Beste Laune nach dem 5:2 gegen Frankfurt: BVB-Trainer Marco Rose (l.) und Torjäger Erling Haaland. © imago / Uwe Kraft
Meinung

Furioser BVB-Auftakt – doch die kritischen Töne gefallen Marco Rose am besten

Borussia Dortmund zelebriert die Fan-Rückkehr beim 5:2 gegen Frankfurt. Die Offensive zaubert, die BVB-Fans träumen. Doch die kritischen Töne gefallen Trainer Marco Rose am besten.

Vereinsrekord eingestellt (saisonübergreifend acht Siege in Serie), Bundesliga-Rekord eingestellt (sechster Auftaktsieg in Serie): Beim 5:2 gegen eine defensiv hoffnungslos überforderte Eintracht aus Frankfurt passte aus Dortmunder Sicht fast alles. Die Fans sind zurück, der schöne Fußball, am Ende auch unter Edin Terzic oft zu sehen, ist geblieben.

Bald mehr personelle Möglichkeiten für BVB-Trainer Marco Rose

Das macht Lust, vor allem vor dem Hintergrund, dass viele als Stammkräfte eingeplante Spieler ja immer noch gefehlt haben. Raphael Guerreiro, Thomas Meunier, Emre Can, vor allem Mats Hummels, der der Abwehr Halt geben soll und auch muss, sie alle werden auf Sicht die Möglichkeiten für den neuen Trainer Marco Rose noch vergrößern.

Rose konnte am Samstag verschmerzen, dass die Eintracht nach der Pause durchaus offenlegte, wo noch Schwachstellen bestehen in diesem Kader. Wenn kurz nach der Pause das 2:3 gefallen wäre, wer weiß, wie der BVB darauf reagiert hätte. Auch beim zweiten Gegentor zeigte sich, dass es noch Lücken gibt im Verbund, bei ein, zwei gut vorgetragenen Angriffen der Gäste musste Rose auch durchatmen, wenn Axel Witsel ins Laufduell gezwungen wurde. Die Willensleistung des Belgiers ist zu bewundern, ein Innenverteidiger aber ist er nicht, vor allem dann nicht, wenn die Gegner seine Seite so konsequent bespielen wie in den zweiten 45 Minuten am Samstag.

Der BVB brennt gegen Frankfurt ein offensives Feuerwerk ab

Das soll nicht schmälern, dass Borussia Dortmund zum Auftakt in diese Bundesliga-Saison eine Leistung ablieferte, die zu Recht Standing Ovations der begeisterten Fans bekam. Nicht nur bei den Toren brannte der BVB ein offensives Feuerwerk ab. Wer mit so viel Courage, Lust und Zielstrebigkeit den Ball in Richtung gegnerisches Tor treibt und dabei auch nicht nachlässt, wenn das Spiel längst entschieden ist, hat sich den Applaus redlich verdient.

Man dürfe, hatte Frankfurts neuer Trainer Oliver Glasner vor dem Spiel verkündet, Erling Haaland keine Räume geben. Neu war diese Erkenntnis nicht, aber die 90 Minuten zeigten, wie schwer es ist, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Nicht nur Haaland war nicht zu stoppen von der Eintracht. Unter den Augen von Hansi Flick lieferte Marco Reus zig Argumente, warum es schön wäre, wenn er seine Nationalmannschafts-Karriere fortsetzen würde. Ob es so kommt? Festlegen mochte sich der 32-Jährige darauf vor den Fernsehkameras nicht. Es wird wohl auch einiger Überzeugungskünste des neuen Bundestrainers bedürfen, um Reus das schmackhaft zu machen. Knapp zwei Wochen bleiben ihm, um diese Entscheidung reifen zu lassen.

Magisches BVB-Offensivdreieck mit Haaland, Reus und Hazard

Thorgan Hazard komplettierte das „magische Offensivdreieck“ der Borussia. Es war viel Bewegung drin in der Dortmunder Sturmreihe, dafür sorgten auch die immer wieder nachrückenden Jude Bellingham und Giovanni Reyna. Flexibilität und Kreativität kennzeichnete das Dortmunder Offensivspiel, damit hat Rose schon mal einen Baustein seiner Philosophie ziemlich zügig in diese Mannschaft implementiert.

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Wie immer am Anfang einer langen Saison gilt nach dem ersten Sieg: das Positive herausstellen, die Dinge, die es zu verbessern gilt, nicht unter den Teppich kehren, vor allem aber die gesamten 90 Minuten „richtig einordnen“, wie Rose gern zu sagen pflegt. Das tat der Trainer nach dem Spiel, auch von seinen Spielern kamen trotz der klaren Kräfteverhältnisse auch kritische Töne. Das gefiel Rose an diesem gelungenen Auftakt fast noch am besten.

Der Supercup kommt dem BVB gelegener als den Bayern

Denn es war nur der erste Schritt am Anfang einer erneut kräftezehrenden und langen Saison. Es werden Spiele kommen, in denen Dortmund diese Wucht nicht auf den Rasen bekommt, in denen die Tagesform auch mal deutlich nach unten abweicht, in denen vor allem die Gegner kompakter stehen und weniger zulassen, in denen sie mehr Gegenwehr liefern und die Sache damit deutlich erschweren.

Die große Herausforderung, quasi aus dem Stand auf Betriebstemperatur zu kommen, haben Rose und sein Team aber zunächst und durchaus bravourös gemeistert. Dienstag kommen die Bayern zum Supercup, ein Spiel, das beiden großen Rivalen eigentlich nicht in den Kram passt, dem BVB aber sicher eher als den Münchnern, bei denen einige EM-Spieler am Ende einer intensiven Partie in Gladbach doch sichtbar auf dem Zahnfleisch gingen. Im Duell mit dem BVB aber müssen beide Klubs liefern und dürfen nicht nachlassen. Es geht ums Prestige – und einen Titel, wie Rose zurecht anmerkte.

BVB-Bewährungsprobe am kommenden Samstag in Freiburg

Samstag in Freiburg wartet aber unzweifelhaft dann das deutlich wichtigere nächste Pflichtspiel – und ein ganz anderer Gegner. Achtung, Stolpergefahr: Von den vergangenen vier Auswärtsspielen im Breisgau gewann der BVB nur eins.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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