Hat der BVB die Meisterschaft zu früh abgehakt?

Pro & Kontra

BVB-Trainer Thomas Tuchel schonte im Revierderby gegen Schalke am Sonntag etliche Stammspieler und schickte eine vermeintliche B-Elf auf den Rasen. Am Ende hieß es 2:2 – und der FC Bayern war an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga auf sieben Punkte enteilt. Die Meisterschaft scheint nun entschieden. Unsere Frage: Hat der BVB die Meisterschaft zu früh abgehakt?

Dortmund

, 11.04.2016, 16:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Trainer vor prominent besetzter Bank: Thomas Tuchel im Revierderby mit den Ersatzspielern (v.l.) Gonzalo Castro, Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang.

Trainer vor prominent besetzter Bank: Thomas Tuchel im Revierderby mit den Ersatzspielern (v.l.) Gonzalo Castro, Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang.

Ja, Titelträume zu früh beendet - Eine zu große Rotation

Im Radio oder am Handy verfolgen, wie der direkte Konkurrent um den Titel gerade spielt. Mitfiebern, ob der eigene Klub die Meisterschale am abschließenden Spieltag noch hochreißt. Diese Momente lieben die Fans. Dafür gehen sie ins Stadion.

Der BVB hat mit sieben Punkten Rückstand bei fünf ausstehenden Partien natürlich weiter die theoretische Chance, an den Bayern vorbeizuziehen. Seit dem 2:2 im Derby gegen den Rivalen Schalke 04 ist die Wahrscheinlichkeit aber noch geringer geworden. Unnötigerweise.

Die große Rotation hat nämlich ihren Teil dazu beigetragen, dass der BVB am Sonntag gegen Schalke nicht gewonnen hat. Eine BVB-Mannschaft, die der ersten Elf nur ähnlich gewesen wäre, hätte den Revierrivalen vor noch größere Probleme gestellt als die B-Elf von Sonntag. Und selbst die Mannschaft war schon besser als die der Königsblauen. Mit der großen Rotation hat Tuchel deutlich gezeigt, dass die Meisterschaft schon Sonntag vor der Partie kein Thema mehr für ihn war. Auch der Reiz, das zweite Derby für Schwarzgelb zu gewinnen, hat ihn nicht beeindruckt. Er hat pragmatisch gedacht.

In Liverpool wird sich zeigen, ob sein Ansatz der richtige war. Kommt das Team aber nicht weiter, hat es innerhalb von fünf Tagen die Möglichkeit auf zwei Titel verspielt.

Thomas Schulzke

Nein, der Zeitpunkt ist richtig - Kräfte bündeln

Thomas Tuchel stand zum Revierderby gegen Schalke vor einer entscheidenden Frage: Worauf lege ich jetzt den Fokus – für welchen Wettbewerb bündele ich das Gros der begrenzt verfügbaren Kräfte meiner stark belasteten Profis? Der BVB-Trainer hat diese Frage richtig beantwortet. Die Europa League und der DFB-Pokal genießen für ihn und das Team jetzt Priorität.

Die Bundesliga rückt in den Hintergrund, denn dort ist das Ziel – sichere Qualifikation für die Champions League – bereits erreicht. Mit Blick auf die souverän an der Spitze agierenden Bayern wäre es eine realitätsferne Einschätzung gewesen, in der Meisterfrage noch einmal angreifen zu können. Letztlich ist es doch egal, ob die Borussia mit drei, fünf oder zehn Punkten Rückstand Vizemeister wird.

Und es wird in der Rückschau auf die Saison auch wurscht sein, dass das Derby auf Schalke nicht gewonnen wurde. Denn viel wichtiger ist: Tuchel vergrößert für seinen BVB durch das Ziehen der Handbremse in der Liga die Chance, Ende Mai zwei begehrte Trophäen präsentieren zu können.

Was bringt bitte das wackere, aber brotlose Hinterherhecheln in der Liga, wenn Dortmund in der finalen Phase im Pokal und in Europa die Luft ausgeht? Eben, gar nichts. Tuchel hat genau den richtigen Zeitpunkt gewählt, die Meisterschaft abzuhaken. Nicht zu früh – und vor allem nicht zu spät. 

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