Fußball-Pause als Chance: Nico Schulz fängt beim BVB von vorne an

mlzBorussia Dortmund

Hinter Nico Schulz liegt eine ernüchternde Zeit beim BVB. Es ging schnell abwärts für den Nationalspieler. Vielleicht ist die derzeitige Pause eine Chance, um noch mal neu anzufangen.

Dortmund

, 20.04.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer Nico Schulz‘ bisherigen Werdegang bei Borussia Dortmund in knappen Worten zusammenfassen möchte, der bedient sich am besten beim Nationalspieler selbst. Im vergangenen Sommer, als Schulz gerade seine ersten Eindrücke beim BVB sammelte und mit seinem neuen Klub durch die USA tourte, wählte er folgende Worte: „Ich weiß, was ich kann und warum ich geholt wurde“, sagte der Linksverteidiger damals, „ich bin gekommen, um zu spielen und um zu helfen.“

BVB-Profi Nico Schulz: „Ich bin selbstkritisch genug“

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Ein knappes halbes Jahr später, im vergangenen Dezember, als Schulz bei einem 4:0-Sieg in Mainz gerade sein erstes Tor für Borussia Dortmund erzielt hatte, wählte er dann diese Worte: „Ich war froh, dass ich mal wieder gespielt habe und meinen Teil dazu beitragen konnte, dass wir gewonnen haben. Meine Leistung hat generell nichts mit dem System zu tun. Ich habe vorher auch in diesem System schlechte Spiele gemacht. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat. Ich weiß nur, dass ich in den ersten Monaten beim BVB nicht den besten Fußball gespielt habe, den ich spielen kann. Jetzt muss ich dran bleiben. Ich bin selbstkritisch genug und will es jetzt einfach besser machen.“

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Das war eine sehr ehrliche Aussage in einer Branche, in der Schönreden mitunter zum Geschäftsmodell gehört. Doch Schulz redete nicht um den heißen Brei herum – und es gab wohl auch nicht mehr sonderlich viel schönzureden, wenn man ganz ehrlich war.

Nico Schulz war zurückgefallen beim BVB

Denn hinter Schulz lag an diesem 14. Dezember 2019 bereits ein großer Teil seiner nicht zufriedenstellenden Entwicklung beim BVB. Der 27-Jährige war vor der Saison für 25,5 Millionen Euro Ablöse aus Hoffenheim nach Dortmund gewechselt, hatte die ersten vier Pflichtspiele der Saison von Beginn an bestritten, war dann aus der Mannschaft gerutscht, hatte sich kurze Zeit später bei der Nationalmannschaft am Fuß verletzt, war einen guten Monat ausgefallen, hatte danach Probleme offenbart, seine Form zu finden, und war nach Lucien Favres Systemumstellung auf eine Dreierkette endgültig hinter Raphael Guerreiro zurückgefallen, wenn es um die Wahl des ersten Linksverteidigers ging. Dann kam das Spiel in Mainz, und es gab durchaus die Hoffnung in Dortmund, dass diese Partie vielleicht die Wende zum Guten darstellen würde für den gebürtigen Berliner.

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Der BVB wollte von Schulz‘ „Physis, Tempo und extremen Dynamik sehr profitieren“ – so hatte es Sportdirektor Michael Zorc im vergangenen Mai bei der Verkündung des Transfers gesagt. Schulz sei „ein Abwehrspieler, der in den vergangenen Jahren noch einmal einen deutlichen Leistungssprung gemacht hat“ und helfe „mit seinem Kampfgeist und seiner Erfolgsgier jeder Mannschaft“.

Nico Schulz hat Erwartungen beim BVB noch nicht erfüllt

Die Hoffnungen und Erwartungen haben sich bis heute nicht erfüllt. Schulz stand nach seinem Auftritt in Mainz noch genau dreimal für den BVB auf dem Platz: sechs Minuten gegen RB Leipzig (3:3), 90 Minuten in Hoffenheim (1:2) und 90 Minuten beim Pokal-Aus in Bremen (2:3). Der Auftritt im Weserstadion war der einzige Einsatz in diesem Jahr. Beim Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League in Paris (0:2) schaffte Schulz es nicht in den Kader. Es war das erste Mal in der Rückrunde, dass Favre Schulz nicht einmal in sein Spieltagsaufgebot berief. Seitdem ruht der Ball in Deutschland.

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Für Schulz ging es also mit einem Frusterlebnis in die Bundesliga-Unterbrechung. Doch vielleicht ist die aktuelle Pause für Schulz nun eine Chance, um sich wieder näher an die Mannschaft heranzukämpfen. „Wir müssen uns bestmöglich vorbereiten, damit wir bereit sind, wenn es irgendwann weitergeht“, sagt Favre. Es sei gut, „dass wir zumindest ein paar Sachen machen können, für die wir normalerweise keine Zeit hätten. Wir arbeiten viel im individuellen und technischen Bereich.“

Schulz kann die Corona-Pause beim BVB nutzen

Für Schulz muss sich das allemal besser anfühlen, als von Woche zu Woche nur von der Bank aus zuzusehen, wie die Mannschaftskollegen auf dem Rasen um Punkte kämpfen. Der BVB befindet sich derzeit in einer Art Saisonvorbereitung mitten in der Saison. Für Schulz ist es auch die Zeit, um sich zu erinnern, warum er geholt wurde. Und die Zeit, um sich seine Sätze aus dem vergangenen Sommer wieder ins Gedächtnis zu rufen. „Ich weiß, was ich kann. Ich bin gekommen, um zu spielen und um zu helfen.“ Jetzt wäre wirklich ein guter Zeitpunkt dafür.

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