Imagefilm im ZDF-Sportstudio: So wird das nichts, Herr Hopp!

mlzKommentar

Dietmar Hopp hat sich mal wieder zu den Fan-Protesten vor der Bundesliga-Zwangspause geäußert. Das ZDF bereitete die Bühne, dabei geht’s gerade wirklich um andere Dinge. So wird das nichts.

Dortmund

, 06.04.2020, 18:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht nur der Ball ruht in der Bundesliga, auch in den Fankurven herrscht Ruhe. Das klingt ein wenig wie von oben herab aufgetragen, aber eigentlich ist es ja auch genauso. Die Fans würden gerne, aber sie dürfen nicht. Das Coronavirus sperrt sie aus, wahrscheinlich wird das noch sehr lange so bleiben. Der Begriff Geisterspiele spukt nicht nur durch die Liga, er ist längst als notwendiges Übel akzeptiert worden. Es ist ein bisschen wie mit einem ungelegenen Gast auf einer Hochzeit, den man nicht dabeihaben will, aber an dessen Einladung man trotzdem nicht vorbeikommt - es geht halt nicht anders.

Geisterspiele haben für Dietmar Hopp einen angenehmen Nebeneffekt

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Zumindest für Dietmar Hopp, den Mäzen der TSG Hoffenheim, halten die vielen Geisterspiele in den kommenden Monaten einen angenehmen Nebeneffekt bereit: Es wird in den Stadien der Bundesliga keine Schmähungen mehr gegen seine Person geben.

„Mich zum Gesicht für den Kommerz zu machen, ist wirklich nicht nachvollziehbar.“
Dietmar Hopp

Mittlerweile erscheinen die Bilder fast eine Ewigkeit her, auch wenn sie gerade mal einen guten Monat alt sind. Protestierende Fankurven, Schmähgesänge, Fadenkreuze, Spielunterbrechungen. Ende Februar war das. Dietmar Hopp und bundesweite Fanproteste dominierten die Schlagzeilen in der Bundesliga-Berichterstattung.

Obwohl Covid-19 derzeit alles überschattet, taucht Hopp immer noch regelmäßig in den Medien auf. Mal wegen eines Impfstoffs gegen das Coronavirus, den die Firma „CureVac“, dessen Haupteigner Hopp ist, vielleicht irgendwann entwickeln wird - und mal, weil er scheinbar auch aktuell noch Bedarf sieht, um über die Fanproteste vor der Bundesliga-Pause zu reden.

Wozu dieser Auftritt? Wieso in dieser Form?

Am Samstag war es mal wieder so weit. Hopp äußerte sich im Aktuellen Sportstudio des ZDF: „Mich zum Gesicht für den Kommerz zu machen, ist wirklich nicht nachvollziehbar. Leider war die Hetze so perfekt inszeniert, dass Ultras vieler Vereine mitgemacht haben. Ich will das aber alles gerne vergessen, wenn es von nun an Geschichte ist.“

Es wird von nun an ja automatisch erstmal sehr lange Geschichte sein - und wer Hopps Auftritt im Sportstudio sah, der durfte sich durchaus ein paar Fragen stellen: Wozu dieser Auftritt? Wieso in dieser Form? Und warum jetzt nicht einfach mal die Ruhe bewahren, wenn es doch sowieso gerade ruhig ist und eigentlich um ganz andere Dinge geht.

Eher ein Imagefilm als ein journalistischer Beitrag

Hopps Redebeitrag kam eher wie ein Imagefilm als ein journalistischer Beitrag daher. Jochen Breyer, der Moderator der Sendung, erklärte vorher noch schnell: „Es gab keine Option, ihn hier live zu befragen.“ Daher habe Hopp die Fragen vorab zugeschickt bekommen. Der 79-Jährige durfte in der Folge dann ohne Zwischenfragen munter drauflosreden und seine vorbereiteten Sätze ablesen - und die Wahrheit lautete wohl eher: Hopp hatte keine Lust, live befragt zu werden. Das ganze Schauspiel wirkte letztendlich nicht nur wie ein schlechter journalistischer Scherz, es war tatsächlich einer.

Zur Einordnung: Natürlich gehört Hopp mit seinen 79 Jahren zur Covid-19-Risikogruppe und sollte in diesen Tagen nicht in Mainz im Studio sitzen, aber es gibt die Möglichkeit, jemanden von zu Hause aus zu schalten, zur Not gibt es Skype. Es gibt die Möglichkeit, Interviews vor einer Sendung zur Wunsch-Uhrzeit aufzuzeichnen. Es gibt Telefone. Kurzum: Natürlich hätte es Optionen gegeben, um Hopp vernünftig zu interviewen. So, wie es sie am Samstagabend bei den Gesprächen mit Weltmeister Christoph Kramer, UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und Virologe Alexander Kekule ja auch gab.

Diesen Auftritt hätte sich Dietmar Hopp sparen sollen

Damit blieb am Ende nur die Erkenntnis, dass sowohl Hopp als auch das ZDF sich diesen Sendepunkt im Aktuellen Sportstudio besser gespart hätten. So wird das nämlich nichts, Konfliktlösung geht anders. Hopp benötigt keine Eigenwerbung und Ansprachen ans Fußballvolk im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, um die Kurven zum Schweigen zu bringen. Er braucht auch keine Verweise auf all seine lobenswerten Verdienste für die Gesellschaft, die es zweifelsohne zu Hauf gibt. Hopp braucht, wenn überhaupt, den Mut zur Kontroverse - oder die Bereitschaft, sich ein dickes Fell zuzulegen und öfter mal wegzuhören, wenn die Geisterspiele aus der Bundesliga verjagt worden sind.

Denn es geht den Ultras - bei aller berechtigten Verurteilung der Schmähungen - noch immer nicht um die Person Dietmar Hopp. Es geht ihnen noch immer um die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs, um die Bewahrung von 50+1 und um Kollektivstrafen. Hopp ist noch immer nur ein Symbol im Kulturkampf der Fans gegen den DFB. Aufritte wie der von Hopp am Samstag im Aktuellen Sportstudio werden nur dazu führen, dass dieser Kulturkampf noch erbitterter geführt wird als ohnehin schon. Vor allem deshalb, weil nicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit der Eindruck entstand, dass für Hopp Sonderrechte gelten. Beim DFB steht dieser Vorwurf bereits länger im Raum - spätestens seit Samstag sieht sich auch das ZDF mit ihm konfrontiert.

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