Geisterspiele als stabile Seitenlage: Bundesliga kämpft um ihren Ruf

mlzKommentar

Unter komplett neuen Vorzeichen wagt die Bundesliga den Neustart am 16. Mai. Die Geisterspiele bringen eine stabile Seitenlage. Jetzt geht um die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche.

Dortmund

, 07.05.2020, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Endlich pumpt er also wieder, unser Fußball-Puls. Und er pumpt direkt auf Hochdruck: Dortmund gegen Schalke, das ehrwürdige Derby - mit mehr Lust und Elektrizität könnte die Zielgerade dieser Bundesliga-Saison nach einer quälend langen Wartezeit wahrlich nicht starten. Es könnte alles so schön sein, wenn da nur nicht diese extremen Begleitumstände wären.

Fans erleben am dem 16. Mai eine neue Bundesliga

Denn dieser 26. Spieltag, der am 16. Mai angepfiffen wird, er wird einen anderen Fußball bieten, als wir ihn kennen und lieben. Die leeren Ränge und die Stille in den Stadien werden dem Spektakel viel von seinem Reiz, von seiner mitreißenden Kraft nehmen. Schaffen es die Spieler, auch ohne den emotionalen Kick durch ihre Fans, ans Limit zu gehen und alles abzurufen? Können sie sich selbst antreiben? Wie vorzeigbar wird der Fußball nach nur einer echten Trainingswoche sein? Macht es überhaupt Spaß, zuzugucken?

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Fragen, die die Fans natürlich bewegen. Den Klubs des Fußball-Oberhauses dürfte die Qualität ihres Spiels derzeit jedoch völlig egal sein. Es geht für sie gerade null um Emotion oder Atmosphäre, es geht einzig und allein ums Überleben. Nur wenn gespielt wird, fließt das TV-Geld, das den Puls vieler Vereine trotz des Corona-Keulenschlags weiter schlagen lässt. Geisterspiele also quasi als stabile Seitenlage. Andere Vereine leiden deutlich mehr als Borussia Dortmund, aber auch der BVB könnte den aktuellen Lähmungszustand nicht langfristig durchhalten.

Ein Glücksfall für die deutschen Profifußball-Klubs

Dass die Saison überhaupt jetzt inmitten der Krise wieder aufgenommen wird, ist ein Glücksfall für die deutschen Profifußball-Klubs. Dass sie ein detailliertes Sicherheits- und Hygienekonzept ausgearbeitet haben und sich schon seit Wochen in einem maximal abgeschotteten System samt Coronatests bewegen, hat das Grüne Licht der politischen Entscheidungsträger für den BVB und Co. erst möglich gemacht. Das aber ist beileibe kein Freifahrtschein. Es ist nicht mehr als der erste Akt einer Bewährungsauflage, der sich die Klubs und jeder einzelne Spieler unterzuordnen haben.

Es gilt nun, den Skeptikern und Gegnern des Wiederanpfiffs zu beweisen, dass der deutsche Fußball diese Bewährung verdient hat. Jeder Spieler ist gefordert, hoch professionell mit den Corona-Regeln umzugehen, sich auch im privaten Umfeld keine Fehltritte zu leisten. Es geht um die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche. Und es geht um Leidenschaft für den Verein, um Identifikation mit seinen Farben. Das klingt womöglich romantisch oder naiv, aber wenn nicht jetzt, wann könnten die Fußball-Stars sonst besser gegen Vorurteile, gegen ihr Legionärsimage ankämpfen? Jeden Tag aufs Neue müssen sich die Bundesligisten das Grüne Licht verdienen.

Ein riskantes Spiel mit ungewissem Ausgang

Wo sonst um Siege und Punkte gezittert wird, naht nun ein Zitterspiel auf anderer Ebene: Hält das Hygiene-Konzept der Realität stand? Oder kann das Virus die Bundesliga womöglich doch noch in die Knie zwingen? Was passiert, wenn plötzlich mehr als nur ein paar Spieler in Quarantäne müssten? Keine Frage, es bleibt ein riskantes Spiel mit ungewissem Ausgang. Aber wenigstens schlägt der Derby-Puls erst einmal wieder. Es gibt schlimmere Gefühle.

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