Kagawa spielt nach seiner Denkpause stärker auf

In der Götze-Falle

Nach schweren Wochen hat sich Shinji Kagawa seinen Platz in der Elf von Borussia Dortmund zurückerkämpft. Beim 3:0 in Berlin am Mittwoch gehörte der Japaner zu den stärksten Borussen, leitete die beiden ersten Treffer ein und spielte insgesamt äußerst umtriebig. Ob er aber eine langfristige Perspektive als Stammkraft beim BVB hat, könnte von Mario Götze abhängen.

Berlin

, 22.04.2016, 06:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bilder der Partie Berlin gegen Dortmund.

Bilder der Partie Berlin gegen Dortmund.

Woche für Woche begleitet ein großer Tross japanischer Journalisten den BVB zu seinen Spielen. Gemeinsam stehen sie nach den Paarungen in der Mixed Zone und lassen alle Profis ungefragt passieren. Nähert sich allerdings Shinji Kagawa, brechen sie in hektisches Treiben aus. Jeder Schritt des 27-Jährigen wird verfolgt und für die Heimat festgehalten, jedes Wort aufgesogen wie ein Schwamm. Und Kagawa spricht viel mit den Pressevertretern seines Heimatlandes. Manchmal wirkt es für Außenstehende, als würde er ihnen ein ganzes Buch diktieren, so lange dauert das Frage-Antwort-Spielchen.

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Doch es liegen harte Wochen hinter der Reisegruppe aus Japan. Zwischen dem 18. und 25. Spieltag kam Kagawa in der Bundesliga fünfmal nicht zum Einsatz, zweimal schaffte er es nicht einmal in den Kader. Der Journalisten-Tross hatte nichts in die Heimat zu funken – außer dass BVB-Trainer Thomas Tuchel unzufrieden mit dem Kreativspieler war.

Denkzettel

Damals betonte Tuchel zwar, dass die Nicht-Nominierung Kagawas keinesfalls „dogmatischen Charakter“ habe und „nichts zerbrochen“ sei. Als ein Denkzettel aber konnte diese vorübergehende Aussortierung aus dem Spieltagskader dennoch verstanden werden.

Die Wende zum Guten brachte der 2:0-Sieg über Mainz Mitte März, bei dem Kagawa über die volle Distanz zum Einsatz kam. Seitdem erzielte Kagawa drei Tore und bereitete je eins in der Liga und im Pokal direkt vor. Am Mittwoch ersetzte er im Pokalhalbfinale den noch immer nicht ganz fitten Ilkay Gündogan, den sich Tuchel für die Schlussphase aufsparen wollte – und der Japaner überzeugte mit schönen Dribblings, guten Pässen und viel Kreativität.

Kein klassischer Zehner

Ob seine starken Auftritte der vergangenen Wochen Zeugnis einer dauerhaften Schlüsselrolle in Tuchels Planungen sind oder nur ein kurzes Aufflackern, das wird bis Saisonschluss eine spannende Frage sein. Denn das Grundproblem Kagawas bleibt: Eine klassische Zehner-Position, die Kagawas Stärken entspricht, gibt es in Tuchels System nicht. Er muss daher meist auf die Rolle des Achters ausweichen, die ihm weniger liegt. Das gelingt mal sehr gut wie jüngst in Berlin, aber eben auch mal gar nicht – wie beispielsweise gegen Hannover und Hoffenheim.

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Mit großem Interesse wird Kagawa daher verfolgen, wie konkret sich in den kommenden Wochen die angedachte und heißer werdende Rückholaktion von Mario Götze gestalten wird. Mit dem Weltmeister von 2014 spielte der Japaner beim BVB zwar bereits erfolgreich zusammen, damals aber kam Götze meist über die Flügel in einer klassischen 4-2-3-1-Grundordnung. Inzwischen sieht jedoch auch er sich eher im Spielfeldzentrum beheimatet.

Kommt Götze tatsächlich zurück, wie es sich die überwiegende Mehrheit der BVB-Profis wünscht, könnten die japanischen Journalisten in der kommenden Saison daher erneut Probleme bekommen, ihre Seiten zu füllen.

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