„Jede Serie reißt“

Zidan im Interview

In Dortmund wurde Mohamed Zidan (30) nicht mehr glücklich. Nur wenige Minuten ließ ihn Jürgen Klopp in der Hinrunde von der Leine, Ende Januar zog der Stürmer am letzten Tag der Winter-Transferperiode zu seinem Ex-Klub Mainz 05 weiter. Seitdem trifft der Ägypter am Fließband. Wir sprachen mit Zidan über seine Rückkehr nach Mainz, seinen beeindruckenden Lauf und das Wiedersehen mit dem BVB.

DORTMUND

von Von Matthias Dersch

, 02.03.2012, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
»Höre ich was von Euch?« Mohamed Zidan nach einem Tor für seinen neuen Klub Mainz.

»Höre ich was von Euch?« Mohamed Zidan nach einem Tor für seinen neuen Klub Mainz.

Ich wusste, dass die Leute sich auf mich freuen würden. Ich wusste aber auch, dass die Erwartungen aufgrund meiner vorherigen Erfolge in Mainz enorm sein würden. Ich bin sehr froh, dass ich sie bislang mit meinen Toren so gut erfüllen konnte.

Nein. Mainz war im Winter nicht meine einzige Option. Ich hatte einige andere Angebote. Aber mir war klar: Wenn ich im Winter wechsle, muss ich zu einem Klub, an den ich mich schnell gewöhne. Da kam eigentlich nur Mainz in Frage. Und es hat sich ja auch alles so bestätigt, wie ich es mir erhofft habe.

Ich hatte mich vor meinem Wechsel einmal mit ihm getroffen und dabei sofort gespürt, dass er genau der Trainer ist, mit dem ich meinen weiteren Weg gehen möchte. Natürlich hat jeder Trainer seine eigene Art, aber der Unterschied von Tuchel zu BVB-Trainer Jürgen Klopp ist nicht so riesig. Ihre Philosophie und die Art, wie sie spielen lassen, ist sehr ähnlich.

Der Klub hatte Ende Januar gerade gegen Freiburg gewonnen. Dennoch ging es im Umfeld nicht locker zu. Der Blick ging weiter nach unten. Ich wurde oft nach den Chancen auf den Klassenerhalt gefragt, aber für mich war das die falsche Frage.

Die Qualität im Kader ist einfach zu hoch. Mir war sofort klar, dass dieser Verein nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. Und für mich war klar: Ich bin nicht nach Mainz gekommen, um den Kader zu vergrößern, sondern um der Mannschaft das zu geben, was ihr gefehlt hat.

Es hat ein Spieler gefehlt, der ganz genau weiß, wo das Tor steht. Der nicht viele Chancen braucht, um zu treffen. Ich habe mittlerweile viel Erfahrung gesammelt, bin 30 Jahre alt, kein Talent mehr und habe in der Bundesliga über 40 Tore geschossen. Ich bin bereit dafür, Verantwortung zu tragen. Die Zeit in Dortmund, in der ich nur auf der Bank saß, hat mich nur noch hungriger gemacht.

Ach, ich mache doch eigentlich gar keine verrückten Sachen. Allerdings traue ich mich, mal ins Dribbling zu gehen oder auch in ungewöhnlichen Situationen den Abschluss zu suchen. Es kann sein, dass dem Team das vorher abging.

Es ist ein besonderes Spiel für mich, das ist klar. Im Herzen bin ich noch immer Borusse, bis vor vier Wochen habe ich das BVB-Trikot noch selbst getragen. Für mich geht es auch nicht darum, Revanche für irgendetwas zu nehmen.

Ich drücke meinen Ex-Kollegen Woche für Woche die Daumen und wünsche ihnen die drei Punkte. Mit vielen Spielern, wie Patrick Owomoyela, Sebastian Kehl oder Roman Weidenfeller habe ich noch Kontakt. Viel hat sich seit meinem Wechsel eigentlich nicht verändert. Ich freue mich auf die Rückkehr.

Ich bin Profi und werde auch gegen Dortmund meinen Job erledigen. Aber früher habe ich mir vor den Spielen gegen meine Ex-Klubs immer gewünscht, ein Tor zu erzielen. Dieses Gefühl habe ich diesmal nicht. Ich fände es wirklich schöner, wenn meine Kollegen das am Samstag übernehmen würden.

… werde ich die Chance nutzen. Ich werde danach aber nicht groß jubeln. Dafür habe ich zu viel Respekt vor meinem Ex-Klub.

 Ja, ein paar haben mir nach dem Tor gegen Kaiserslautern zu meiner Serie gratuliert. Aber sie meinten auch, damit wäre jetzt Schluss …

Das wird nicht einfach. Das Team hat in der Rückrunde alles gewonnen, ist kaum zu stoppen. Aber: Jede Mannschaft ist schlagbar, jede Serie reißt irgendwann. Diese Aussicht darauf ist eine Extra-Motivation für uns.

Die Chance ist groß. Sie spielen mit so viel Freude und so viel Spaß, dass es toll ist, ihnen zuzusehen. Ich wünsche es ihnen vom ganzen Herzen, dass sie den Titel verteidigen und die Schale behalten können.

Wenn ich eingeladen würde, würde ich sehr gerne kommen.

Lesen Sie jetzt