Herthas Spielweise wird zunehmend entschlüsselt

BVB-Gegner in der Taktikanalyse

In Berlin trifft der BVB auf eines der Überraschungsteams dieser Bundesliga-Saison. Zur Zeit steckt die Hertha aber in einer Krise. Mit taktischer Disziplin, klaren Abläufen und einer mutigen Ausrichtung in der Spieleröffnung hat sich Pal Dardais Mannschaft zum Champions-League-Kandidaten gemausert. Gegen Saisonende wird die Spielweise der Herthaner aber zunehmend entschlüsselt. Dortmunds Gegner in der Taktikanalyse.

DORTMUND

von Martin Rafelt (spielverlagerung.de)

, 20.04.2016, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stets gefährlich: Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic (l.).

Stets gefährlich: Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic (l.).

1.) Wie agiert Hertha bei eigenem Ballbesitz?

Besonders das risikoreiche Aufbauspiel der Berliner wurde zuletzt häufiger bestraft. Dabei fächern sie enorm weit auf, um dem Gegner die Wege im Pressing lang zu machen und viel Raum im Mittelfeld zu öffnen. Wenn die Innenverteidiger zugestellt werden, hält der Torwart lange den Ball und eröffnet oftmals direkt auf die Sechser, die sich sehr aktiv freilaufen und immer wieder zurückfallen.  

Für den Gegner ist es schwierig, dagegen Druck aufzubauen, anderseits kann jeder Ballverlust sofort zum Tor führen. So erzielte Gladbach gegen die Berliner nach gutem Pressing sehr leichte Tore und gewann 5:0.  

2.) Wie agiert Hertha gegen den Ball?

Auch das Defensivspiel der Berliner kriselte zuletzt etwas. Schon in der Hinrunde war die Organisation sehr konventionell. In einer 4-4-2-Ordnung konzentrierten sie sich auf Kompaktheit in der eigenen Hälfte, was immer noch die Grundausrichtung ist.

In der Hinrunde blieben sie dabei jedoch sehr passiv und gaben besonders in der Abwehr kaum Räume preis. So kamen die Gegner zwar recht häufig in Tornähe, dort aber nur schwer zu Chancen. Auch der BVB konnte im Februar in Berlin von zehn Schüssen nur zwei auf das Tor platzieren, das Spiel endete 0:0.

Aus unterschiedlichen Gründen wackelte die Defensive allerdings zuletzt: Gladbach traf nach Balleroberungen. Hannover gelang es mit sehr kleinräumigen Überladungen in Strafraumnähe überraschend starke Kombinationen zu starten. H

offenheim überspielte die erste Pressinglinie durch eine Dreierkette, kam immer wieder in die Zwischenräume des 4-4-2-Blocks und traf letztlich nach Standardsituationen. Dabei zeigte Hertha, dass sie Probleme haben, wenn sie aggressiver in die Balleroberung gehen. Wenn Spieler herausrücken, werden sie nicht optimal abgesichert.  

3.) Auf wen muss der BVB besonders achten?

Vedad Ibisevic sorgt zur Zeit für die gefährlichsten Momente der Herthaner. Dabei ist nicht nur seine Torgefahr innerhalb des Strafraums außergewöhnlich, sondern er beteiligt sich auch zunehmend mit Kreativaktionen an den Angriffen. Nach Balleroberungen fällt er im richtigen Moment zurück, hält den Ball geschickt im offensiven Mittelfeld und führt den Konter dann klug weiter.  

4.) Welche Chancen bieten sich dem BVB?

Seit der Partie im Februar sind die Borussen taktisch bedeutend flexibler geworden. Im 4-3-3 war man konteranfälliger, was gegen Kalou und Co. zu einer zurückhaltenden Partie führte. Zuletzt schiebt man im Aufbau häufig in eine Dreierkette und besetzt die Außenpositionen etwas tiefer. So sind gerade die Flügel nach Ballverlusten besser geschützt. Hoffenheim zeigte zuletzt im 3-1-4-2, dass diese Grundstruktur gegen Hertha sehr effektiv sein kann.

Zudem passt Tuchel die Pressingstruktur immer wieder an. Gegen Herthas konsequente, aber eher unflexible Mechanismen könnte das zu entscheidenden Überraschungen führen, auf die Dardai nicht gut reagieren kann. Und: Ballverluste sind für Berlin oft tödlich.

Lesen Sie jetzt