Fußball in der Coronakrise: Nahe der Abseitslinie

mlzKommentar

Die Chancen stehen gut, dass in zehn Tagen die Bundesliga wieder angepfiffen wird. Der Fußball bewegt sich aber während der Coronakrise in der öffentlichen Wahrnehmung nahe der Abseitslinie.

Dortmund

, 05.05.2020, 11:34 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Wirbel um die drei positiven Tests beim 1. FC Köln war am Wochenende Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die sich – nicht immer mit rationalen Argumenten – über eine Fortsetzung der Spielzeit empören. Jetzt sind es schon zehn infizierte Profis. Wer das Eigentor-Video von Herthas Salomon Kalou gesehen hat, glaubt beim besten Willen nicht an eine sterile Liga. Wer hofft, die Berliner Kabine bilde eine Ausnahme, muss nicht nur auf Covid-19 getestet werden.

DFL dürfte die Politik dennoch überzeugen

Mit ihren Sachargumenten dürfte die DFL dennoch die Politik überzeugen. Die bekannten positiven Fälle können als Beweis gelten, dass das aufwendige Schutzkonzept greift. Eine Bundesliga ohne Covid-19-Patienten widerspräche ja auch allen statistischen Wahrscheinlichkeiten. Und bei der vorgesehenen regelmäßigen Überprüfung wird kaum ein Betroffener unerkannt bleiben.

Die zweite Testreihe, bisher ohne weiteren Befund, scheint vorerst zu bestätigen, dass Isolation und Quarantäne allein der Betroffenen ausreichen könnte. Die Liga hat alles Erdenkliche in die Wege geleitet, damit die Bundesregierung den nächsten Anstoß Mitte Mai erlaubt. Nüchtern betrachtet spricht mehr dafür als dagegen.

Fußball erweckt Eindruck einer Sonderrolle

Den Eindruck, dank Finanzkraft und Lobbyarbeit eine Sonderrolle ergattert zu haben, wird der wirtschaftlich angeschlagene Fußball damit aber nicht los. Corona hat viele Klubs vor allem ökonomisch bloßgestellt. Die Fans registrieren das sehr sensibel. Auch den Profis werden Protz und Arroganz in Zukunft wohl weitaus weniger verziehen.

Und nach den Geisterspielen, auf die keiner so richtig Lust hat, sind eine Generalanalyse und ein Masterplan für die Zukunft des Fußballs fällig. Wenn die Demut-Ankündigungen prominenter Funktionäre mehr als Lippenbekenntnisse sind, entspringt dieser Krise sogar noch etwas Gutes.

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