Haaland und Sancho kaum zu stoppen - Standardschwäche des BVB bleibt

mlz09 Fakten

Haaland und Sancho wirbeln durch die Liga und verbuchen Rekorde. Die Saison zeigt aber auch: Bei den Standards liegt Dortmund auf einem Abstiegsplatz. Die 09 Fakten zum Hoffenheim-Spiel.

Dortmund

, 27.06.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

01.) Wieder Vize: Nach dem enttäuschenden 0:2 gegen Mainz raffte sich Borussia Dortmund noch einmal auf und gewann das Spitzenspiel in Leipzig mit 2:0, damit sicherte sich der BVB die Vizemeisterschaft. Es ist der fünfte Vize-Titel“ in den vergangenen acht Spielzeiten, in der Bundesliga der insgesamt siebte für die Dortmunder (wie Schalke) - auch hier ist Rekordmeister Bayern München mit zehn zweiten Plätzen die Nummer eins.


02.) „Best of the Rest“: Lucian Favre holte mit der Borussia in den zwei Bundesliga-Spielzeiten in 67 Spielen 145 Punkte, zwölf weniger als Branchenprimus Bayern München, aber auch 16 Zähler mehr als RB Leipzig auf Rang drei.


03.) Duelle gegen Bayern und die „Kleinen“ waren entscheidend: Gegen die Mitkonkurrenten, die aktuell auf den Plätzen drei bis fünf stehen (Leipzig, Mönchengladbach und Leverkusen), holte Dortmund in dieser Saison 13 Punkte und damit deutlich mehr als der FC Bayern (8). Der BVB war in diesen Spitzenspielen also stark, nicht aber in den Duellen gegen die Münchner (0:4 und 0:1). Hätte stattdessen die Borussia beide Saisonduelle gegen den FC Bayern gewonnen, stünde sie nun ganz oben (mit 75 Punkten, Bayern hätte dann 73 Zähler). Auch gegen die Teams ab Platz sechs abwärts war der FCB deutlich erfolgreicher als die Borussia (65 gegenüber 56 Zählern). Die Borussia erlaubte sich unter anderem Ausrutscher bei Union Berlin (1:3), zu Hause gegen Bremen (2:2), Paderborn (3:3) und jüngst Mainz (0:2).

Haaland und Sancho kaum zu stoppen - Standardschwäche des BVB bleibt

© Deltatre

04.) Neuer BVB-Torrekord: Dortmund erzielte in Leipzig die Liga-Saisontore 83 und 84 und stellte damit einen neuen Vereinsrekord auf. Die bisherige Bestmarke lag bei 82 Saisontreffern (2015/16). Dumm nur, dass die Bayern auch hier historisch stark unterwegs sind (96 Treffer).


05.) Defensiv mit der Dreierkette auf Kurs: Dortmund kassierte nur fünf Gegentore mehr als der FC Bayern (37 gegenüber 32), am Ende der Vorsaison betrug die Differenz noch zwölf Treffer (44 gegenüber 32). Seit dem 13. Spieltag (2:1 bei der Hertha) agierte die Borussia mit einer Ausnahme (beim 3:4 in Leverkusen) im Defensivbereich mit einer Dreierkette und das brachte Stabilität (nach der Niederlage in Leverkusen kassierte der BVB in acht von zwölf Partien kein Gegentor).


06.) Haaland und Sancho - besser als Lewandowski und Müller: Der 19-jährige Erling Haaland schlug beim BVB voll ein, in der Bundesliga-Rückrunde traf er im Schnitt alle 75 Minuten (insgesamt 13 Mal), das ist vor Robert Lewandowski (2020 mit 14 Treffern, alle 84 Minuten einer) ligaweit die beste Quote. Der 20-jährige Jadon Sancho bestätigte seine herausragende Vorsaison (zwölf Tore und 19 Assists), ist beim eigenen Abschluss sogar noch besser geworden (17 Treffer plus 17 Assists). Sancho erzielte zehn Treffer mehr als Thomas Müller, liegt auch bei den Scorer-Punkten vorne (34 gegenüber 28).

Haaland und Sancho kaum zu stoppen - Standardschwäche des BVB bleibt

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07.) Plan B funktioniert nicht: Wenn der BVB sich heiß spielt, sind die meisten Gegner überfordert. Dortmund erzielte in dieser Bundesliga-Saison 61 der 84 Treffer nach einem Pass, das ist Ligaspitze (Bayern folgt mit 57). Kommen die Dortmunder mit ihrem Kombinationsfußball aber einmal nicht zum Erfolg, wäre ein Plan B hilfreich - zum Beispiel in Form von Standards. Die funktionieren bei den Borussen aber gar nicht, nur sechsmal traf Dortmund in dieser Saison nach einem ruhenden Ball (jedes andere Team mindestens neunmal). Es gab lediglich drei Treffer nach einer Ecke und einen nach einem Freistoß (plus zwei Elfmetertore).


08.) Götze-Abschied ohne Publikum: Es ist irgendwie bezeichnend, dass die Ära von Mario Götze beim BVB nun ohne Zuschauer und ohne eine große Verabschiedung zu Ende geht. Das einstige Wunderkind (in seiner ersten richtigen Bundesliga-Saison 2010/11 hatte er es als 18-Jähriger auf sechs Tore und 16 Assists gebracht) spielte in dieser Saison nur eine Nebenrolle. In der Startelf der Borussia stand er letztmals Ende 2019 beim Hinrunden-Duell gegen Hoffenheim, bei der 1:2-Niederlage traf er zum 1:0 - bis heute sein letzter Scorer-Punkt. Im Jahr 2020 spielte Götze in der Bundesliga nur 27 Minuten (verteilt auf vier Einwechslungen).

09.) Schöne TSG-Erinnerungen an den 34. Spieltag: Zum dritten Mal treffen die TSG und der BVB am 34. Bundesliga-Spieltag aufeinander, die ersten beiden Duelle gewann Hoffenheim - es waren jeweils richtungsweisende Siege: 2013 gelang durch ein 2:1 in Dortmund noch der Sprung auf den Relegationsplatz (durch einen späten Strafstoß-Doppelpack von Sejad Salihovic), danach in der Relegation gegen den FCK dann auch der Klassenerhalt. 2018 zog die TSG durch ein 3:1 über den BVB zum bislang einzigen Mal in die Champions League ein.

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