Bundestrainer Joachim Löw verzichtet auch bei den Länderspielen im Juni auf BVB-Star Mario Götze. Das lässt nicht viel Interpretationsspielraum. Dirk Krampe kommentiert.

Dortmund

, 23.05.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Joachim Löw nach dem WM-Debakel zum ersten Länderspiel bat, nahm der Bundestrainer auch Stellung zu Spielern, die nicht zum Team für Russland gezählt hatten. Der prominenteste, der im Mai 2018 bei der Verkündung des deutschen WM-Kaders im Fußballmuseum durchs Sieb gefallen war, spielte für den Verein, wo der Deutsche Fußball-Bund diese Stätte mit Erinnerungsstücken an historische Fußballmomente seit Oktober 2015 für die Öffentlichkeit ausstellt.

Der Verzicht auf Borussia Dortmunds Mario Götze, den entscheidenden Torschützen des Weltmeisterschafts-Endspiels in Rio, sorgte damals für ein Erdbeben im Blätterwald deutscher Zeitungen.

Löw nominierte Götze nicht für die WM - nachvollziehbar

Götze allerdings kam aus einer schwierigen und langwierigen Erkrankung, er hatte mit dem BVB keine gute Saison hinter sich gebracht. Löws Entscheidung konnte ihm nicht gefallen, aber sie traf ihn andererseits auch nicht unvorbereitet.

Götzes Qualitäten nicht mehr gefragt - Löw setzt auf schnelle, trickreiche Offensivspieler

Mario Götze überzeugte in der Bundesliga-Rückrunde mit konstant guten Leistungen. Für eine Nominierung durch Bundestrainer Joachim Löw hat es aber wieder nicht gereicht. © dpa

Als Löw nach der WM seine Analyse des Scheiterns vorgelegt hatte und den Neuanfang einleiten sollte, war Götze naturgemäß wieder Thema. Er fehlte in den ersten Länderspielen der neuen Nations League, mit Götzes Entwicklung, erklärte Löw, aber sei er zufrieden.

Konkrete Hoffnungen für Götze

Im November, Götze war in Dortmund inzwischen Stammspieler, machte Löw Götze ganz konkret Hoffnungen für die ersten Partien im Jahr 2019. Man wisse nicht, erklärte Löw, „wie sich die Situation im März darstellt. Daher ist die Tür nie zu.“ Doch auch im März wurde Götze nicht berücksichtigt - und fehlt jetzt erneut auf der Spielerliste für die beiden EM-Qualispiele im Juni.

Das lässt nicht viel Interpretationsspielraum, denn Götze kann auf eine starke Rückrunde beim BVB zurückblicken. Nachdem er erst am siebten Spieltag der gerade abgelaufenen Saison sein erstes Liga-Spiel machte, verpasste er in der restlichen Saison nur noch zwei. Er erzielte sieben Treffer, bereitete acht vor. Götze durfte sich auch in der Rückrunde zum Stammpersonal zählen, dort entdeckte er auf der Position des Neuneinhalbers auch seine Torgefahr. Sechs seiner sieben Saisontreffer packte er ab dem 18. Spieltag auf sein Konto. Seine Leistungen waren konstant gut.

Löw plant weiter ohne Götze

Die Nichtberücksichtigung für die beiden Qualispiele zur EM am 8. und 11. Juni lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Löw auch künftig ohne Götze plant, dass er nicht den Fußball verkörpert, den der Bundestrainer spielen lassen will. Schaut man in die Besetzungsliste, finden sich offensiv vor allem trickreiche und schnelle Spieler, die Eins-gegen-Eins-Duelle gewinnen können. Götze hat andere Qualitäten, aber sie scheinen bei Löw nicht mehr gefragt.

Umfrage

Ist es richtig, dass Joachim Löw erneut nicht auf Mario Götze setzt?

1771 abgegebene Stimmen

Das ist legitim, denn dem Bundestrainer allein obliegt die Personalplanung, er muss sie am Ende schließlich auch verantworten. Ähnlich wie bei der Ausbootung der drei Bayern-Stars Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng aber geht Löw erneut mit wenig Fingerspitzengefühl vor. Seine öffentlichen Aussagen zu Götze werden ihm nun vorgehalten werden. Mehr, als Leistung zu bringen, und das wie gewünscht über einen längeren Zeitraum, konnte Mario Götze nicht tun. Und davon, dass Löw ihm seine Beweggründe erläutert hat, ist nichts bekannt.

Zweite Chance wohl nur unter einem neuen Trainer

Für die Zeit der Ära des Bundestrainers Joachim Löw scheint die DFB-Tür für Mario Götze fest verschlossen zu sein. Es dürfte ihn wenig trösten, dass er unter einem anderen Trainer möglicherweise noch eher eine neue Chance bekommen dürfte als der viereinhalb Jahre ältere Hummels. Denn gleich im ersten Satz seines am Montag öffentlich gewordenen „Briefs“ im Internet Portal „The Players Tribune“ schreibt Götze: „Die Hölle für mich ist, nicht Fußball spielen zu dürfen.“ Genau das mag ihm der aktuelle Bundestrainer nicht gestatten.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
BVB-Rückkehrer

Götze gewährt tiefe Einblicke: Ich war ein Judas, ein Held, eine Enttäuschung

BVB-Rückkehrer Mario Götze bedankt sich zwei Tage nach Saisonende öffentlich bei den Fans - und blickt in einem Gastbeitrag sehr persönlich auf die Höhen und Tiefen seiner Karriere zurück. Von Dirk Krampe

Lesen Sie jetzt