Irre Haaland-Show in Berlin begeistert nicht nur BVB-Sportdirektor Zorc

mlzBorussia Dortmund

Beim 5:2 in Berlin stiehlt der vierfache BVB-Torschütze Erling Haaland allen die Show. Auch dem jüngsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten. Nicht nur Sportdirektor Michael Zorc ist begeistert.

Berlin

, 22.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zehn Minuten vor seinen Mannschaftskollegen trippelte der Junge im schwarzen Trainingsanzug auf den Rasen, kickte ein paar Bälle vor sich her, die wenigen Augenpaare im gespenstischen Olympiastadion waren am Samstagabend um 19:49 Uhr alle auf ihn gerichtet. Selbst Herthas Stadion-TV listete die Chronologie der bisherigen Wundertaten von Youssoufa Moukoko auf. Der Hype um den 16-Jährigen hatte absonderliche Züge angenommen. Um kurz nach 22 Uhr gab der jetzt jüngste Bundesliga-Spieler aller Zeiten schließlich sein Debüt, gute fünf Minuten lang. Erledigt. Für die große Show sorgte ein anderer BVB-Profi.


BVB-Stürmer Erling Haaland lässt Herthas Abwehrspieler hüftsteif und lahm aussehen

Eingewechselt wurde das Dortmunder Ausnahmetalent für einen nur vier Jahre älteren Mitspieler, der in der Zwischenzeit alle in Staunen versetzt hatte. Erling Haaland, vierfacher Torschütze beim 5:2 des BVB in Berlin, zog die Beobachter mit einer Weltklasse-Vorstellung in seinen Bann. Als sei Bundesliga-Fußball ein Kinderspiel, ließ der Mittelstürmer Herthas Abwehrspieler hüftsteif und lahm aussehen wie Alte Herren. Julian Brandt, gut aufgelegt, geriet ins Schwärmen: „Wenn man Fußballfan ist, muss man dazu nichts sagen. Ihm zuzusehen mit seiner Dynamik und seinem Torriecher, ist sensationell. Er schießt momentan sehr wichtige Tore – eigentlich fast alle.“

Jetzt lesen

Borussia Dortmund hatte Mühe, nach der 14-tägigen Länderspielphase in Tritt zu kommen. Die Berliner lagen nach einer halben Stunde nicht unverdient mit 1:0 vorne, weil der BVB sich zu viele Ballverluste leistete, die Angriffsbemühungen zu kompliziert anlegte, sich permanent im Zentrum festlief und wegen lahmender Flügel keinen Schwung in die Angriffe bekam.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: „Da hatten wir zu viele Fehler im Spielaufbau“

„Da hatten wir zu viele Fehler im Spielaufbau, zu viele ,unforced errors‘, mit denen wir die Berliner ins Spiel gebracht haben. Das war unnötig“, analysierte Sportdirektor Michael Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. „Es war anfangs schwer, Berlin hat sich auch in anderen Spielen gut geschlagen. Da muss man nicht überrascht sein, dass man hier kämpfen muss“, sagte Trainer Lucien Favre.

Jetzt lesen

Es spricht für die Entwicklung und die Führung dieser Mannschaft, dass sie in der Folge ihre Fehler abstellte, mindestens einen Gang hochschaltete und die von dieser Wucht und Klasse überforderten Gastgeber mit Wiederanpfiff aus dem eigenen Stadion schoss. Seinen Spielern habe er in der Pause mit auf den Weg gegeben, weiter an sich und die Spielidee zu glauben, die positiven Dinge zu sehen, die sich in der Phase vor dem Seitenwechsel angedeutet hatten, sagte Favre.

Erling Haaland schießt den BVB zum Sieg in Berlin

15 Spielminuten später hatte Haaland mit einem lupenreinen Hattrick den Weg für den neunten Auswärtssieg aus den letzten zehn Gastspielen in der Bundesliga freigeräumt. „Wir haben in der zweiten Halbzeit gut gespielt“, lobte Favre, „und am Ende noch besser.“ Zorc stimmte ein: „Mir hat vor allem der Wille gefallen, mit dem wir das Spiel drehen wollten. Wir haben auswärts gegen eine gute Mannschaft und trotz Rückstand das Spiel noch klar gewonnen.“ Die Art und Weise, wie die Mannschaft die Tore herausgespielt hätte, fand der Sportdirektor „brutal gut“ und meint: „Das kann ein Big Point gewesen sein.“

Jetzt lesen

Dank der Punktverluste der Konkurrenz springt der BVB nach Spieltag acht auf Rang zwei der Tabelle, steht nur einen Zähler hinter dem FC Bayern München. Das weckt bei den Fans Hoffnungen und lehrt die Gegner das Fürchten. „Wenn Dortmund mit so einer Körpersprache und so einem Siegeswillen wie nach der Halbzeit kommt, kann es schnell passieren, dass du zwei Gegentore bekommst“, sagte Herthas Maximilian Mittelstädt.

Das Prunkstück des BVB ist die Offensive

Für die Dortmunder rückt das knappe wie ärgerliche 2:3 gegen die Bayern vor zwei Wochen weit in den Hintergrund. Mit dem BVB ist zu rechnen, lautet das Signal. Zumal Favre es sich erlauben konnte, die spät zurückgekehrten Jadon Sancho und Thorgan Hazard auf der Bank zu belassen. „Wir sind viele, gerade in der Offensive“, sagte der 63-Jährige und strahlte beim Blick auf seine exquisite Auswahl, die in Moukoko um eine weitere Alternative angewachsen ist. „Sehr glücklich, mein Debüt gegeben zu haben. Aber noch glücklicher bin ich über die drei Punkte. Nichts kann dieses Gefühl beschreiben“, schrieb der Teenie-Star. Fortsetzung folgt.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt