Julian Koch über schwere Wochen und seine Rückkehr

BVB-Leihgabe im Interview

Julian Koch (20) hat schwere Wochen hinter sich. Der BVB-Nachwuchsspieler, der nach dem Ende des Leihgeschäfts mit dem MSV Duisburg im Sommer zu Borussia Dortmund zurückkehren wird, musste nach seiner Kreuzbandverletzung um seine Karriere bangen.

DORTMUND

von Von Dirk Krampe

, 13.04.2011, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Julian Koch hat nach seiner schweren Knieverletzung noch einen langen Weg vor sich.

Julian Koch hat nach seiner schweren Knieverletzung noch einen langen Weg vor sich.

Wegen des Kompartment-Syndroms drohte ihm sogar eine Bein-Amputation. Jetzt kann Koch vorsichtig optimistisch wieder nach vorne blicken. Ein Gespräch über Angst, Machtlosigkeit und die Hoffnung, im Dezember wieder gegen den Ball treten zu können.Man hat Sie am Wochenende erstmals wieder auf der Duisburger Tribüne gesehen. Haben Sie das Schlimmste überstanden?Julian Koch: Es war eine schöne Abwechslung, endlich wieder nahe an der Mannschaft sein zu können. Ich muss aber immer noch die meiste Zeit liegen und darf das Bein nicht belasten. Aber es ist richtig, seit ich vor gut zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, geht es mit kleinen Schritten aufwärts.Die eigentliche Operation am Kreuzband steht Ihnen noch bevor. Wie ist der Zeitplan?Koch: Ich war am Montag in München bei Professor Strobel. Er ist mit der Wundheilung der ersten OPs sehr zufrieden. Bevor die Kreuzband-OP stattfinden kann, muss ich das Knie 90, besser noch 120 Grad beugen können. Momentan liege ich bei 40. Ich schätze, es wird noch vier bis sechs Wochen dauern.Wann war Ihnen klar, dass Sie sehr lange ausfallen würden?Koch:  Dass es etwas Schlimmeres sein würde, wusste ich schon auf dem Platz. Im Krankenhaus hat man mir dann gesagt, dass sie das Bein aufschneiden müssen, weil sich Blut staut. Da habe ich mir gedacht, okay, machen wir das.Dann gab es Komplikationen…Koch: Die erste Operation hat nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Ganz ehrlich, den Begriff Kompartment-Syndrom kannte ich bis dahin ja gar nicht. Erst nach dem MRT und dann vor der zweiten Operation wurde mir die ganze Tragweite meiner Verletzung bewusst.Kurzzeitig drohte Ihnen sogar eine Amputation des Beins. Was haben Sie da gedacht?Koch: Ich war völlig down. Und ich hatte Angst. In diesem Moment spürte ich meine ganze Machtlosigkeit.Wer hat Sie wieder aufgebaut?Koch: Nach der erfolgreichen zweiten Operation habe ich Zuspruch von so vielen Seiten bekommen. Im Krankenhaus habe ich das Pokal-Halbfinale des MSV gegen Cottbus gesehen. Als meine Mitspieler die T-Shirts („Alles Gute, Jule!“, Anm. d. Red.) unter ihren Trikots zeigten und in die Kameras streckten, hatte ich Gänsehaut. Da musste ich mich echt zusammenreißen.Sie werden im Sommer wieder zum BVB zurückkehren. Hatten Sie schon Kontakt zu den Verantwortlichen?Koch: Trainer Jürgen Klopp hat mir eine SMS geschickt, Sportdirektor Michael Zorc hat mich im Krankenhaus besucht. Nuri Sahin war auch da und hat mir im Namen der Mannschaft einen Blumenstrauß überreicht. Das waren tolle Gesten, die mich aufgebaut haben.Durch die Verletzung hat eine märchenhafte Saison für Sie ein schlimmes Ende genommen. Wenn Sie zurückblicken: Überwiegen dennoch eher die positiven Erinnerungen?Koch: Auf jeden Fall. Ich konnte im Sommer doch nicht damit rechnen, dass ich absoluter Stammspieler und Leistungsträger sein werde.Sie sind sogar Vize-Kapitän…Koch: (lacht) Ja, verrückt, oder? Das Jahr ist wirklich super für mich gelaufen. Ich habe mich enorm weiterentwickelt.Im Mai spielt der MSV im deutschen Pokalfinale. Wie sehr wird das Zuschauen schmerzen?Koch: Das ist echt ein Drama, ich konnte schon beim Halbfinale kaum hinschauen. Aber ich werde ja in Berlin dabei sein…Drei Tage vor dem Endspiel gibt es die offizielle Pokalübergabe an die beiden Finalisten. Sie werden für den MSV den Pokal in Empfang nehmen…Koch: Darauf freue ich mich ganz besonders. Und es macht mich stolz, dass der MSV mich ausgewählt hat. Das ist eine große Ehre für mich.Gibt es eine realistische Einschätzung, wann man Sie wieder auf dem Rasen sehen wird?Koch: Der Doktor sagt, dass ich im Dezember hoffentlich wieder so weit bin, dass ich ganz normal in die Rückrunden-Vorbereitung der Mannschaft einsteigen kann. Darauf werde ich hinarbeiten.

  • Als Kompartmentsyndrom wird der Zustand definiert, in dem bei geschlossenem Haut- und Weichteilmantel ein erhöhter Gewebedruck zur Verminderung der Gewebedurchblutung führt, woraus neuromuskuläre Störungen oder Gewebe- und Organschädigungen resultieren. Eine verschleppte Behandlung führt zur dauerhaften Schädigung der Nerven und des Gewebes. Folgen hiervon können Lähmungen oder sogar der Verlust des betroffenen Glieds sein.

 

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