Götze trifft ins Dortmunder Herz

Eindrucksvolle Antwort

Tagelang gab es in den deutschen Sportmedien nur ein Thema: Wie würde Mario Götze an seiner alten Wirkungsstätte in Dortmund empfangen und wie würde er spielen? Die Antwort des Ex-Borussen fiel eindrucksvoll aus. Den lauten Pfiffen zum Trotz zeigte der Münchener seine überragende Klasse - und traf eine ganze Stadt mit seinem Tor tief ins Herz.

DORTMUND

von Von Matthias Dersch

, 23.11.2013, 22:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mario Götze verkniff sich den Jubel nach seinem Tor zum 0:1 - auch bei den folgenden Treffern hielt er sich zurück.

Mario Götze verkniff sich den Jubel nach seinem Tor zum 0:1 - auch bei den folgenden Treffern hielt er sich zurück.

Es war eine merkwürdige Stimmung, die am Samstagabend im Signal Iduna Park herrschte, bevor Schiedsrichter Manuel Gräfe den Liga-Gipfel zwischen Dortmund und München anpfiff. Statt lautstarker Topspiel-Atmosphäre regierte eine nervöse Anspannung.BVB-Anhang pfeift sich warm Erst als Stadionsprecher Nobby Dickel die Aufstellung der Bayern vorlas, wurde es laut. Während der frühere Stürmer die Namen aufsagte, pfiff sich der schwarzgelbe Anhang warm. Als er dann bei der Nummer 19 angekommen war, schwoll der Lautstärkepegel so weit an, dass man wohl selbst im benachbarten Bochum noch das Pfeifkonzert für Mario Götze hören konnte.

Bayerns Coach Pep Guardiola hatte den potenziellen neuen Superstar der Münchener zunächst prophylaktisch auf der Bank gelassen. Die Last der Rückkehr, ein knappes halbes Jahr, nachdem er die BVB-Seele mit seinem plötzlichen Abgang nach München tief geschockt hatte, erschien dem Spanier wohl zu ein wenig zu groß für die muskulösen Schultern des Nationalspielers.

Dabei ließ sich Götze zunächst gar nichts anmerken, unbeschwert machte er sich vor der Partie warm, pflückte selbst im Moment des größten Pfeifkonzerts den Ball noch locker aus der Luft. Erst als das Spiel schon lief und langsam in die heiße Phase ging, verdrückte sich der 21-Jährige in den Spielertunnel, um sich warm zu machen. Eine allzu große Nähe zu den Tribünen wollte er sich dann doch nicht zumuten. Nach 56 Minuten dann musste er sich dann allerdings zeigen. Guardiola brachte den Jungstar beim Stand von 0:0 – und es gab wohl nicht wenige im Stadion, die das folgende Geschehen dunkel vorausahnten. Götze gelang zunächst zwar nur wenig, dann jedoch war er plötzlich voll da.

Komplett alleingelassen ließ er den Ball 15 Meter vor dem auf dem Rasen tänzeln, dann schlenzte er ihn unnachahmlich mit der Pike ins lange Eck. Roman Weidenfeller, sein früherer Teamkollege, tauchte ab, den Einschlag im Netz konnte aber auch er nicht mehr verhindern. Selten war das Wort „ausgerechnet“ angebrachter als in diesem Moment. Die BVB-Fans fielen in eine Schockstarre – und was machte Götze? Er hob die Hände, um den Jubel seiner Teamkollegen abzuwehren. Er wollte keine große Show, sondern respektvoll mit seinem Ausbildungsverein umgehen.

Und auch als Arjen Robben in der 85. Minute vor dem Bayern-Block feierte und seine Mitspieler an der Außenlinie eine Jubeltraube bildeten, stand Götze abseits und schaute zu. Fast schien es so, als habe er seinen alten Klub verlassen, ohne beim neuen Verein bereits komplett angekommen zu sein. Trifft er so wie am Samstag, wird das jedoch nicht mehr lange dauern.

Lesen Sie jetzt