gastgeber, erschreckend.

Zorc dementiert Mourinho-Gerüchte vehement

Enttäuschung strahlte Zorc sowieso aus, mal wieder. Denn die zarte Pflanze der Hoffnung, die nach dem 1:0 gegen Gladbach ihre Blüten aus dem Boden gereckt hatte, hatte die Mannschaft selbst wieder platt getreten.

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Und nach den 90 Minuten in San Siro holte den BVB und seinen Sportdirektor ganz schnell die Trainerdiskussion wieder ein. Zorc hatte vor dem Anpfiff einen Boulevard-Bericht über ein Dortmunder Interesse an Jose Mourinho mit deutlichen Worten dementiert und sich hinter Favre gestellt. „Wir führen keine Trainerdiskussion, wir sind froh, Lucien Favre zu haben.“

Stimmung im BVB-Umfeld wird immer zerrissener

Doch die Stimmung im Umfeld wird immer zerrissener, sie stürzt dem Nullpunkt entgegen und steht damit auch im krassen Widerspruch zur sportlich eigentlich ordentlichen Ausgangslage. Noch ist die Borussia in allen Wettbewerben im Soll, das Gefühl aber ist ein deutlich anderes.

Der Schweizer Trainer des BVB stand durch seine irritierende Interpretation des Spiels ziemlich im Regen, der den BVB dann am Mittwoch auf dem Rückweg von Mailand begleitete. Favre hatte mit der Umstellung auf eine Dreierkette taktisch durchaus richtig und mutig reagiert auf die Stärken des Inter-Sturmduos Lukaku/Martinez. Er musste sich dann ziemlich alleingelassen fühlen nicht nur von Nico Schulz, dessen Schlafmützigkeit bei der missratenen Abseitsfalle zum vorentscheidenden Gegentor führte.

BVB-Trainer Favre sendet ein fatales Signal

Einmal mehr aber zauderte Favre, nachdem der Treffer von Martinez (23.) die Situation grundlegend verändert hatte. Dass er den völlig indisponierten Brandt nicht schon zur Pause auswechselte, das verstand niemand. Auf die sich durchziehende Harmlosigkeit im Angriff reagierte er mit seinen Wechseln wieder einmal sehr spät.

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Champions League, 3. Spieltag: Inter Mailand - BVB 2:0 (1:0)

Die Bilder der Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Borussia Dortmund.
23.10.2019
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Bilder der Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Borussia Dortmund.© dpa
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Bilder der Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Borussia Dortmund.© Guido Kirchner
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Bilder der Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Borussia Dortmund.© Guido Kirchner
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Favres beschönigende Analyse einer durch die Bank unzureichenden Leistung sendete zudem ein fatales Signal. Wie sollen diese Spieler am Samstag, wenn Schalke mit einer ähnlich aggressiven Grundhaltung zu Werke gehen wird, den Schalter umlegen, wenn ihnen suggeriert wird, sie hätten (fast) alles richtig gemacht. Die Luft wird dünner für den 61-Jährigen, trotz aller Treuebekundungen. Das Derby könnte schon zum Schicksalsspiel werden.

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