Hamburgs Diekmeier über Tattoos und Nachwuchs

Der BVB-Gegner

Nach zwei turbulenten Jahren im Bundesliga-Abstiegskampf sieht es in der laufenden Saison deutlich besser aus für den Hamburger SV. Und am Sonntag (15.30 Uhr) geht's zum Lieblingsgegner Borussia Dortmund. Über das Spiel, den Saisonendspurt und die Geburt seiner Tochter haben wir mit HSV-Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier gesprochen.

DORTMUND

, 16.04.2016, 18:45 Uhr / Lesedauer: 4 min
Dennis Diekmeier (M.) sagt vor dem Spiel gegen den BVB: "Wenn wir hochkonzentriert sind, können wir auch drei Punkte mitnehmen."

Dennis Diekmeier (M.) sagt vor dem Spiel gegen den BVB: "Wenn wir hochkonzentriert sind, können wir auch drei Punkte mitnehmen."

Herr Diekmeier, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter Dalina, die vor einem Monat zur Welt kam. Sorgt das frische Glück für einen zusätzlichen Leistungsschub, oder kommen sie auch öfter unausgeschlafen zum Training? Danke für die Glückwünsche! Es ist ja bereits unser drittes Kind, von daher sind meine Frau und ich schon ein wenig erfahren darin. Zur Zeit ist es ein bisschen anstrengend für alle, aber wir haben das gut geregelt. So kümmert sich meine Frau nachts und vor Spielen mehr um die Kleine und ich bin am Tag viel für sie da.

Schon als Kind haben Sie selbst in der HSV-Kurve gestanden, dann aber einige Jahre in Ihrer Jugend bei Werder Bremen gespielt. Wie haben Sie die Interessenkonflikte zwischen den beiden rivalisierenden Klubs gelöst? (lacht) Bevor ich zu Werder gewechselt bin, konnte ich unbeschwert HSV-Fan sein. Das wurde dann schwierig, als ich in Bremen gespielt habe. Da fiebert man natürlich auch ein wenig mit dem Klub mit, bei dem man selbst spielt. Als ich dann später in Nürnberg gespielt habe und von dem Hamburger Interesse gehört habe, war ich aber sofort begeistert und habe meinem Berater gesagt, dass ich das auf jeden Fall machen will.

Und mittlerweile sind Sie zum dienstältesten HSV-Profi geworden. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle als „alter Hase“ im Team? Dass ich im Sommer in meine bereits siebte Saison beim Hamburger SV gehe, freut mich persönlich sehr. Das mit dem „alten Hasen“ sagt man ja so, aber ich nehme das gar nicht so wirklich wahr. Ich fühle mich nicht unbedingt in einer Vaterrolle für die anderen. Aber auf der Geschäftsstelle und bei den Fans kennt man mich ja nun als „Ur-Hamburger“. Über die Jahre habe ich zu vielen Menschen aus dem HSV-Umfeld ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut. 

Zu Jahresbeginn haben Sie Ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Mit welchen Zielen gehen Sie in die nächsten Jahre beim HSV, nachdem der Klub zuletzt unter den Erwartungen geblieben ist? Besonders die letzten zwei Jahre, in denen wir den Klassenerhalt erst in den Relegationsspielen geschafft haben, waren schwer. Das war eine heftige Zeit für alle, die hier so keiner nochmal erleben möchte. Diese Saison steht im Zeichen des Umbruchs, da wollen wir noch so viele Punkte wie möglich sammeln. In den nächsten Jahren wollen wir dann wieder ein wenig nach oben schauen. Aber wir alle wissen, dass das nicht so schnell geht.

Neben dem Hamburger SV sind auch Tattoos Ihre große Leidenschaft. Wird der HSV auch irgendwann Ihre Haut zieren? (schmunzelt) Im Fußball kann ja alles sehr schnell gehen. Wenn ich irgendwann doch noch einmal woanders spielen sollte, würde ein HSV-Tattoo wohl nicht so gut ankommen. Aber meine Tattoos beziehen sich sowieso mehr auf meine Familie, das bleibt ewig.

Für Borussia Dortmund hat sich der Hamburger SV in den letzten Jahren zu einer Art Angstgegner entwickelt. Fünf der letzten sieben Bundesliga-Duelle gewann Ihr Team. Warum klappt es auch am Sonntag mit einem Auswärtssieg? Wir wissen, dass es in Dortmund sehr schwer wird. Der BVB spielt eine tolle Saison, hat eine gute Mannschaft und einen Trainer, der seine Elf immer sehr gut auf den Gegner einstellt. Aber wir blicken auch positiv auf die Partie, denn in letzter Zeit sind uns ja gerade gegen Dortmund diese Überraschungen gelungen. 

Jetzt lesen

Nimmt die Mannschaft so eine Bilanz denn wahr und geht dann entsprechend anders an eine solche Aufgabe heran? Nein, bei uns Spielern steckt so eine Bilanz nicht unbedingt in den Hinterköpfen, das hört man dann eher aus der Presse. Wir konzentrieren uns voll auf die Spielvorbereitung und gehen solche Spiele genauso an wie jede andere Bundesliga-Partie.

Zuletzt gab es rund um den BVB die Diskussion, dass sich der Fokus im Saisonendspurt eher auf die internationalen und nationalen Pokalspiele verschoben habe. Erwarten Sie am Sonntag auch nur die B-Elf der Borussia? Für den BVB ist der Meistertitel wohl nicht mehr zu erreichen. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass die Pokalspiele dort momentan klar im Vordergrund stehen. Darüber mache ich mir aber keine Gedanken, zumal auch die zweite Garde bei Borussia Dortmund ziemlich gut ist. In vielen anderen Vereinen wären das Spieler in der ersten Elf.

Auf Platz zehn trennen den HSV aktuell sechs Punkte vom Relegationsplatz. Gibt es innerhalb der Mannschaft die Sorge, dass es am Ende wieder ins Nachsitzen um den Klassenerhalt geht? Natürlich müssen wir uns realistisch mit der Tabelle befassen. Aber wir sind uns auch unserer Stärken bewusst und besser aufgestellt als die letzten Jahre. Deshalb geht es jetzt darum, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Die Niederlage gegen Darmstadt war bei diesem Vorhaben ein enormer Rückschlag, der alle hier maßlos enttäuscht hat. Doch das müssen wir abhaken und nach vorne schauen.

Dabei hat es das Restprogramm in sich: In fünf Spielen geht unter anderem noch gegen Dortmund, Wolfsburg und Mainz. Allesamt Teams von oben mit internationalen Ambitionen … Und nach Dortmund haben wir auch noch das Spiel gegen Bremen, eines der wichtigsten Derbys aktuell! Das sind herausfordernde Aufgaben, in denen es für uns um wichtige Punkte geht.

Die Tendenz der Rückrunde dürfte da allerdings Mut machen. Gegen Teams von oben wie Berlin und Mönchengladbach konnte der Hamburger SV in der Rückrunde gewinnen. Dafür gab es gegen Hoffenheim, Frankfurt und eben Darmstadt keinen Sieg. Warum tut sich der HSV gegen die Teams im Keller so schwer? Woran das liegt, kann man schwer sagen. Wir hatten schon einige Matchbälle, in denen wir den Klassenerhalt frühzeitig hätten sichern können. Dass wir direkten Konkurrenten die Punkte überlassen, müssen wir unbedingt verbessern. Denn gerade in solchen Spielen müssen wir in unserer Situation natürlich unbedingt punkten.

Worin ist der HSV denn in dieser Saison besser, um dem Abstieg erneut zu entgehen? Man sieht in dieser Saison, dass wir auch spielerisch Punkte holen können. Das war in den letzten beiden Jahren deutlich schwerer, da lief bei uns viel über den Kampf. Dazu herrscht in Hamburg auch ein gewisser Druck, den neue Spieler noch nicht so kennen. Im Umfeld hat man in den letzten Jahren die Unruhe durch den möglichen ersten Abstieg gespürt. Nun aber haben wir alles selbst in der Hand.

Zum Schluss: Wie lautet Ihre Prognose für das Duell mit dem BVB? Ich hoffe natürlich, dass wir ein gutes Spiel abliefern und was mitnehmen können. Wichtig wird sein, ob wir mit dem Kopf von Beginn an voll in der Partie sind. Wenn wir hochkonzentriert sind, können wir auch drei Punkte mitnehmen.

Lesen Sie jetzt