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Der BVB erlebt an einem denkwürdigen Abend in München einen kompletten Systemabsturz. Lucien Favre greift voll daneben, die Tabellenführung ist futsch. Eine Vorentscheidung im Titelrennen ist aber nicht gefallen. Dirk Krampe kommentiert.

München

, 06.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Thomas Tuchel hat als BVB-Trainer in München mal mit einer merkwürdigen Aufstellung überrascht, als er Lukasz Piszczek als Linksverteidiger aufbot und den Griechen Sokratis auf Piszczeks Stammposition rechts. Dieser Wechsel und die vielen weiteren in diesem Spiel, auch taktischer Natur, führten damals zu einer Überforderung seiner Mannschaft und einem bitteren 1:5.

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Vor dreieinhalb Jahren war das, aber die Parallelen zu Samstagabend sind frappierend. Borussia Dortmund war damals ähnlich chancenlos - und ein ähnliches Bild gab es auch zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, als es ebenfalls am 28. Spieltag sogar ein 0:6 gab. München liegt dem BVB nicht mehr, es gibt dort schon seit vier Jahren nicht mehr viel zu holen für die Borussia. 1:5, 1:4, 0:6 und jetzt 0:5, das liest sich nicht nur schlimm, das fühlte sich jedes Mal aufs Neue auch schlimm an.

Ein folgenschwerer Irrtum

Wie Tuchel griff am Samstag auch Lucien Favre mit der Wahl der Taktik und des Personals voll daneben. Er brachte Piszczek nach über zweimonatiger Pause, immerhin nicht links. Aber auch auf seiner Stammposition war er gegen Kingsley Coman hoffnungslos überfordert. Physisch wie psychisch. Auch Mahmoud Dahoud zu bringen, dem Favre in der Rückrunde bisher kaum vertraut hatte und der folglich wie Piszczek ohne jeden Rhythmus war, war ein folgenschwerer Irrtum des Schweizers.

Auf 4-3-3 umzustellen, mutierte schließlich zum kompletten Rohrkrepierer. Marco Reus war nur einer der Leidtragenden, er hing vorne komplett in der Luft und nahm an der Partie quasi gar nicht teil. Was er von der Entscheidung seines Trainers hielt, das war unschwer herauszuhören, als er sich später den Fragen stellte. Auch wenn er es wörtlich nicht aussprach.

Zerknirscht und nachdenklich

Favre übernahm nach der Partie die Verantwortung, er wirkte zerknirscht und auch nachdenklich. Aber er wird sich intern der Frage stellen müssen, warum er ausgerechnet in diesem Spiel so massiv in System und Aufstellung eingriff, anstatt auf eingespielte Mechanismen zu setzen und den Spielern zu vertrauen, die fit und im Rhythmus sind. Freilich war das nur ein Mosaiksteinchen an einem insgesamt völlig verkorksten Abend, an dem durch die Bank alle enttäuschten.

Welche Folgen dieses 0:5 haben wird, die Antwort auf diese Frage wird man erst am kommenden Samstag bekommen, wenn es gegen Mainz darum gehen wird, diesen peinlichen Auftritt schnell aus den Trikots zu schütteln. Sechs Spiele vor Ende der Serie mutete dieses Spiel wie eine Vorentscheidung im Titelkampf an - und die Herangehensweise in München gibt zunächst einmal allerhand Grund zu Besorgnis. Da fehlte die Schärfe, da fehlte die Körpersprache, da fehlte eigentlich alles, was es braucht, um auch ein normales Liga-Spiel zu gewinnen. Geschweige denn das beim wohl bestbesetzten Team der Bundesliga.

Die Bayern dürfen sich nicht sicher fühlen

Aber auch nach dieser Glanzleistung dürfen sich die Bayern nicht zu sicher fühlen. Für ein Spiel gegen den BVB, gegen den einzigen echten Widersacher, den die Münchner in Deutschland fürchten müssen, musste Niko Kovac die Seinen nicht besonders motivieren. Die Bayern zeigten, dass die liefern können, wenn es von ihnen verlangt wird - zumindest national. Mit dem gleichen Esprit der gleichen Entschlossenheit und Konzentration zu Werke zu gehen, wenn der Gegner dann Fortuna Düsseldorf heißt, das wird gleichwohl eine Herausforderung.

Das 5:0 gegen den BVB war ein Statement des Rekordmeisters. Eine beeindruckende Demonstration von Stärke. Die Vorentscheidung im Titelkampf aber war es noch nicht. Auf beide Teams lauern noch einige Fallstricke. Und andersherum ergeben sich daraus ja vielleicht auch einige Chancen.

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