Erling Haaland fehlt dem BVB an allen Ecken und Enden. © imago / Sven Simon
Borussia Dortmund

Hinter Haaland wird es luftig: Der BVB und die Suche nach der Wucht

Erling Haaland wird beim BVB schmerzlich vermisst. Fehlt der Norweger, mangelt es Dortmund an Durchschlagskraft. Michael Zorc hat trotzdem keine Lust auf eine Stürmer-Diskussion.

Das Fazit fiel noch kürzer aus als die Nacht. „Mund abputzen, abhaken und sich auf die Auslosung freuen.“ Michael Zorc brauchte nicht viele Worte, um Borussia Dortmunds Dienstreise nach Sankt Petersburg in der Champions League, die gegen vier Uhr am frühen Mittwochmorgen ihr Ende fand, nachzubesprechen. Es sei gewiss „keine Glanzleistung“ der Schwarzgelben gewesen, aber die habe man „aufgrund unserer Personalsituation“ auch nicht unbedingt erwarten dürfen, sagte der Dortmunder Sportdirektor am Mittwoch im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. „Trotzdem hat man in der zweiten Hälfte gesehen, dass die Mannschaft das Spiel unbedingt gewinnen will.“

Der BVB freut sich über einen „dreckigen Sieg“ in Sankt Petersburg

Das mit dem Gewinnen gelang, weil sich der 35-jährige Abwehrmann Lukasz Piszczek mit seinem ersten Treffer in der Königsklasse und Mittelfeld-Stratege Axel Witsel in Erling Haalands Abwesenheit zu Torjägern aufschwangen und einen erneut frühen Dortmunder Rückstand aus der 16. Spielminute noch in eine Führung drehten. BVB-Kapitän Marco Reus, dem beim Toreschießen dieses Mal der Torpfosten im Weg gestanden hatte, sprach von einem „dreckigen Sieg“, der aber gutgetan habe. „Endlich wieder ein Sieg nach zwei Unentschieden und einer Niederlage.“

Auch bei Zorc saß die Erleichterung mit im Flieger zurück in Richtung Deutschland. Durch den Gruppensieg darf der BVB im Achtelfinale auf eine lösbare Aufgabe hoffen, wenngleich es freilich auch ganz anders kommen könnte. „Der Gruppensieg war das erkärte Ziel“, sagte Zorc, „dass wir es mit 13 Punkten erreicht haben, ist eine sehr gute Leistung, insbesondere nach dem schwachen Start in Rom.“

Verantwortungsvoller Umgang mit BVB-Sturmjuwel Moukoko

Wie wichtig es für Borussia Dortmund wäre, im neuen Jahr in der Runde der besten 16 Fußball-Mannschaften in Europa wieder auf Erling Haalands Torgefahr zählen zu dürfen, das wurde trotz des erfolgreichen Abschneidens des BVB auch in Sankt Petersburg überdeutlich. Es war das dritte Spiel in Serie, in dem der 20 Jahre alte Norweger, der aktuell einen Muskelfaserriss auskurieren muss, verletzt fehlte. Mindestens vier weitere warten noch auf den BVB.

Und wie schon bei den beiden Unentschieden gegen Lazio Rom (1:1) und Eintracht Frankfurt (1:1) fehlte dem Offensivspiel der Schwarzgelben Tiefe und Zielstrebigkeit, vielleicht aber auch einfach nur der Zielspieler. Durch Youssoufa Moukokos Einwechslung im zweiten Durchgang wurde es wie schon in Frankfurt besser, aber es wurde eben auch einmal mehr deutlich, was niemanden verwundern darf. Das 16-jährige Sturmjuwel benötigt einen verantwortungsvollen Umgang und Zeit, um im Erwachsenen-Fußball anzukommen. Die Tore bei den Senioren sind zwar nicht kleiner als in der U19, aber sie werden kompromissloser verteidigt.

BVB-Kapitän Reus: Ohne Haaland müssen wir uns die Aufgaben teilen

Vor Moukokos Einwechslung versuchte es Favre mit Thorgan Hazard in vorderster Linie sowie Julian Brandt und Marco Reus etwas dahinter. Die Offensiv-Wucht blieb sehr überschaubar. „Wenn Erling (Haaland, Anm. d. Red.) nicht da ist, müssen wir uns die Aufgaben teilen, die Abstimmung ist da noch nicht so da, wie wir uns das vorstellen“, meinte Reus. Und auch Zorc wollte keinen Hehl daraus machen, dass es ohne Haaland, der in dieser Saison wettbewerbsübergreifend 17 von 42 BVB-Toren geschossen hat, an Durchschlagskraft fehlt. „Ohne Erling Haaland“, meinte der 58-Jährige, „haben wir eine andere Balance in unserem Spiel. Das ist schon so.“

Auf eine Auffrischung der Debatte darüber, ob der BVB im Sommer noch einen weiteren Stürmer hätte verpflichten müssen, hat der Dortmunder Kaderplaner trotzdem keine Lust. „Wir haben uns dazu entschieden, Youssoufa Moukoko langfristig aufzubauen und nicht auszubremsen, indem wir ihm einen weiteren Spieler vor die Nase setzen“, sagte Zorc. „Deswegen halte ich jegliche Stürmerdiskussionen für müßig.“

Der BVB darf bis Weihnachten nicht mehr viel liegenlassen

Ob das reicht, um die drohenden Debatten im Keim zu ersticken, werden die kommenden vier Spiele zeigen. Borussia Dortmund darf auch ohne Haaland bis Weihnachten nicht mehr viel liegenlassen. Die Tore müssen fürs Erste andere schießen, was ganz sicher noch nicht für Moukoko gelten sollte.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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