Hummels oder Süle - wer ist der Beste? Da tut sich auch Fußballgott Jürgen Kohler schwer

mlzBorussia Dortmund

Die Antwort hätte schlicht und ergreifend „Ich“ sein können, doch so einfach macht es sich Jürgen Kohler dann doch nicht. Die BVB-Legende spricht über deutsche Innenverteidiger und fehlende BVB-Stürmer.

Dortmund

, 16.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Dortmunder sagen, dass Mats Hummels der Beste sei. Die Bayern sehen Niklas Süle vorn. Ja wer ist denn jetzt der beste deutsche Innenverteidiger? Wenn einer das weiß, dann er: Jürgen Kohler. Abwehr-Ikone. Fußballgott. Wir haben ihn gefragt.

Jürgen Kohler hat alles gewonnen, was man als Fußballprofi so gewinnen kann. Europameister war er, 1990 Weltmeister, er hat Champions League und den Weltpokal gewonnen, den Uefa-Pokal, war Meister in Italien und Deutschland.

Diese Vorzüge haben Hummels und Süle

Kohler, heute 53 Jahre alt, war über viele Jahre die personifizierte verteidigende Weltklasse. In München und in Dortmund. Selbst ihm fällt es schwer, sich festzulegen bei der Frage nach seinem würdigen Erben. „Jeder der beiden hat seine Vorzüge“, erklärt Kohler. Für Süle sprächen die Jugend, seine Schnelligkeit.

Hummels oder Süle - wer ist der Beste? Da tut sich auch Fußballgott Jürgen Kohler schwer

Mats Hummels und Niklas Süle - beide Spieler liefern Argumente für sich. © imago

„Hummels liegt sicher bei den Punkten Erfahrung und offensiver Kopfball vorn“, sagt Kohler. Jetzt, da sie in zwei unterschiedlichen Vereinen spielen, erwarte er von ihnen die Antwort. „Die neue Saison wird zeigen, wer besser ist, sie müssen beide auf höchstem Niveau bestehen, auch gegeneinander“, sagt Kohler.

Kohler: „Hummels kann der Stabilisator sein“

Den Transfer von Hummels kann Jürgen Kohler trotz der 30-Millionen-Euro-Ablöse aus BVB-Sicht nachvollziehen - anders als Ralf Rangnick. Nicht nur wegen der Erfahrung, die der Dortmunder Abwehr zuvor fehlte. „Er kann der Stabilisator sein, denn Mats hat schon viele Schlachten geschlagen und er kann sich auch in die Führung der Truppe einbringen. Und so, wie der Abgang von den Bayern gelaufen ist, wird er in Dortmund hoch motiviert ans Werk gehen.“ Zudem habe Hummels in der Rückrunde der abgelaufenen Saison bewiesen, dass er noch immer Topleistungen abrufen könne.

„So, wie der Abgang von den Bayern gelaufen ist, wird er in Dortmund hoch motiviert ans Werk gehen.“
Jürgen Kohler über Mats Hummels

Ohnehin sieht Kohler, der zwischen 1995 und 2002 rund 250 Spiele im Dortmunder Trikot absolvierte, den BVB derzeit im Vorteil. Dank guter Transfers habe dieser sein Team weiter verstärkt. Bei den Bayern frage er sich dagegen, „ob sie wirklich noch nachlegen können“ mit hochkarätigen Neuzugängen.

Kohler fehlt der Mittelstürmer im BVB-Kader

Nur eins fehle ihm allerdings noch im Dortmunder Kader. „Ein klassischer Mittelstürmer. Mario Götze ist für mich kein Mittelstürmer, auf lange Sicht in der Spitze halte ich diese Lösung für schwierig.“ Und ob Paco Alcacer seine herausragende Tor-Quote aus der Vorsaison halten könne, „das ist für mich fraglich. Die anderen Teams stellen sich ja irgendwann auf solche Spielertypen ein.“

Hummels oder Süle - wer ist der Beste? Da tut sich auch Fußballgott Jürgen Kohler schwer

Jürgen Kohler sieht den BVB für den Meisterschaftskampf gerüstet. Nur einen „klassischen“ Mittelstürmer vermisst er im Kader. © imago

Ob mit neuem Mittelstürmer oder ohne – dass die Borussia die Meisterschale zum klaren Ziel erkoren habe, freut Jürgen Kohler: „Ich finde dieses Selbstbewusstsein sehr gut. Im Fußball geht es um Titel, und mit diesem Kader wäre es nach dem zweiten Platz im Vorjahr auch kaum möglich gewesen, weniger als Ziel anzugeben.“

Kohler freut sich über forsche Zielvorgabe - „keine Komfortzone mehr“

Zudem gebe es nun „keine Komfortzone mehr“ für die Spieler, diese müssten nun liefern, hätten nun den deutlichen Auftrag, den Bayern die Schale wegzuschnappen. „Auch, wenn das sicher nicht leicht wird. Denn neue Spieler zu integrieren, ist kein Automatismus. Sie müssen erstmal in Dortmund zünden.“

Hummels oder Süle - wer ist der Beste? Da tut sich auch Fußballgott Jürgen Kohler schwer

Jürgen Kohler führte die U19 von Viktoria Köln zum Bundesliga-Aufstieg. © imago

Zünden will Jürgen Kohler auch mit seiner neu formierten Mannschaft. Er führte jetzt im Sommer als Trainer die U19 von Viktoria Köln zum Bundesliga-Aufstieg. Kaum überraschend, dass sein Team auf der Titelmission im bundesweiten Vergleich die wenigsten Gegentore in ihrer Altersklasse kassierte. Der Lohn: In der neuen Saison geht es unter anderem gegen den Deutschen U19-Meister BVB.

Kohler trifft auf den BVB

Möchte der in Dortmund von den treuen BVB-Fans zum Fußballgott erklärte Kohler denn überhaupt seine alte Liebe in der Bundesliga schlagen? „Das wird schwer. Der BVB ist riesig, wir sind nur ein kleiner Klub. Aber wir werden alles geben und wollen auch gegen Dortmund vernünftig aussehen.“

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