Jonker über Diktatoren und holländische Ansichten

BVB-Gegner Wolfsburg

Andries Jonker arbeitet seit Ende Februar beim VfL Wolfsburg. Vergangene Saison sprangen der Niederländer und sein Team dem Abstieg erst in der Relegation von der Schippe. Jetzt soll der sportliche Erfolg zurück in die Autostadt kommen. Petra Nachtigäller hat sich mit dem 54-Jährigen vor der Partie gegen den BVB (Samstag, 15.30 Uhr) unterhalten.

DORTMUND

, 18.08.2017, 21:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
"Wir sind Holländer, wir müssen versuchen, erfolgreich zu sein mit schönem Fußball", sagt Andries Jonker über seine Spielidee.

"Wir sind Holländer, wir müssen versuchen, erfolgreich zu sein mit schönem Fußball", sagt Andries Jonker über seine Spielidee.

Sind Sie eigentlich noch nervös oder aufgeregt vor einem Saisonstart? Ich freue mich! Am letzten Wochenende hat man schon im Pokal gemerkt, dass es ein Pflichtspiel ist, dass es ums Ergebnis geht. Und ich freue mich auch auf das Dortmund-Spiel: schöner Gegner, volles Stadion, tolle Atmosphäre mit unseren Fans. Dann wirst Du wirklich sehen, wo Du stehst.  

Sie haben gesagt: Keiner in Wolfsburg hat Lust auf eine Wiederholung des Abstiegskampfes und der Relegation. Was macht Sie optimistisch, dass es diesmal besser läuft? Dass wir jetzt in Ruhe arbeiten konnten. Ich glaube, dass das dem Verein richtig guttut und der Verein komplett geschlossen ist: Die Fans, die Mitarbeiter, die Sponsoren, die Spieler, der Stab - alle halten zusammen. Da ist etwas zusammengewachsen in den ganz schwierigen Monaten der Vorsaison.

 

Welche Baustellen haben Sie ausgemacht in der Analyse der letzten Saison? Olaf Rebbe, der Sportdirektor, und ich haben die Organisation und die Struktur des Vereins analysiert. Wir haben versucht, einiges zu verbessern. Wir haben auch über den Kader gesprochen und sind zu dem Schluss gekommen, ihn verändern zu müssen. Es sind jetzt viele Neuzugänge. Eines unserer Probleme war in der letzten Saison, dass wir keine Tore geschossen haben. Aber Du musst Tore schießen im Fußball.

Welche besondere Rolle spielt Mario Gomez da? Natürlich rechne ich mit ihm und seinen Toren. Aber es kann nicht alles alleine von Mario Gomez abhängen. Er hat letzte Saison gemacht, was er machen musste, aber andere müssen das eben auch tun.

Wie würden Sie Ihren Stil als Trainer beschreiben? Otto Rehhagel hat sich mal als demokratischer Diktator bezeichnet … So ein Typ bin ich auch (lacht). Ich habe gerne starke Leute um mich, die ihre eigene Meinung haben. Ich habe keinen Bedarf an Zwillingsbrüdern, die immer sagen, dass ich Recht habe. Ich habe gerne Leute in meiner Umgebung, die die Dinge anders sehen und gute Argumente haben. Dann bin ich bereit, zuzuhören. Am Ende ist es im Fußball wie auf einem Schiff, das gesteuert werden muss: Einer muss entscheiden, du brauchst einen Kapitän.

Man bringt immer seine Erziehung, seine Ausbildung, seinen Kopf, seinen Willen mit, haben Sie gesagt. Sind Sie eher Kopf- oder Bauchtyp? Ich bin schon ein Kopftyp, aber auch ich kann den Bauch nicht ausschalten - und das will ich auch nicht. Ich denke über vieles nach, trotzdem gibt es auch Raum für das Gefühl. Das ändert sich auch mit den Jahren, dass Du anfängst zu akzeptieren, dass Du auch Deinem Gefühl Raum lassen musst.

Sie sind schon länger in der Bundesliga tätig. Welche Tipps würden Sie ihrem Landsmann Peter Bosz mit auf den Weg geben? Wenn Du nur einen Gegner unterschätzt, hast Du verloren. Das ist so in der Bundesliga. Das hat man zuletzt schon in den Pokalspielen gesehen. Du darfst, egal, gegen wen Du auch spielst, nie denken: Das schaffen wir schon, das geht locker.

Sie wollen attraktiven Fußball sehen, Peter Bosz auch. Wie verliebt sind Niederländer in „Totaal Voetbal“? Da gibt es inzwischen unterschiedliche Meinungen. Wir sind groß geworden mit Trainern wie Michels, Cruyff und van Gaal, die es geschafft haben, mit wunderschönem Fußball, der von der ganzen Welt anerkannt wurde, sehr erfolgreich zu sein. Mittlerweile gibt es Holländer, die sagen: Wir müssen weg davon, wir müssen einfach erfolgreich sein, wie, das ist egal. Ich glaube, Peter und ich sind mehr aus der Michels-Cruyff-van  Gaal-Generation. Wir sind Holländer, wir müssen versuchen, erfolgreich zu sein mit schönem Fußball.

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Der BVB auf dem Weg zum Spiel beim VfL Wolfsburg

Der BVB auf dem Weg zum Spiel beim VfL Wolfsburg.
18.08.2017
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Der BVB auf dem Weg nach Wolfsburg.© Foto: Groeger
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Schlagworte Borussia Dortmund

Sie haben mit Trainern zusammengearbeitet wie Louis van Gaal, Felix Magath, Arsene Wenger. Wer hat Sie am meisten beeinflusst? Das war in unterschiedlichen Zeiten und Situationen, aber am längsten habe ich mit van Gaal gearbeitet. Mit ihm habe ich sehr gut zusammengearbeitet, in verschiedenen Ländern und Situationen. Ich bin als Sportlehrer ausgebildet, und da habe ich schnell verstanden: Wenn Kinder Sport machen in der Schule, dann geht es in erster Linie um Begeisterung und Spaß. Und Louis hat die gleiche Ausbildung zum Sportlehrer gemacht, und er hat mir gezeigt, wie man das umsetzt im Spitzenfußball. Eigentlich ist es dort genauso: Es geht um Begeisterung und Spaß.

Sie haben beklagt, dass es im Fußball so unruhig geworden ist. Wie haben Sie den Wirbel um Ousmane Dembele in Dortmund verfolgt? Das passiert leider in der modernen Zeit. Es hat auch noch Zeiten gegeben, wo man gesagt hat: Vertrag ist Vertrag. Punkt. Das ist einfach nicht mehr so, die Zeit hat sich geändert. Ich habe auch schon viele ähnliche Situationen mitgemacht - und Du kämpfst damit. Das wird bei Dortmund auch so sein, ohne dass ich Details kenne.

Wie viele Sorgen macht Ihnen aktuell Ihre Abwehr nach den langen Ausfällen von John Brooks und Jeffrey Bruma? Olaf Rebbe und ich haben mit vier Innenverteidigern geplant, in Felix Uduokhai ist ein ganz junger dabei, ein ganz talentierter. Du rechnest mit vier, jetzt haben wir nur noch zwei, das macht uns natürlich schon etwas Sorgen. Aber mit Felix ist wirklich ein talentierter Spieler dabei.

Welches Spiel erwarten Sie gegen den BVB? Und wie wird es ausgehen? Einer unserer Fans sagte mir kürzlich: Wir gewinnen 3:0. Da habe ich ihn gefragt. Wo kann ich das unterschreiben? (lacht) Das wird auf jeden Fall ein spannendes Spiel, die Dortmunder werden voll auf Sieg spielen. Und wir auch.

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