Hätte, hätte, Viererkette? BVB-Trainer Favre bastelt an der Taktik

mlzBorussia Dortmund

Borussia Dortmund bastelt im Trainingslager an der taktischen Flexibilität. BVB-Coach Lucien Favre entdeckt dabei in Bad Ragaz ein altes System neu.

Bad Ragaz

, 14.08.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war freilich nur ein erster Eindruck, aber er fiel auf: Als Lucien Favre seine Mannschaft am Mittwoch zum ersten Testspiel gegen den SCR Altach (6:0) auf den Rasen schickte, entschied sich der BVB-Trainer für ein 4-2-3-1-System. Über die Maßen überraschend kam das nach den ersten Trainingseinheiten im Trainingslager in Bad Ragaz nicht. Von der Dreier-Abwehrkette aus der vergangenen Rückrunde ist in der Schweiz bislang nicht viel übrig geblieben. Und wer Favre in seinen nun zwei Jahren in Dortmund aufmerksam zugehört hat, der darf auch davon nicht allzu überrascht sein.

BVB-Trainer Lucien Favre bevorzugt die Viererkette

Im Januar sagte der 62-Jährige im Interview mit dem „Kicker“, die Umstellung auf eine Dreierkette, die Favre in der vergangenen Hinrunde erst vornahm, als er nach einem 0:4 gegen Bayern München, einem 3:3 gegen den SC Paderborn und einem 1:3 beim FC Barcelona vor der Partie bei Hertha BSC mit dem Rücken zur Wand stand, sei nötig gewesen, grundsätzlich aber gelte: „Dieses 3-4-1-2-System ist gut, ich habe das gern, bevorzuge persönlich jedoch das 4-3-3.“ Jedes System habe seine Fehler, jedes System habe seine Vorteile.

„Langfristig funktionieren nach meiner Einschätzung zwei Systeme am besten: 4-2-3-1 oder 4-3-3. Alle großen Vereine spielen mit Viererkette.“ Das heiße nicht zwangsläufig, dass der BVB in der Rückrunde zur Viererkette zurückkehre. „Wir haben das gut gemacht mit drei Innenverteidigern. Das hat die anderen Klubs überrascht. Jetzt vielleicht nicht mehr so sehr.“ Tatsächlich kehrte der BVB in der Rückrunde nicht zur Viererkette zurück, lief nur einmal mit vier Spielern auf der letzten Linie auf - und bekam beim 3:4 in Leverkusen am 8. Februar die Hütte prompt deutlich voller als die Bundesligisten ihre Stadien in der Corona-Krise.

Favre möchte dem BVB zu mehr taktischer Flexibilität verhelfen

Ob die ersten Eindrücke aus der Schweiz ein Indiz dafür sind, dass Favre zukünftig wieder dauerhaft auf eine Viererkette setzen möchte, lässt sich zu diesem frühen Zeitpunkt der Vorbereitung nicht seriös beantworten. Dass er seinem Team zu mehr taktischer Flexibilität verhelfen möchte, ist dagegen schon jetzt offenkundig.

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In der vergangenen Saison profitierten viele Spieler von Favres Umstellung auf eine Dreierkette. Raphael Guerreiro und Achraf Hakimi, der mittlerweile für Inter Mailand spielt, blühten auf den Außenbahnen mit einer zusätzlichen Absicherung im Rücken spürbar auf. Lukasz Piszczek etablierte sich als rechter Verteidiger in der Dreierkette, für Dan-Axel Zagadou, der zuvor nur Reservist gewesen war, wurde eine Position gefunden. Weiter vorne erhielt Jadon Sancho mehr künstlerische Freiheiten, weil er nicht mehr nur über den Flügel angriff, auch dieser Schachzug zahlte sich aus - und unter dem Strich sprachen die deutlich verbesserten Ergebnisse seit jenem 2:1-Sieg bei Hertha BSC am 30. November 2019 für sich.

BVB-Trainer Favre hat noch genug Zeit zum Basteln

Den Verlust Achraf Hakimis versucht Borussia Dortmund durch Thomas Meunier aufzufangen. Der Neuzugang aus Paris ist ein anderer Spielertyp, fühlt sich aber auf der Hakimi-Position ebenfalls wohl. Es gäbe also durchaus Argumente, am erfolgreichen 3-4-1-2-System, das in der vergangenen Saison deutlich besser zum BVB-Kader passte als ein 4-2-3-1, festzuhalten. Noch bleibt genügend Zeit zum Basteln - und ein Plan B kann schließlich nie schaden. Oder wird‘s doch ein neuer Plan A?

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