Kehl: "Ich wollte dieses Tor!"

Im Interview

Nach Spielschluss hatte Borussia Dortmunds Sebastian Kehl (31) gleich 22 Glückwunsch-SMS auf seinem Handy. „Nach dem 1:3 gegen Piräus war es genau eine. Da wollte ein Freund eine Karte für das Spiel gegen Köln haben.“ Bevor er sich all den Nachrichten widmete, sprach der Kapitän noch über seinen Sohn Luis, seinen Treffer zum 4:0 und den Champions-League-Auftritt in Piräus.

DORTMUND

von Von Thomas Schulzke

, 24.10.2011, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sebastian Kehl war immer Herr der Lage, wie hier im Kopfball-Duell gegen Roshi.

Sebastian Kehl war immer Herr der Lage, wie hier im Kopfball-Duell gegen Roshi.

Am Samstagmorgen habe ich mit meinem fünfjährigen Sohn Luis telefoniert. Er sagte mir, wenn du gegen Köln kein Tor schießt, brauchst du erst gar nicht nach Hause zu kommen. Ich habe ihm dann gesagt, dass das eine mutige Aussage von ihm wäre, weil ich ja nicht ganz so oft treffe. Das war ihm aber egal. Nach meinem Treffer habe ich Luis einen Gruß Richtung Tribüne gesendet.

Ich wollte unbedingt diesen Treffer, war total gierig darauf. Wenn zwei Kölner mehr da gestanden hätten, hätte ich die auch noch aus dem Weg geräumt. Da konnte mich nichts mehr aufhalten.

Es war wichtig, den Kölnern früh zu zeigen, dass für sie hier nichts zu holen ist. Ich muss auch sagen, dass da eine Menge Wut bei uns im Spiel war nach dem Spiel vom Mittwoch.

Ich bin mit Martin Lanig zusammengerasselt und habe seinen Fuß ins Gesicht bekommen. Die Lippe ist stark geschwollen.

Der Doc hat sie getackert. Und mein Zahn wackelt. Aber das ist kein Problem, andere Menschen bezahlen teuer für eine dicke Lippe (grinst). Der Doktor hat die Klammern nach dem Spiel dann wieder rausgenommen.

Dafür war der Zeitraum viel zu kurz. Mittwoch war das Spiel, Donnerstag waren wir zu Hause und Freitag ging es schon wieder ins Hotel. Nachdem wir uns gegen Piräus die Niederlage selbst eingebrockt haben, hatten wir durch die kurze Pause die Chance, gleich wieder eine Reaktion zu zeigen. Und das haben wir geschafft. Dass das international keine gute Situation für uns ist, ist natürlich allen klar. Aber mehr als eine Reaktion konnten wir nicht zeigen.

Vielleicht muss man das so sehen. Wir haben international einfach zu viele Gegentore bekommen. Und so viele Chancen erspielen wir uns in diesem Wettbewerb ja auch nicht. Heute hatten wir zum Beispiel 27 Torschüsse, und das ist in der Bundesliga ja nicht zum ersten Mal passiert. Das Kaliber in der Champions League ist anders. Die Erwartungshaltung und der Druck sind größer. Das schwache fußballerische Auftreten zu erklären, fällt mir schwer.

In Marseille haben wir wenigstens noch guten Fußball gespielt und hätten durchaus auch gewinnen können. Der Auftritt am Mittwoch war aber ehrlich gesagt naiv.

Wir wissen, dass die Bundesliga das täglich Brot ist. Aber wir wissen auch, dass wir uns international nicht gut präsentiert haben. Die Freude heute ist groß, aber die Niederlage in Piräus hängt bei mir noch nach. Wir haben uns als Deutscher Meister auf einer wichtigen Plattform wirklich nicht gut präsentiert.  

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