Borussia Dortmund

Fehlende Balance! BVB wacht beim 1:1 in Frankfurt erst nach 45 Minuten auf

Borussia Dortmund schließt eine wichtige Woche ohne Sieg ab. Beim 1:1 in Frankfurt fehlt die Balance. Der BVB verpasst erneut die Chance, die Konkurrenz an der Tabellenspitze unter Druck zu setzen.
Schmerzhaft: BVB-Mittelfeldspieler Axel Witsel am Boden. © imago / Jan Huebner

Mateu Morey hielt den Ball an der Seitenlinie in den Händen und suchte. Er schaute nach vorne, er schaute nach hinten und auch ins Zentrum. Und nochmal von vorne. Es dauerte fast strafbar lange, bis er seinen Einwurf ausführen konnte. Dortmunder Mitspieler, die den Ball forderten? Kaum vorhanden. Und damit wäre schon beinahe genug erzählt über den BVB-Auftritt bei der Frankfurter Eintracht in der ersten Spielhälfte. In einer Partie auf sehr überschaubarem Niveau stoppten die Gastgeber den BVB mit den verfügbaren Mitteln: Frankfurt agierte entschlossener, schlüssiger, mit dem durchdachteren oder besser umgesetzten Plan.

Brandt spielt beim BVB nicht falsche Neun, sondern falschen Fußball

Das 1:0 zur Pause war folgerichtig, es fiel bereits nach neun Minuten. Julian Brandt übte an der Mittellinie keinen Druck auf Passgeber Martin Hinteregger aus, Emre Can hob das Abseits auf und machte den Raum bespielbar, in den Daichi Kamada startete. Der Spielmacher hatte wenig Mühe, freistehend vor BVB-Torhüter Roman Bürki zu vollenden (9.). Weitere Chancen durch Filip Kostic (4.), Erik Durm (6.) oder Aymen Barkok (33.) ließ die Eintracht noch ungenutzt. Dortmunds auf sieben Positionen umformierte Mannschaft mit Kapitän Mats Hummels und Emre Can, die sich kurzfristig einsatzbereit gemeldet hatten, sowie Comebacker Dan-Axel Zagadou geriet viel zu oft in Not.

Dabei hätte Frankfurts Spielweise – aggressiv, weit vorne mit Pressing auf Balleroberungen setzend – die Dortmunder nicht überraschen dürfen. Doch Gegenmittel, Lösungen fanden die Borussen erschreckend wenige. In der Offensive, wo sich Trainer Lucien Favre für Giovanni Reyna, Jadon Sancho und Julian Brandt und damit zunächst gegen Toptalent Youssoufa Moukoko entschieden hatte, konnten sich allenfalls Reyna und Sancho in Szene setzen, der bei den einzigen Tormöglichkeiten einmal links drüber (20.) und einmal rechts vorbei zielte (26.). Brandt spielte nicht falsche Neun, sondern falschen Fußball, konnte sich kaum durchsetzen und war – mit langen Bällen, die aus Verlegenheit aus der Defensive nach vorne geschlagen wurden – kaum anspielbar.

Ein buntes Potpourri an BVB-Mängeln in den ersten 45 Minuten

Borussias Auftritt lieferte ein buntes Potpourri an Mängeln: Zu wenig Ballsicherheit, zu wenig Durchsetzungsvermögen, zu wenig Widerstand. Immerhin reagierte Favre bereits zur Pause, brachte als Sturmspitze Moukoko für den blassen und zweikampfschwachen Mahmoud Dahoud, dessen Job im Zentrum Brandt übernahm. Außerdem verkürzten die Dortmunder die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen auf Sicht- und Passweite, ein probater Ansatz gegen passiver werdende Frankfurter mit direkter Wirkung. Ab Wiederanpfiff drückten die Dortmunder auf den Ausgleich und mussten nicht lange warten: Sancho fand am Strafraum Reyna, der Hinteregger umkurvte und den Ball mit Wumms neben den linken Pfosten ins Tor drosch (56.).

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Bundesliga, 10. Spieltag: Eintracht Frankfurt – BVB 1:1 (1:0)

Vor allem über die Flügel mit Mateu Morey und Sancho schob der BVB immer wieder an. Brandt traf nach einem feinen Spielzug nur das Außennetz (64.), Moukoko testete aus 18 Metern einfach mal die Wachsamkeit von SGE-Torhüter Kevin Trapp (68.), Sanchos Freistoß zischte einen Meter am Gehäuse vorbei (73.). Die Mannschaft in Gelb und Schwarz erarbeitete und erspielte sich ein klares optisches Übergewicht, lag bei Zweikämpfen, Pässen und Ballbesitz vorne. Frankfurt kam kaum noch vor das Dortmunder Tor. Aber die Beine wurden schwerer, die angeschlagenen Spieler schleppten sich über den Rasen, die Uhr tickte.

BVB ist weiterhin auf der Suche nach Form und Sicherheit

Und die Zeit lief ab ohne den erlösenden zweiten Treffer. Die Dortmunder spielten zum ersten Mal nach 27 Partien (19 Siege, acht Niederlagen) wieder Unentschieden, bleiben aber zum dritten Mal hintereinander ohne Sieg, verlieren durch das Remis in Frankfurt – trotz des 3:3 im Topspiel zwischen München und Leipzig – an Boden in der Bundesliga und suchen weiter ihre Form und Sicherheit aus dem Oktober und November.

Für den BVB steht am Dienstag das letzte Gruppenspiel in der Champions Leauge bei Zenit St. Petersburg auf dem Programm (Anstoß: 18.55 Uhr), danach gastiert am Samstag (15.30 Uhr) der VfB Stuttgart in Dortmund.

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