"Jürgen Klopp ist ein Super-Trainer"

Pantelic im Interview

Borussia Dortmund spielt Mittwoch in der Champions League bei Olympiakos Piräus. Beim griechischen Meister verdient Marko Pantelic (33) sein Geld, wobei er nicht verraten möchte, ob er in Zeiten der Finanzkrise sein volles Gehalt bekommt. Der ehemalige Bundesliga-Profi von Hertha BSC (2005-2009) sprach über die dramatische Lage in seiner Wahlheimat, seine Quote, die Ausrutscher von Neven Subotic und eine mögliche anti-deutsche Stimmung.

DORTMUND

von Thomas Schulzke/Marcus Bark

, 19.10.2011, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
 Marko Pantelic trifft heute mit Piräus auf Borussia Dortmund

Marko Pantelic trifft heute mit Piräus auf Borussia Dortmund

Herr Pantelic, Griechenland droht die Staatspleite, Athen ist der Brennpunkt der Euro-Krise. Was bekommen Sie davon aus der Nähe mit? Marko Pantelic: Wenig. Ich wohne mit meiner Familie in Piräus in der einen, Athen ist in der anderen Ecke. Dadurch sind auch die Probleme ein Stück weit weg. Wir haben alle drei Tage ein Spiel, dazu kommen die Reisen zur serbischen Nationalmannschaft. Ich bin Fußball-Profi und mische mich nicht in die Politik ein.

Viele Griechen müssen harte Einschnitte hinnehmen und protestieren dagegen, auch Fußballprofis? Pantelic: Wir haben im Gegensatz zu Rentnern und Arbeitern Glück, die um ihr Geld bangen, weil wir mit Evangelos Marinakis einen Super-Präsidenten haben.

Sie bekommen also Ihr volles Gehalt – und das auch pünktlich? Pantelic: Das ist eine private Angelegenheit und darüber spreche ich nicht.

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp vermutete in der Bild am Sonntag, dass die Griechen wegen der Sparappelle aus Berlin derzeit „nicht wahnsinnig glücklich über die deutsche Bevölkerung“ sind. Die Fans der Borussen dürften sauer sein, weil sie wegen des angekündigten Generalstreiks vor erheblichen Rückreiseproblemen stehen. Pantelic: Ganz ehrlich, von einer Stimmung gegen die Deutschen habe ich nichts mitbekommen, und davon ist auch nichts zu spüren. Wann und wo gestreikt wird, das weiß ich auch nicht genau. Wie gesagt, wir sind sehr viel unterwegs, und in der Mannschaft ist das alles kein Thema.

Merken Sie auch nicht anhand der Zuschauerzahlen, dass bei den Griechen das Geld sehr knapp ist? Pantelic: Wir haben überragende Fans, vielleicht sogar die besten in Europa. Die wollen zu jedem Spiel und kaufen sich Karten. Hier in Piräus, eigentlich in ganz Griechenland, lieben alle Fußball.

Wie läuft es denn sportlich für ihre Mannschaft? Pantelic: Gut. In der vergangenen Saison sind wir Meister geworden. Am Samstag haben wir 1:1 im Derby bei AEK Athen gespielt und sind jetzt punktgleich mit Tabellenführer Panathinaikos.

Und wie läuft's für Sie? Pantelic: Vergangene Saison habe ich neun Tore in 20 Spielen gemacht, obwohl ich nur sechs Mal in der Startelf stand. Das ist eine Super-Quote. Jetzt habe ich in vier Spielen nur 35 Minuten gespielt, aber immerhin ein Tor gemacht.

Waren sie verletzt, dass es nicht mehr Einsätze sind? Pantelic: Nein, der Trainer setzt halt auf andere von Beginn an, obwohl ich hart und ehrgeizig trainiere. Das muss ich akzeptieren.

Am Mittwoch kommt der BVB zu einem ganz wichtigen Spiel in der Champions League. Olympiakos hat null Punkte, der Deutsche Meister nur einen. Pantelic: Es ist für uns ein Finalspiel. Wir müssen die Punkte holen, um in Europa dabei zu bleiben. Wir haben den Druck, aber auch das Selbstvertrauen.

Das gilt auch für den BVB. Wie beurteilen Sie den Gegner? Pantelic: Ich könnte Ihnen viel zu Dortmund sagen, aber nichts Neues. Sie haben eine überragende Saison gespielt und ich gratuliere ihnen nachträglich zum Titel. Jürgen Klopp ist ein Super-Trainer, alle Spieler sind sehr zufrieden und jeder weiß, was er zu tun hat.  Die Unterstützung der Zuschauer in Dortmund ist immer fantastisch.

Ihre Informationen haben Sie bestimmt von Neven Subotic, mit dem Sie in der vergangenen Woche noch in der serbischen Nationalmannschaft zusammengespielt haben. Pantelic: Wir haben nicht viel über das Champions-League-Spiel gesprochen. Aber generell kennen wir uns sehr gut. Wenn ich eine Chance bekäme, würden wir gegeneinander spielen ...

...und Sie würden hoffen, dass er doch noch einmal ausrutscht. Pantelic: Ausrutscht?

Neven Subotic verschuldete mit einigen Ausrutschern Gegentore und musste zwischenzeitlich sogar auf die Bank. In Bremen war er zuletzt viel besser. Pantelic: Ach, ich kenne ja die deutsche Mentalität. Es geht sehr schnell nach oben und dann wieder nach unten. Neven ist ein Superspieler, sicherlich einer der besten zehn Verteidiger in Europa – und er hat maximalen Kredit beim Trainer.

Wenn Sie sich einen Startplatzelf zum Duell mit Subotic aussuchen dürften: Superstimmung heim mit 32.000 Zuschauern oder auswärts mit etwa doppelt so vielen? Pantelic: Ich würde das Spiel in Piräus nehmen.

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