"Ich fühle mich stark genug"

DORTMUND Die Fußball-Welt dreht sich rasend schnell: Vor neun Tagen hatte Borussia Dortmund die Chance, in Berlin auf den Ligathron zu klettern. Eine „Englische Woche“, drei Niederlagen und 3:9 Tore später hockt der Klub im Tabellenkeller. Seit Sonntag fragt BILD: „Wann muss Thomas Doll gehen?“ Übliche Mechanismen beginnen zu greifen.

von Von Sascha Fligge

, 30.09.2007, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Freis (re.) trifft - Weidenfeller und Wörns kommen zu spät

Freis (re.) trifft - Weidenfeller und Wörns kommen zu spät

„Ich fühle mich stark genug, das auszuhalten. Ich spüre Rückendeckung“, sagt Borussias Trainer, der von KGaA-Boss Hans-Joachim Watzke („Das alles kotzt mich an“) nach dem 0:3 gegen Hamburg lautstark aufgefordert worden war, „nun Klartext zu reden“.

Großen Respekt habe er vor Watzke, betont Doll. Als Konsequenz eines mehr als vierstündigen „guten Gesprächs“ mit seinem Chef vom vergangenen Donnerstag. Allerdings gab er auch zu bedenken: „Seine Worte haben mir die Situation nicht einfacher gemacht. Es wäre besser gewesen, darüber intern zu reden. Trotzdem kann ich verstehen, dass ihm der Kragen geplatzt ist.“

Der Kragen platzt inzwischen auch den Fans. Vereinzelt waren in Karlsruhe „Schämt Euch“-Rufe zu hören, als Doll darüber referierte, dass „die Mannschaft durch ein richtig tiefes Tal geht, weil sie Bälle zu leicht preis gibt, die Kugel im Offensivverhalten nicht sichert, im Mittelfeld keine Eins-gegen-Eins-Situationen sucht und keine Freistöße herausholt, obwohl wir im Training ständig Standards üben“. Nun wird von Doll, dem Prediger für taube Ohren, Härte erwartet. Wie einst in Hamburg. „Wie“, so sagt er selbst, „in jedem Interview, das ich zurzeit geben muss. Und das nervt.“

Buckley im Krankenhaus

Am Dienstag (18.15 Uhr) tritt sein Team zum Freundschaftsspiel bei Legia Warschau an, am Freitag kommt der VfL Bochum in den Signal Iduna Park. Philipp Degen (Adduktorenentzündung) kann eventuell zurückkehren, Florian Kringes Sperre ist abgelaufen, Delron Buckley droht indes auszufallen. Der Südafrikaner ließ sein Sprunggelenk am Sonntag im Krankenhaus untersuchen. Eine Diagnose steht noch aus. Dede beklagte eine Hüftprellung. Christian Wörns (Erkältung) ließ sich nur „pflegen“.

Der Kapitän gibt zurzeit die unglücklichste Figur ab. Sportlich ohnehin, aber auch abseits des Rasens. Am Sonntag verpasste er es, den Journalisten in seiner Funktion zu verkünden, dass die BVB-Profis vorerst das medienwirksame Reden einstellen werden, um sich vollends auf Bochum zu konzentrieren. Bedingt dadurch waren seine Kollegen lange damit beschäftigt, einen peinlichen Ausreden-Slalom um TV-Kameras zu laufen. Taktisch kluges Vorgehen sieht anders aus.

Doll, dessen Schicksal untrennbar mit dem von Sportdirektor Michael Zorc verbunden ist, verurteilt zumindest die Aktion nicht: „Wenn es hilft, dass die Jungs am Freitag ein großes Spiel liefern, ist das in Ordnung.“

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